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Ferien? Wir haben einen Job!

Lübeck Ferien? Wir haben einen Job!

Endlich Ferien! Doch etliche Schüler haben Besseres vor: Sie verdienen sich mit einem Job lieber ein bisschen Geld dazu. Im Café, im Laden oder in der Waschanlage.

Lennard Gehrmann räumt in einem Edeka-Markt in Grömitz Regale ein.

Quelle: Neelsen

Lübeck. Katrin Pretzer (19) beispielsweise arbeitet, wie schon vergangenes Jahr, in einem Bewohner-Café der Vorwerker Diakonie in Lübeck. „Mal bin ich zwei Stunden hier, an einem anderen Tag länger“, sagt sie. Die Arbeit besteht darin, den Bewohnern Kaffee zu kochen, Getränke, Eis, Snacks oder Kuchen auszugeben. Wenn jemand Musik hören will, hilft sie, die Anlage einzuschalten. „Und ein paar Worte mit den Bewohnern zu wechseln, das gehört natürlich auch dazu.“ Dafür bekommt Katrin 8,88 Euro die Stunde, den Mindestlohn.

LN-Bild

Viele Schüler nutzen den Urlaub, um eigenes Geld zu verdienen – im Café, im Laden oder in der Waschanlage.

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„Wir beschäftigen hier gerne Schüler“, sagt Mathias Janke (31), der Leiter des Wohncampus. „Es ist ja auch eine Gelegenheit, mal in den Beruf reinzuschnuppern.“ Soziale Erfahrungen sammeln, mal über den Tellerrand schauen – ein Ferienjob habe viele Vorteile, findet auch Diakonie-Sprecher Lutz Regenberg (45). Insgesamt seien derzeit 60 Schüler bei der Vorwerker Diakonie beschäftigt. „Manche entschließen sich später, hier ein Freiwilliges Soziales Jahr oder sogar ihre Berufsausbildung zu absolvieren.“

Katrin Pretzer aber hat solche Pläne nicht. „Ich habe gemerkt, dass das hier auf Dauer nichts für mich ist“, bekennt sie. Sie will nun lieber ihr Abitur nachholen und dann vielleicht studieren.

Cem Degener (17), der die Lübecker Baltic-Schule besucht, wäscht Autos. In einer Waschanlage in Bad Schwartau hilft er mit der Spritzpistole beim Vorreinigen. „Das macht Spaß“, meint er. Auch er bekommt Mindestlohn – jeden Tag hilft er nach Bedarf aus. „Eine Woche fahre ich noch nach Berlin“, hat er sich vorgenommen.

„Schüler sind eine willkommene Sommerverstärkung“, sagt Birgit Wilhelm (57) vom Zoo „Arche Noah“ in Grömitz. „Die sind auch nicht böse, wenn mal weniger los ist und sie dann an den Strand gehen können.“

Madlen Münster (16), zuletzt in der zehnten Klasse der Jacob-Linau-Schule in Neustadt (Ostholstein), hilft im Restaurant. Dort kassiert sie und gibt die bestellten Gerichte heraus. Wenn mal anderswo mit angefasst werden muss, ist Madlen sich dafür auch nicht zu schade. Die Umgebung mit den vielen Besuchern und Zootieren gefällt ihr. „Ich arbeite gerne hier.“

Lennard Gehrmann (15) besucht die gleiche Schule wie Madlen. Er aber hat sich für einen Ferienjob bei Edeka Wähler in Grömitz entschieden. Wegfahren werde er dieses Jahr nicht. „Ich arbeite, wo andere Urlaub machen“, sagt er. An diesem Tag, an dem es draußen etwas schwül ist, gefällt ihm der kühle Verkaufsraum ganz gut. Von dem Geld, das er verdient, will er sich „ein paar Wünsche erfüllen“. Vor allem plant er, den Bootsführerschein zu machen.

Sein Chef Dirk Wähler (42) beschäftigt insgesamt acht Schüler. „Die wollen sich was verdienen und mir hilft es, durch die Saison zu kommen.“ Bisher habe er überwiegend gute Erfahrungen gemacht.

Die Erfüllung von Wünschen, seien es Reisen oder Konsumartikel, spiele für jobbende Schüler meist eine ganz wichtige Rolle, weiß Olav Mühlsiegl (44), Sozialpädagoge aus Lübeck. Gewiss könne es der Persönlichkeitsentwicklung zugute kommen, wenn Jugendliche erstes eigenes Geld verdienten und in einem Job ein Stück Verantwortung übernähmen. „Erfahrungen sammeln ist aber nicht der entscheidende Antrieb. Es geht meist ums Geld.“ So gesehen rate er persönlich im Zweifel vom Ferienjob eher ab: Schule und Hobbys seien zeitraubend genug. Aus seiner Sicht ist es besser, an den Strand zu fahren.

„Auch Schüler sollten die Ferien zur Erholung nutzen.“

Ab 13 Jahren erlaubt

Laut Jugendarbeitsschutzgesetz (JuArbSchG) sind Jugendlichen ab 13 Jahren leichte Arbeiten erlaubt, wie Zeitungen austragen oder Nachhilfestunden geben. Aber nicht mehr als zwei Stunden täglich, stets zwischen 8 und 18 Uhr und nur mit Zustimmung eines Erziehungsberechtigten. Jugendliche ab 15 Jahren dürfen bis zu vier Wochen (35 bis 40 Stunden in der Woche) in den Ferien arbeiten. Das geht in fast jedem Gewerbe. Ab 18 Jahren sind auch Akkord- und Nachtarbeit und die Arbeit in einer Disco, im Freizeitpark oder auf dem Jahrmarkt erlaubt.

 Marcus Stöcklin

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