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Norddeutschland Ferien gehen in die Verlängerung
Nachrichten Norddeutschland Ferien gehen in die Verlängerung
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10:50 20.10.2017
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Kiel

Beine hochlegen, entspannen und zwei Wochen lang keine Gedanken an Hausarbeiten, Klausuren oder Referate verschwenden: Schleswig-Holstein ist mittendrin in den Herbstferien. Das ist aber nichts gegen das, was Schüler und Lehrer im kommenden Schuljahr erwartet: 2018 gibt es eine Woche zusätzlich frei – genau genommen vom 1. bis zum 19. Oktober. Auch bei den Osterferien 2019 legt das Bildungsministerium in Kiel eine Schippe freier Tage drauf.

Schleswig-Holstein ist das einzige Bundesland mit den XXL-Ferien. Und um die drängendste Frage vorwegzunehmen: Nein, an der Dauer der Weihnachts- und Sommerferien wird nicht gespart. Es handelt sich auch nicht um ein Wahlgeschenk der Jamaika-Koalition und verrechnet hat sich im Bildungsministerium auch niemand. „Tatsächlich ist es die Lage gesetzlicher Feiertage, die die Ferienplanung für das Schuljahr 2018/19 zu einer besonderen Herausforderung gemacht hat“, erklärt Ministeriumssprecher Thomas Schunck.

Die Ausgangslage ist in allen Bundesländern gleich: 75 Ferientage sind sinnvoll auf das Schuljahr zu verteilen. Idealerweise sollen die Unterrichtsblöcke zwischen den Ferien gleich lang sein.

Besonders zu bedenken gilt nach Befinden der Kultusminister, dass zwischen Pfingsten und Beginn der Sommerferien mindestens sechs Wochen Unterricht geleistet werden sollen, um ausreichend Zeit für Klausuren und Prüfungen zu haben. Kriterien, die für die Kieler Ferienplaner grundsätzlich kein Problem darstellen, würde eine Reihe von Feiertagen 2018/19 nicht gehäuft auf Werktage fallen. Denn:

Gesetzliche Feiertage dürfen nicht als Ferientage verrechnet werden, kommen also quasi noch oben drauf.

Ein markantes Beispiel ist Weihnachten, das im kommenden Jahr auf Montag, Dienstag und Mittwoch fällt, gefolgt von Silvester und Neujahr, die ebenfalls zwei Werktage beanspruchen. Die Folge: Zwei Wochen Weihnachtsferien entsprechen nur fünf Ferientagen. Im vergangenen Schuljahr fielen Weihnachten, Silvester und Neujahr auf das Wochenende und kosteten neun Ferientage.

Die übrigen Bundesländer lösen ihr Dilemma durch Winterferien oder unterrichtsfreie Wochen um Himmelfahrt oder Pfingsten. Eine Möglichkeit, die theoretisch auch Schleswig-Holstein zur Verfügung gestanden hätte. Doch beide Feiertage fallen auf Ende Mai beziehungsweise Anfang Juni und hätten gegen die Sechs-Wochen-Regelung für den Zeitraum zwischen Pfingsten und den Sommerferien verstoßen, die im Norden am 1. Juli 2019 beginnen.

Unterm Strich blieben bei den Ferienplanern so viele zu verteilende Ferientage übrig, dass die Verantwortlichen kurzerhand die Osterferien zusätzlich zu den Feiertagen um eine halbe Woche und die Herbstferien um eine Woche verlängerten. Für das Bildungsministerium ein konsequenter Schritt, allein um gleich noch einen gesetzlichen Feiertag unterzubringen: „Der 3. Oktober 2018 liegt genau in der Mitte der Woche, so dass die gesamte Woche sinnvollerweise in die Ferien integriert wurde“, sagt Schunck.

Von Bastian Modrow

Kommentar: "Betreuungs-Angebote regeln!"

Das ist ja toll, denken viele Kinder und einige Lehrer. Eltern jedoch treibt der Gedanke an das nächste Ferienjahr Angstschweiß auf die Stirn: Niemand passt auf dein Kind auf. Das Beispiel einer Familie aus Lübeck: beide Eltern arbeiten Vollzeit, zwei Kinder, 59 Tage keine Kinderbetreuung, weil die Kinder in unterschiedlichen Einrichtungen untergebracht sind. Ihre 54 Urlaubstage können sie nicht gemeinsam verbringen. Worst Case: alleinerziehend ohne Großeltern. Da kann man gleich zu Hause bleiben, „Ferien“ das ganze Jahr! Das ist die traurige Konsequenz und gar nicht toll! Hier sind Politiker gefragt, die endlich ein vernünftiges Betreuungskonzept einführen – und nicht nur darüber reden.
Von Teresa Claussen 

 

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