Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Ferienhäuschen der Schmidts ist verkauft
Nachrichten Norddeutschland Ferienhäuschen der Schmidts ist verkauft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:52 08.10.2017
In dem kleinen Haus mit großem Garten am Brahmsee verbrachten Helmut und Loki Schmidt gern ihre Ferien. Quelle: Fotos: Sven Simon, U. Stephan/r-Mediabase, Paulat
Anzeige
Langwedel

Helmut und Loki Schmidt brachten die große Politik in die 1500-Einwohner-Gemeinde. „Immer, wenn die Staatskarossen durchs Dorf rollten, wusste man: Helmut Schmidt war da“, erinnert sich Holger Spießhoefer (69), der dort 33 Jahre lang Bürgermeister war. Staatsgäste seien gern mit dem Hubschrauber auf dem Sportplatz gelandet. Von dort geht es in den Wald hinein, nach einem Stück Sandweg steht man vor zwei hohen Toren. Das eine führte zu den Schmidts, hinter dem anderen hat lange Zeit Schmidts Freund Karl-Wilhelm Berkhan, von 1975 bis 1985 Wehrbeauftragter, sein Ferienhaus gehabt.

Zur Galerie
Die Schmidt-Ära in Langwedel ist endgültig vorbei: Das Ferienhaus des früheren Bundeskanzlers am Brahmsee ist verkauft. Eine Familie mit Kindern soll das geschichtsträchtige Häuschen inklusive Grundstück übernommen haben. Im Ort denkt man gern an die alten Zeiten zurück.

Zusammen mit einem Busunternehmer aus Kiel hatten die Männer ein großes Grundstück von einem Landwirt gekauft und brüderlich geteilt. Jeder zahlte gut 3300 Mark für mehr als 3000 Quadratmeter Land mit jeweils 30 Meter Seeufer.

Die Schmidts ließen eine Gartenbude draufbauen: Wohnzimmer, Schlafzimmer, eine Küche mit zwei Herdplatten auf 30 Quadratmetern. 1958 verbrachte die Familie ihren ersten Sommer in dem Ferienhaus.

„Immer, wenn Helmut Schmidt beruflich aufstieg, wurde etwas dazugebaut“, erzählt Spießhoefer, der zunächst als Maurerlehrling an dem Haus auf dem Schmidtschen Grundstück mitwirkte. Der frühere CDU-Mann und der SPD-Politiker Schmidt blieben all die Jahre in Kontakt. „Wir waren auch dort eingeladen“, so Spießhoefer, der im Jahr 1984 Bürgermeister wurde. Da war Helmut Schmidt als Bundeskanzler bereits abgewählt. Schmidt sei immer interessiert gewesen zu erfahren, was im Ort los war. „Wir haben echt eine tolle Zeit mit ihm verbracht.“ Noch heute kämen Menschen in den Ort, die fragten, wo Schmidt sein Ferienhaus hatte, berichtet Spießhoefer. „Er war ja auch ein beliebter Kanzler.“

Das Haus sei immer Thema gewesen, erzählt auch Ralf Spilker, SPD-Ortsvereinsvorsitzender in Langwedel (Kreis Rendsburg- Eckernförde). „Selbst wer hier nur zu Besuch ist, der erfährt davon“, meint der 46-Jährige, der zugezogen ist. Er habe die „Glanzzeiten mit Schmidt in Langwedel“ nicht kennengelernt. Für den Verkauf des Ferienhäuschens hat er Verständnis. Das Leben gehe schließlich weiter.

Jahr für Jahr hatten die Schmidts am Brahmsee Erholung gefunden, 65 Kilometer nordöstlich von ihrem Wohnort Hamburg-Langenhorn. Alte Fotos zeigen das Ehepaar beim Schachspiel auf dem Rasen und mit Tochter Susanne, den Bundeskanzler in einer Jolle und beim Rasenmähen mit einer Sense. Zudem kamen Politgrößen wie der später ermordete schwedische Regierungschef Olof Palme, Hamburgs langjähriger Bürgermeister Henning Voscherau und der Schriftsteller Siegfried Lenz zu Besuch. Noch bis kurz vor seinem Tod am 10. November 2015 ließ sich Helmut Schmidt gelegentlich von einem Chauffeur an den Ort fahren, der ihm viel bedeutete. Ehefrau Loki war bereits fünf Jahre zuvor gestorben.

„Dieser Schritt ist mir schwergefallen“, sagte Susanne Schmidt im „Hamburger Abendblatt“ über den Verkauf des früheren Feriendomizils. „Aber letztlich war es ein vernünftiger.“ Die Tochter von Loki und Helmut Schmidt, inzwischen selbst 70 Jahre alt, lebt in der Grafschaft Kent im Süden Englands. Vor gut einem Jahr soll sie zuletzt am Brahmsee gewesen sein. Da war der Entschluss für einen Verkauf schon gereift. „Alles andere hätte keinen Sinn gehabt“, sagte sie der Zeitung. Mehrere Interessenten hatten sich für das Grundstück mit dem Holzhäuschen gemeldet – die Wahl fiel schließlich auf eine Familie mit Kindern. Diese plant nach den Worten von Susanne Schmidt, das Häuschen zu erhalten und zu sanieren.

„Jetzt haben wir noch das Waldstück von Loki“, meint Spießhoefer. Ganz in der Nähe des Seegrundstücks liegt „Lokis Biotop“: Ein sechseinhalb Hektar großes Areal, das die Schmidts 1986 kauften und bewusst sich selbst überließen. Die Fläche ist bereits vor einem Jahr an die Loki- Schmidt-Stiftung übergegangen, darf aber von Besuchern betreten werden.

Von Julia Paulat

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nach erfolgreichen Wahlen in Land und Bund steuern die Grünen in Schleswig-Holstein selbstbewusst und mit einer stark verjüngten neuen Führung die Kommunalwahlen im nächsten Jahr an. Neue Landesvorsitzende sind Ann-Kathrin Tranziska (43) und Steffen Regis (28).

07.10.2017

Den Welterbe-Titel teilt sich die Speicherstadt mit dem angrenzenden Kontorhausviertel und dem sogenannten Chilehaus.

07.10.2017

Na, liebe Leute, die Ansage unseres Ministerpräsidenten ist ja wohl eindeutig. Jetzt wird nicht mehr gekleckert, jetzt wird digitalisiert!

07.10.2017
Anzeige