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Norddeutschland Festland ade – ab auf die Insel
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18:22 12.08.2017
Ute Bahr schaut sich vor dem Inselmuseum mit ihren Enkeln Frida (9) und Thore (2) ein Modell des ehemaligen Schlosses an. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Die Überfahrt vom mecklenburgischen Festland auf die Insel erfolgt fast unbemerkt. Hinter dem kleinen Ort Groß Strömkendorf beginnt der befahrbare Damm Richtung Poel. Richtig übers Wasser geht es aber nur 14 Meter, berichtet Anke Uhlemann, Mitarbeiterin des Inselmuseums. „So lang ist die Brücke über die Ostsee.“ Bis zu 100000 Tagesgäste kommen über diesen Weg oder eines der Ausflugsschiffe jedes Jahr nach Poel.

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Lange Strände, kleine Häfen, alte Bauwerke und ganz viel Natur – auf Poel gibt es für Besucher einiges zu entdecken.

10 Uhr: Inselmuseum. Das kleine Museum befindet sich in einer ehemaligen Dorfschule in Kirchdorf, dem Hauptort der Gemeinde. Insgesamt gibt es 15 Orte, einige haben nur wenige Einwohner. Im Untergeschoss des Museums können sich die Besucher über die Geschichte der Insel informieren – von der Fischerei über Post- und Gesundheitswesen bis zur Landwirtschaft. „Wir haben in den 70er Jahren mit einer kleinen Heimatstube angefangen“, sagt Uhlemann. „Dann brachten uns die Inselbewohner immer mehr Ausstellungsstücke.“ Inzwischen sind auf 350 Quadratmetern rund 450

Gegenstände zu sehen, darunter ein Zahnarztstuhl und eine Schaukelbadewanne von 1900, eine Brautkrone von 1750 und Porträts der alten Inselfischer auf Leinwand. Das Obergeschoss widmet sich dem Güstrower Maler Karl Christian Klasen, der viele Jahre auf Poel verbracht hat.

11 Uhr: Inselkirche. Vom Museum ist es nur ein kurzer Fußweg die Straße hinauf bis zu Inselkirche. Wer vor dem Gelände die Stufen links auf den Wall hochgeht, bekommt einen tollen Blick über den Hafen von Kirchdorf bis hinüber zum Festland geboten. Die Backsteinkirche mit ihrem 47 Meter hohen Turm wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts im romanisch-gotischen Stil errichtet. „Früher wurde bei den Gottesdiensten in der Mitte der Kirche ein weißes Leinentuch gespannt. Vorne haben die Schlossherren gesessen, dahinter die normalen Inselbewohner“, berichtet Andreas Wittchen. Er kennt sich hier bestens aus, arbeitet als Friedhofsgärtner, Küster und Hausmeister bei der Kirchengemeinde. Das Schloss befand sich nur wenige Meter von der Kirche entfernt, „dort, wo jetzt die Freilichtbühne steht“, sagt Wittchen. Das Schloss wurde 1614 bis 1620 gebaut, bereits nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) verfiel es komplett.

12 Uhr: Rundfahrt mit dem Kleinbus. Vom Hafen Kirchdorf bietet Wilfried Boldt eine 90-minütige Rundfahrt an. Im Kleinbus mit 16 Sitzplätzen geht es über die Insel, dazu gibt es viele Informationen und Anekdoten. „Jeder Ort ab 30 Einwohnern hat einen Briefkasten, so eine Dichte gibt’s sonst nirgendwo mehr“, berichtet der 58-Jährige den Teilnehmern. Der Name Poel stamme übrigens aus dem Slawischen und bedeute frei übersetzt „flaches Land“.

14 Uhr: Seehundsandbank. Nächste Station ist Timmendorf. Mehrmals pro Woche besteht die Möglichkeit, vom dortigen Hafen eine Fahrt mit der „MS Seebär“ zur rund zehn Kilometer entfernten Seehundsandbank in der Wismarer Bucht zu unternehmen. Man sollte aber rechtzeitig da sein, denn die Fahrt ist beliebt, und an Bord gibt es nur 48 Plätze. „Bis zu 25 Seehunde können wir sehen“, sagt Kapitän Marco Weiße. „Sie erholen sich auf der Sandbank vom Jagen.“ Die Trefferquote sei hoch, allerdings gebe es keine Garantie. „Wir sind ja kein Zoo, die Tiere werden nicht angefüttert.“ Und so haben wir an diesem Tag Pech. Es sind zwar jede Menge Kormorane, Möwen und Schwäne zu sehen, aber keine Seehunde.

15 Uhr: Timmendorf. Zurück im Hafen lohnt es, sich den Ort Timmendorf noch einmal etwas genauer anzuschauen. Vor 80 Jahren habe es hier erst drei Häuser gegeben, berichtet Wilfried Boldt. Inzwischen ist ein lebhafter Ort entstanden. Wer möchte, kann sich in Timmendorf – wie beim Namensvetter in der Lübecker Bucht – im Strandkorb sonnen. Eines hat sich aber über all die Jahre nicht verändert: Der 1871 erbaute Leuchtturm ist noch immer in Betrieb.

16 Uhr: Kunstcafé Frieda. Zeit für eine kleine Pause. Dafür geht es nach Oertzenhof ins Kunstcafé Frieda. Früher lebten ihre Großeltern auf dem Gut, 2010 entschloss sich Kathy Gordon, im ehemaligen Schweinestall ein Kunstcafé mit selbstgebackenen Torten zu eröffnen, das sie nach ihrer Großmutter benannte. Bis zu acht Ausstellungen sind dort pro Jahr zu sehen.

17 Uhr: Traditionsräucherei. Zum Abschluss des Inseltages schauen wir auf dem Poeler Forellenhof im Ortsteil Niendorf vorbei. Dort haben wir einen tollen Blick über das Wasser auf den Hafen von Kirchdorf. Früher gab es in Niendorf die größte Forellenzucht im Osten, inzwischen konzentriert sich Besitzer Manfred Hanekamp aufs Räuchern. Hering, Scholle, Dorsch, Heilbutt, Forelle, Makrele und Rotbarsch lande bei ihm im Ofen, berichtet der 63-Jährige. „Geräuchert wird nach alter Rezeptur mit einer speziellen Holzmischung.“

Was man noch wissen sollte . . .

Die Insel Poel liegt in der Wismarer Bucht, nahe der Stadt Wismar, im Kreis Nordwestmecklenburg. Sie ist mit 37 Quadratkilometern die siebtgrößte Insel Deutschlands. 2700 Menschen leben dort, verteilt auf die 15 Ortschaften Brandenhusen, Fährdorf, Gollwitz, Kaltenhof, Kirchdorf, Malchow, Neuhof, Niendorf, Oertzenhof, Am Schwarzen Busch, Seedorf, Timmendorf, Vorwerk, Wangern und Weitendorf.

1163 wurde Poel erstmals urkundlich erwähnt. Zu Zeiten der DDR wurde die Insel auch militärisch genutzt. Zwischen Timmendorf und Am Schwarzen Busch lagen an der Steilküste die Horchposten in Richtung Westen.

Museen: Das Inselmuseum (Möwenweg 4) ist dienstags bis sonntags von 10–16 Uhr geöffnet.

Rundfahrt: Die 90-minütigen Rundfahrten im Kleinbus starten dienstags bis sonntags um 10.15, 12.00 und 13.45 Uhr am Hafen in Kirchdorf, sonnabends zusätzlich um 15.45 Uhr. Dienstags um 15.45 Uhr wird zudem eine dreistündige Fahrt angeboten.

Schifffahrten: Die „MS Seebär“ legt dienstags, donnerstags und sonnabends um 14 Uhr von Timmendorf ab. Die „Adler“-Schiffe fahren täglich um 9.30, 12.30 und 15.30 Uhr von Kirchdorf nach Wismar.

Online: www.insel-poel.de Entfernung: Etwas mehr als eine Stunde dauert die Autofahrt von Lübeck auf die Insel Poel (rund 100 Kilometer) – über die A 20 bis Kreuz Wismar, dann auf die Osttangente. Fast drei Stunden sind es mit Bahn (Umstieg in Bad Kleinen Richtung Wismar) und Bus (ab Wismar).

Planen Sie mit!

In der LN-Serie „Tagestour nach . . .“ stellen wir interessante Reiseziele im Norden vor. Und das Beste: Sie dürfen mitbestimmen, wohin unsere Reporter fahren. Das Ziel sollte aus dem Raum Lübeck in maximal zwei Stunden Fahrt erreichbar sein. Abgestimmt wird unter www.ln-online.de/reiseserie. Unter den Teilnehmern verlosen wir den Fatboy Lamzac, einen aufblasbaren Sitz. Bei der letzten Folge hat Ursula Reimers aus Bargteheide gewonnen.

Janina Dietrich

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