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Norddeutschland Feuerwehr in Not: Nachwuchs scheitert an Fitness-Mängeln
Nachrichten Norddeutschland Feuerwehr in Not: Nachwuchs scheitert an Fitness-Mängeln
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20:07 06.08.2016
Vier Berufsfeuerwehren gibt es in Schleswig-Holstein. Sie sind in Lübeck, Neumünster, Kiel und Flensburg und haben nach Angaben des Landesfeuerwehrverbands insgesamt 919 Mitglieder. Nur sieben von ihnen sind Frauen. Quelle: Olaf Malzahn
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Lübeck/Kiel

 „Es wird immer schwieriger, geeignete Kandidaten zu finden“, berichtet Volker Arp, Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbands in Kiel. „Der Anteil der Bewerber, die beim Sporttest durchfallen, ist hoch.“ Seit zehn Jahren nehme er kontinuierlich zu. „Die Fitness ist den jungen Leuten abhanden gekommen. Sie sitzen viel vor dem PC und sind bequem geworden“, sagt er.

Wer hauptberuflich als Feuerwehrmann arbeiten möchte, muss vor der Ausbildung neben einem Wissenstest auch eine Sportprüfung absolvieren. Diese unterscheidet sich innerhalb Schleswig-Holsteins von Berufsfeuerwehr zu Berufsfeuerwehr. In Lübeck müssen die Teilnehmer unter anderem einen 1500-Meter-Lauf, einen Sprint über 50 Meter und fünf Hock-Streck-Sprünge bewältigen sowie 200 Meter schwimmen. In Kiel sind ein Zwölf-Minuten-Dauerlauf, ein Zirkel-Parcour sowie das Besteigen einer 30 Meter hohen Drehleiter Pflicht.

„Der Sport ist für einige ein großes Problem“, berichtet Torsten Glesmer, Sachgebietsleiter Aus- und Fortbildung bei der Berufsfeuerwehr Lübeck. „Es gibt Bewerber, die geben beim 1500-Meter-Lauf schon nach der Hälfte der Strecke auf. Und das sind nicht gerade wenige.“ Andere hätten Schwierigkeiten beim Springen. „Die meisten Bewerber sind 21 bis 25 Jahre alt“, sagt er. „Da ist es schon bemerkenswert, dass sie so etwas nicht hinbekommen.“ Die sportlichen Fähigkeiten der Bewerber ließen oft zu wünschen übrig, heißt es auch von der Berufsfeuerwehr Kiel. Dabei hätten sie den Sporttest auf ihre Internetseite gestellt, damit sich die Teilnehmer vorbereiten können.

Eine große Fitness sei aber erforderlich, um bei der Feuerwehr arbeiten zu können, sagt Arp. Vor allem Ausdauer und Schnelligkeit seien gefragt. „Der Beruf ist körperlich sehr belastend“, erklärt der Hauptbrandmeister. Feuerwehrleute müssten schnell Treppen und Leitern hochsteigen können – und das mit schwerer Kleidung und schweren Geräten. Zudem seien sie oft einer großen Hitze ausgesetzt, was sich auf den Kreislauf auswirke. Hinzu komme die psychische Belastung bei Einsätzen mit Verletzten und Toten.

Wer für all das körperlich fit genug sei, habe bei der Feuerwehr so gute Chancen wie noch nie. „Die Berufsfeuerwehren haben alle einen erhöhten Bedarf an Mitarbeitern, weil sie eine EU-Arbeitszeitrichtlinie umsetzen müssen“, sagt Arp. Lübeck sucht fürs kommende Jahr gleich zwölf neue Auszubildende. Bisher haben sich laut Glesmer rund 100 junge Menschen auf die Stellen beworben. Anfang September werden sie zum Eignungsverfahren inklusive Sporttest eingeladen. „Wenn wir danach noch zwölf Personen übrig behalten sollten, sind wir sehr glücklich“, sagt Glesmer. So richtig glaube er nicht daran. „Die Ausfallquote ist hoch.“ Früher sei das anders gewesen, sagt Arp. „Da hatten die Feuerwehren eine große Auswahl. Heute müssen sie praktisch alle Bewerber nehmen, die den Test schaffen.“

Von Janina Dietrich

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