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Norddeutschland Fit fürs digitale Klassenzimmer: Der Norden hat viel aufzuholen
Nachrichten Norddeutschland Fit fürs digitale Klassenzimmer: Der Norden hat viel aufzuholen
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21:04 12.10.2016
Der digitale Sprung nach vorne in der Bildung wird für Schleswig-Holstein besonders groß. Quelle: Fotolia
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Berlin/Kiel

 Schleswig-Holstein hinkt bei der digitalen Bildung im Bundesvergleich bislang hinterher, hat die Zeichen der Zeit aber offenbar erkannt. Die Kieler Landesregierung macht Geld für 20 Modellschulen im Land locker. Kritik am geplanten Digital-Pakt von Bund und Ländern kommt vom DGB Nord und vom Lehrerverband.

„Zu guter Bildung im 21. Jahrhundert gehören IT-Kenntnisse und der souveräne Umgang mit der Technik und den Risiken digitaler Kommunikation“, begründete Wanka in Berlin ihre Offensive. Deutschland müsse die Chancen stärker nutzen als bisher. „Wir müssen bei digitaler Bildung einen großen Sprung nach vorne machen.“

Besonders groß wird dieser Sprung für Schleswig-Holstein. Laut einer Studie „Schule digital“ im Auftrag der Telekom hält eine Mehrheit der Pädagogen im Norden die IT-Ausstattung ihrer Schule für nicht ausreichend. „Die Problematik ist erkannt“, sagt Thomas Schunck, Sprecher im Kieler Bildungsministerium, selbstkritisch.

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) habe das Lernen mit digitalen Medien zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit gemacht. Ein Netzwerk von 20 Modellschulen im Land werde mit insgesamt 300 000 Euro gefördert, im nächsten Jahr würden insgesamt 500 000 Euro bereitgestellt. Die Modellschulen waren über einen Wettbewerb ausgewählt worden. Darunter sind die die Paul-Klee-Schule in Lübeck, die Elisabeth-Selbert-Schule in Bad Schwartau und die Grund- und Gemeinschaftsschule Pönitz.

Der Städte- und Gemeindebund begrüßt das Bundesprogramm, fordert aber höhere Investitionen von Bund und Ländern. Jährlich müssten mindestens 2,5 Milliarden Euro aufgewendet werden. „Ein warmer Regen für unsere Schulen“, lobt die GEW Wankas Pläne. Oft sei Schulausstattung heute nicht mehr zeitgemäß – abhängig von der Finanzkraft des Schulträgers, sagt Landesgeschäftsführer Bernd Schauer. Wichtig sei, dass auch die Qualifizierung der Lehrkräfte für einen digitalen Unterricht finanziert werde. Dafür sollen laut Bundesregierung die Länder aufkommen.

Josef Kraus, Präsident des Lehrerverbands, hält Tablets und WLan in allen Klassenzimmern dagegen für falsch. „Die Euphorie ums Digitale kann ich nicht nachvollziehen.“ Laptop-Klassen brächten nur der IT-Industrie Geld. Kritik kommt auch vom DGB Nord. „Digital vernetzt wollen alle gerne sein, aber das Fundament muss stimmen“, sagt Uwe Pol kaehn. „Gegen undichte Fenster, schimmelnde Wände und kaputte Schulklos hilft das tollste Tablet nicht.“

Was Wanka will

5 Milliarden Euro für fünf Jahre – davon sollen alle Schulen profitieren, die ein pädagogisches Konzept für digitale Bildung vorlegen. Mit dem Geld könnte etwa eine sogenannte „Schul-Cloud“ geschaffen werden. Über diese Plattform im Internet sollen Lernprogramme und Unterrichtsinhalte überall verfügbar sein. Alte Computerräume würden überflüssig, denn es reichen internetfähige Tablets oder Smartphones.

Von Curd Tönnemann und Jan Dresing

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