Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Fleisch der Zukunft: Wenn das Steak im Labor wächst
Nachrichten Norddeutschland Fleisch der Zukunft: Wenn das Steak im Labor wächst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 06.01.2018
Das Fleisch der Zukunft kommt aus der Petrischale: Im Labor wachsen tierische Muskelzellen zu In-Vitro-Fleisch heran. Quelle: Foto: Fotolia
Visbek/Lübeck

Ein Steak, das im Labor aus tierischen Stammzellen heranwächst. Das ist nicht länger nur eine Zukunftsvision. Nach dem ersten künstlichem Burger 2013 steigt der deutsche Geflügelfleischmarktführer PHW, bekannt als Wiesenhof, in die Entwicklung von künstlich hergestelltem Fleisch ein. An dem israelischen Start-up Supermeat habe das Unternehmen eine Minderheitsbeteiligung erworben, sagte PHW-Vorstandsvorsitzender Peter Wesjohann. „Wir sehen unsere Beteiligung als strategische Partnerschaft.“ Er gehe davon aus, dass es in einigen Jahren Nachfrage nach künstlich erzeugtem Fleisch geben werde, ähnlich wie nach veganen Fleischersatzprodukten. Ido Savir, Geschäftsführer des Start-ups, rechnet damit, in drei Jahren die erste Generation von künstlich erzeugtem Fleisch an Restaurants ausliefern zu können. „Der nächste Schritt wäre, in weiteren zwei bis fünf Jahren die Produktion auf einen industriellen Maßstab zu vergrößern, um Supermärkte und den Lebensmittelhandel zu versorgen“, sagte er.

Der deutsche Geflügelfleischmarktführer PHW beteiligt sich an einem Start-up, das künstliches Fleisch herstellt. Die Fleischproduktion im Labor könnte Tierleid vermeiden und Ressourcen sparen. Die Bauern sehen sich bedroht, die Verbraucher trauen dem Labor-Fleisch noch nicht.

Das künstliche Fleisch wird erzeugt, indem tierische Muskelzellen im Labor wachsen. Die Norddeutschen sind dem Labor-Fleisch gegenüber skeptisch. „Das kommt nicht in Frage, ich halte nichts von Chemie“, sagte Sabine Cerniuc aus Lübeck. Bisher hat die 49-Jährige immer Bio-Fleisch aus artgerechter Tierhaltung gekauft. Auch Manfred Beerbaum hält nichts von Labor-Fleisch. „Wir werden richtiges Fleisch kaufen, weil wir für die Natur sind.“ Das Fleisch aus der Petri-Schale könne viel Tierleid ersparen, sagte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) stellte außerdem in einer Studie fest, dass das so genannte In-Vitro-Fleisch in der Zukunft tatsächlich helfen könnte, Probleme des Fleischkonsums mit Blick auf die wachsende Weltbevölkerung, den Klimawandel und den Tierschutz zu lösen. „Die Fleischproduktion verbraucht viele Ressourcen. Die werden so eingespart,“ meint auch Valet. Er geht aber nicht davon aus, dass das Labor-Fleisch schon in wenigen Jahren in den Supermarkt kommt. „Die Verbraucher ekeln sich davor und haben zu viele Vorbehalte.“ Zudem habe man das In-Vitro-Fleisch noch nicht erforscht, dass man sagen könne, welche neuen Probleme entstehen könnten.

„Kunstfleisch würde die Massentierhaltung fördern“, meint Stephan Gersteuer, Generalsekretär des Bauernverbandes Schleswig-Holstein. Er befürchtet, dass bäuerliche Betriebe preislich nicht mit dem Fleisch aus der Petri-Schale mithalten könnten und nur die großen Betriebe überleben würden. „Wiesenhof braucht dann ja auch gar keine produzierenden Bauern mehr.“ Das wäre das Ende für die Landwirtschaft. Denn ohne Tierhaltung könnten sich zwei Drittel der Bauern in Schleswig-Holstein nicht halten. „Und das wäre auch das Ende des landwirtschaftlichen Kreislaufs“, betont Gesteuer.

„Tierhaltung ist das Rückgrat der Landwirtschaft.“

Noch ist die Herstellung des Labor-Fleisches aufwendig und nur in geringen Mengen möglich. Sobald Qualität und Preis stimmen, könnten viele Verbraucher auf das künstliche Fleisch umsteigen, sagte Ulrich Reinhardt vom Institut für Zukunftsfragen in Hamburg. „Spannend wird die Frage sein, welche Produkte bei gleichem Preis konsumiert werden.“ Sollte es soweit kommen, sei der Technik kaum eine Grenze gesetzt, glaubt Reinhardt. „Eines Tages wird es dann wahrscheinlich das Steak in Tannenbaumform oder die Stadionwurst in Vereinsfarben geben. Allerdings bleibt dieses dann doch eher ein Marketinggag als die Regel“, sagt Reinhardt.

Von Saskia Hassink

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

. Sturmtief „Burglind“ und der Dauerregen der vergangenen Tage bereiten dem Schiffsverkehr auf dem Nord-Ostsee-Kanal weiterhin Probleme. Wegen extremen Hochwassers gilt für alle Schiffe ein Tempolimit von 12 Kilometern pro Stunde.

05.01.2018

Die Schleswig-Holsteiner haben bald schon wieder die Wahl: Sie entscheiden am 6. Mai über die Zusammensetzung der Gemeinde- und Kreisvertretungen im nördlichsten Bundesland – ein Jahr nach der Landtagswahl mit dem Regierungswechsel von SPD, Grünen und SSW hin zu „Jamaika“.

05.01.2018

. Mit einem gemeinsamen Forschungsprojekt wollen die Länder Schleswig-Holstein und Niedersachsen Plastikmüll im Meer verringern, der durch Fischernetze verursacht wird. Meeresmüll kenne keine Ländergrenzen, erklärten sie.

05.01.2018