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Norddeutschland Flüchtlinge: Land schickt mehr Ärzte in die Erstaufnahme
Nachrichten Norddeutschland Flüchtlinge: Land schickt mehr Ärzte in die Erstaufnahme
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08:49 05.08.2015
Isolationscontainer, in denen Asylsuchende mit möglichen Krankheiten untergebracht werden auf dem Gelände der Landesunterkunft für Asylsuchenende in Neumünster.                        Quelle: dpa
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Neumünster/Kiel

Weiter kommen mehr Flüchtlinge nach Schleswig-Holstein als in den Jahren zuvor. Das sorgt nun in den ersten Klinik-Notfallambulanzen im Norden für Engpässe. Das Neumünsteraner Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) schlug gestern Alarm. Das Land will zur Entlastung jetzt mehr Ärzte in die Erstaufnahmeeinrichtungen schicken.

Das FEK liegt nur wenige Hundert Meter von der längst überbelegten Neumünsteraner Erstaufnahmeeinrichtung entfernt. Man habe schon seit Jahren Erfahrung in der Betreuung der Flüchtlinge in den Ambulanzen, sagt FEK-Sprecherin Maren von Dollen. Angesichts steigender Patientenzahlen mache sich dort nachts und am Wochenende aber vor allem das Fehlen von Dolmetschern immer schmerzlicher bemerkbar. Viele Patienten sprächen nur arabisch, das mache ihre Aufnahme deutlich komplizierter und länger, manchmal fast unmöglich. Drei bis vier Fälle seien es im Schnitt pro Nacht, darunter schwere Krankheitsfälle, Geburten. Tendenz: steigend.

Zumindest um die leichten Krankheitsfälle will das Kieler SPD-Innenministerium die Klinik jetzt entlasten. Dazu soll der ärztliche Bereitschaftsdienst in den Erstaufnahmeeinrichtungen Neumünster und Boostedt, der bislang um 17 Uhr schließt, durch einen Zwei- Schicht-Betrieb zeitlich ausgedehnt werden. Über das Internetportal „Notarzt-Börse“ würden dafür weitere Honorar-Ärzte gesucht. Das funktioniere schon jetzt sehr gut, sagt Norbert Scharbach aus dem Ministerium. Überall dort, wo neue Erstaufnahmeeinrichtungen entstehen werden, in Kiel, Flensburg, Heide, Lübeck, werde man von vornherein einen längeren Bereitschaftsdienst einplanen.

Wo nachts und am Wochenende mehr Dolmetscher herkommen sollen, weiß man allerdings auch im Ministerium nicht. CDU-Fraktionschef Daniel Günther findet das untragbar, fordert schnelle Abhilfe. Heiner Garg (FDP) fordert, das Land solle den Kliniken zumindest Extra-Geld bereitstellen, um Online-Dolmetscherleistungen bezahlen zu können – das FEK hat dafür zuletzt 32 000 Euro ausgegeben, die Übernahme der Kosten sei vom Land aber noch nicht zugesagt worden. Marret Bohn (Grüne) plädiert dafür, schnell Flüchtlinge mit Arztausbildung oder anderen Fachkenntnissen mit einzubinden.

Derweil geht die Debatte um die Finanzierung der Flüchtlingsunterbringung weiter. Düsseldorfs SPD- Innenminister Ralf Jäger spricht sich für eine Kopfpauschale aus, die der Bund den Kommunen pro Flüchtling zur Verfügung stellen soll. Kiels Finanzministerin Monika Heinold unterstützt das. Die Flüchtlingszahl müsse Maßstab für die Bundeshilfe sein, sagt die Grüne. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, fordert, die Bundesmittel für Flüchtlinge zu verdoppeln.

Von Wolfram Hammer

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