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Norddeutschland Flüchtlingscontainer zum Mitnehmen
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18:22 10.06.2017
Lothar Schön, Hausmeister beim Männer-Turn-Verein (MTV) Lübeck, und Kassenwart Peter Dürkop (hinten) freuen sich über den Landescontainer. Quelle: Foto: Neelsen
Kiel/Lübeck

Wenn es etwas geschenkt gibt, dann ist der Andrang stets groß. Das bekam das Land zu spüren, als Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) Anfang des Jahres auf die glorreiche Idee kam, überzählige Flüchtlingscontainer an gemeinnützige Einrichtungen abzugeben. Ein Aufruf in den Medien reichte, und der Ansturm der Interessenten war riesig. In Heinolds Ministerium brachen die Telefonleitungen zusammen. 3500 Anfragen liegen bis heute vor – für 1700 Container, die momentan abzugeben sind. 810 davon sind weg. Einen dieser Gratis-Container hat sich der MTV Lübeck gesichert. Aus der Behausung, die für Flüchtlinge gedacht war, wird eine Werkstatt für den Vereinshausmeister.

MTV-Geschäftsstellenleiterin Karin Brandt war die immer größer werdende Zahl von Flüchtlingscontainern an der Travemünder Allee in Lübeck aufgefallen. Als sie dann wenige Wochen später von dem Aufruf des Landes las, das nicht mehr gebrauchte Container wegen der hohen Kosten für die Instandhaltung abgeben wollte, dachte Brandt sich: „Das könnte doch etwas für uns sein.“ Der Vereinsvorstand stellte einen Antrag beim Land. Erfolgreich.

Jetzt ist der Container an der Kalkbrennerstraße eingetroffen. Und MTV-Hausmeister Lothar Schön (77) freut sich, dass er mit seiner Werkstatt in den Container umziehen kann. An anderer Stelle wird dafür mehr Platz für Sportgeräte frei.

Noch mehr Glück hat der gemeinnützige Verein „Geschichtserlebnisraum Lübeck“: Acht Container werden miteinander verbunden und zu zwei Klassenräumen. Dort sollen künftig Kinder der Grundschule Roter Hahn in dem Schulprofil „Natur“ unterrichtet werden. „Der Bauantrag ist gestellt“, berichtet Jörn Puhle, Mitarbeiter des Vereins, der in der offenen Kinder- und Jugendarbeit tätig ist. Noch werden die ehemaligen Flüchtlingsbehausungen zwischengelagert.

Die Lübecker Turnerschaft (LT) wartet noch auf eine Zusage aus Kiel. Zwei Container sind beim Land beantragt. „Wir benötigen sie dringend, um Sportgeräte unterstellen zu können“, sagt LT-Vorsitzender Jürgen Fick.

5000 Container hat Schleswig-Holstein als Flüchtlingsunterkünfte angeschafft. Es kommen aber kaum mehr Flüchtlinge in den Norden. Das Land will einen Teil der Behelfswohnungen deshalb abstoßen. Weil der Verkauf der Container nicht richtig läuft, ist die Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH) nun dabei, Wohncontainer nach und nach in großem Stil zu verschenken.

Vorrangig bedient werden gemeinnützige Organisationen, Sportvereine und Feuerwehren. 810 Wohn- und Lagercontainer fanden bisher kostenlos neue Besitzer.

Lediglich 22 Container wurden zu Geld gemacht. Auf welche Summe sich die Einnahmen des Landes belaufen, behält das Kieler Finanzministerium für sich. Damit ließe sich zu leicht berechnen, für welchen Einzelpreis das Land einen Container veräußert hat, heißt es. Die Benennung von Preisen könnte spätere Verkaufsverhandlungen beeinflussen, erklärt ein Sprecher des Finanzministeriums. Was so viel heißt wie: Das Land versucht so viel herauszuschlagen wie eben möglich. Und das ist wenig. Die Preise für Wohncontainer hatten sich zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise in kurzer Zeit mehr als verdreifacht. Jetzt, wo auch viele Kommunen auf Containern sitzen, die sie nicht mehr benötigen, gehen Container zum Schleuderpreis weg. Oder sie werden verschenkt.

Curd Tönnemann

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