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Norddeutschland Flüchtlingshilfe fordert mehr Beratungsangebote
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17:27 15.07.2016
Archivbild: Ein Sicherheitsbeauftragter schließt das Einfahrtstor zur Flüchtlingsunterkunft in Neumuenster. Quelle: Felix König
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Kiel

Das Flüchtlingshilfe-Netzwerk in Schleswig-Holstein fordert mehr Beratungsangebote im Land. Jeder Asylbewerber müsse eine faire Verfahrensberatung bekommen, sagte der stellvertretende Flüchtlingsbeauftragte Torsten Döring am Freitag nach einem Treffen des Netzwerks mit 130 Experten von Hilfsorganisationen, Politik, Verwaltung und Wissenschaft in Kiel.

Döring kritisierte dabei insbesondere die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in der Erstaufnahme Neumünster praktizierten Schnellverfahren für Asylsuchende. Geplant sei die Bearbeitung von 125 Fällen am Tag. „Es ist aus unserer Sicht nicht gewährleistet, dass dort ausreichend geprüft wird.“ Derzeit sei für die von den Schnellverfahren Betroffenen zudem keinerlei Verfahrensberatung geplant.

Die Helfer des Netzwerks haben in den vergangenen anderthalb Jahren in 3730 Fällen Flüchtlinge über das Asylverfahren beraten oder ihnen anderweitig geholfen. „Die Hilfsbereitschaft ist weiter groß“, sagte Andrea Dallek vom Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein. Allerdings wachse der Widerstand, es gebe teilweise auch rechte Tendenzen. Das betreffe „verschiedene Orte in sämtlichen Kreisen“. „Es gibt Menschen, die sich gegen Flüchtlinge stellen.“ Nachbarn sorgten sich um den Wert ihrer Häuser. Es seien auch schon Autoreifen von Flüchtlingshelfern zerstochen worden.

Das Netzwerk ist bis Ende 2017 mit knapp 1,1 Millionen Euro ausgestattet. Drei Viertel davon stammen aus EU-Mitteln. Alle Teilprojekte des Netzwerks seien gut und wichtig, „allerdings viel zu gering bemessen“, sagte Krystyna Michalski vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Das Konzept basiere schließlich auf den Flüchtlingszahlen von 2013 und 2014. Kamen 2014 rund 7500 Flüchtlinge in den Norden, waren es im vergangenen Jahr gut 35 000. Bis Dienstag suchten weitere 6748 im Land Hilfe.

Schleswig-Holstein steht nach Einschätzung des stellvertretenden Flüchtlingsbeauftragten Döring in der Flüchtlingspolitik im bundesweiten Vergleich zwar gut da, er sieht aber trotzdem Verbesserungspotenzial. Problematisch sei die Wohnortzuweisung für Asylbewerber. „Das ist integrationsfeindlich.“ Er wünscht sich in Ausnahmefällen auch eine Verlängerung der Berufsschulpflicht auf 25 Jahre. Dagegen sperre sich die Landesregierung aber.

Unter den Flüchtlingen seien auch viele Behinderte. „Wir schätzen die Zahl der Flüchtlinge mit Behinderungen in Schleswig-Holstein auf 3500 bis 4000“, sagte der Behindertenbeauftragte Ulrich Hase. Politik und Verwaltung müssten dieses Thema mehr in den Fokus rücken.

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