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Norddeutschland Flüchtlingspolitik: Albig fordert Opfer von den Bürgern
Nachrichten Norddeutschland Flüchtlingspolitik: Albig fordert Opfer von den Bürgern
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15:13 06.07.2015
Torsten Albig (SPD). Quelle: Olaf Malzahn
Lübeck

Angesichts der weltweiten Flüchtlingsströme fordert Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) die Schleswig-Holsteiner auf, Opfer zu bringen. „Wir müssen bereit sein, Beeinträchtigungen zumindest eine Zeit lang auszuhalten“, erklärt der SPD-Politiker im LN-Interview. Es sei angesichts der humanitären Katastrophe nicht die Zeit, technische Details einer Erstaufnahmeeinrichtung zu diskutieren, sagt Albig und bezeichnet die Entscheidung der Lübecker Bürgerschaft gegen eine Aufnahmestelle für 600 Flüchtlinge im Bornkamp als falsch.

Interview mit Torsten Albig: „Wir können Erstaufnahmen nicht so klein machen“

Der Ministerpräsident wirft den Kommunalpolitikern der Hansestadt vor, sie seien ihrer historischen Verantwortung nicht gerecht geworden. Politiker müssten den Mut aufbringen, sich gegen Stimmungen zu stellen. Die Entscheidung der Bürgerschaft habe ein fatales Signal an alle die gesendet, die sich gegen Flüchtlings unterkünfte zur Wehr setzen. Albig räumt ein, dass er die Position des Landes besser hätte kommunizieren sollen, aber die Entscheidung der Bürgerschaft „war für mich ernsthaft nicht vorstellbar“.

Albig wendet sich auch entschieden gegen Argumente von Bürgern, die um ihr Quartier, ihren Sportplatz und den Wert ihrer Grundstücke fürchten. Integration könne nicht funktionieren, wenn man Flüchtlinge in Gewerbegebiete abschiebe. Für Verunsicherung der Schleswig-Holsteiner zeigt der Landesvater Verständnis, für diffuse Ängste nicht. „Da kommen verängstigte Menschen zu uns, da kommen keine Verbrecher“, stellt Albig klar.

Trotzdem müsse die Landesregierung die Ängste und Sorgen der Bürger ernst nehmen, fordert der CDU-Landesvorsitzende Ingbert Liebing: „Den Verantwortlichen und Anwohnern wurde die Entscheidung für den Bau am Bornkamp übergestülpt.“ Die Willkommenskultur für Flüchtlinge hänge unabdingbar von der Akzeptanz vor Ort ab, sagt Liebing.

Der Lübecker Sozialsenator Sven Schindler (SPD) fordert die Solidarität der Hansestädter jetzt ganz konkret ein. „Wir werden in nächster Zeit für die Unterbringung vorübergehend auf Turnhallen und Wohncontainer zurückgreifen müssen.“ Die Heime, die neu gebaut werden, werden nicht mehr nur 40 bis 50 Flüchtlinge aufnehmen, sondern bis zu 200. Schindler: „Wir müssen jetzt größere Gebäude bauen.“

Von Kai Dordowsky und Wolfram Hammer

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