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Norddeutschland „Flunkerferien“: Verlängerte Urlaube können teuer werden
Nachrichten Norddeutschland „Flunkerferien“: Verlängerte Urlaube können teuer werden
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13:32 14.06.2016

Günstigere Flüge und leere Hotels gleich längere Ferien? Immer mehr Eltern entbinden ihre Kinder eigenmächtig von der Schulpflicht, um entspannter in den Urlaub zu starten oder später zurück zu kehren. Erlaubt ist das nicht. Doch was viele Eltern nicht wissen, die sogenannten „Flunkerferien“ können sogar richtig teuer werden. Bis zu 2500 Euro können laut der Allgemeinen Rechtsschutzversicherungs AG (Arag) beispielsweise in Berlin für die erschummelten freien Tage fällig werden. Die Versicherung warnt deshalb vor unerlaubter Ferienverlängerung.

 

Auch in Schleswig Holstein können bis zu 1000 Euro Kosten entstehen (siehe Grafik). Denn das Fernbleiben ist eine Ordnungswidrigkeit, die von den jeweiligen Kommunen und Städten verfolgt werden kann.

Geahndet werden die „Flunkerferien“ jedoch in den seltensten Fällen. „Bei hartnäckigen Dauerfällen können die Schulen das Verhalten zur Anzeige bringen, dann werden Bußgelder verhängt“, erklärt Thomas Schunck, Sprecher des Ministeriums für Schule und Berufsbildung. Doch der Nachweis, dass das Fehlen wirklich auf einen geplanten Urlaub zurückzuführen ist, ist schwierig. In den meisten Schulen setzt man deshalb zunächst auf die direkte Ansprache. Christian Petersen, Schulleiter der Ernestinenschule, bekommt regelmäßig Urlaubsanträge auf den Tisch. Anfragen von Eltern, die ihre Kinder vom Unterricht befreien lassen möchten. Erlaubt ist das nur in besonderen Fällen, nicht aber bei einer einfachen Urlaubsverlängerung.

„Als Grund ist mal ein Krankenbesuch bei einem Familienmitglied, mal eine Familienfeier im Ausland oder eine plötzliche Verschiebung des Flugtermins genannt“, erzählt er. Wird dieser Antrag positiv beschieden, ist alles rechtens. Fällt die Entscheidung negativ aus, muss das Kind eigentlich regulär in die Schule kommen. Was aber in der Realität passiert, wenn der Antrag negativ beschieden wird, will Petersen nicht mutmaßen. „Selbst wenn am letzten Schultag eine Krankmeldung eintrudelt, können wir das nicht mehr überprüfen“, sagt er. Um dem Ganzen entgegen zu wirken, schreibt er hin und wieder Elternbriefe. „Danach kommen erst mal weniger Urlaubsanträge“, so Petersen.

Karl-Peter Flittiger, Rektor der Thomas-Mann-Schule, sieht an seiner Schule keinen Handlungsbedarf. „Die Eltern gehen sehr verantwortungsbewusst mit der Schulpflicht um. Bei über 1000 Schülern habe ich zwei gut begründete Befreiungsanträge vor den Sommerferien“, erzählt er. Dass günstigere Flüge nicht als Grund für einen Urlaubsantrag gelten, hat Flittiger vor einigen Jahren gemeinsam mit dem Elternbeirat festgelegt. Thomas Wulff, Vorsitzender des Landeselternbeirats, hat auch größtes Vertrauen in die Eltern. „Wir hören keine Beschwerden“, sagt er.

Bis zu 1000 Euro Geldbuße in Ostholstein

Das Schulgesetz des Landes schreibt jedem Schüler die Teilnahme am Unterricht vor. Wer diese Pflicht vorsätzlich oder fahrlässig verletzt, handelt gemäß § 144 SchulG ordnungswidrig und muss mit einer Geldbuße rechnen.

Bei Jugendlichen unter 14 Jahren werden die Eltern zur Verantwortung gezogen, sonst haftet der Schüler selbst.

In Ostholstein entstehen beispielsweise Kosten von maximal 1000 Euro.

 Maike Wegner

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