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Forschen im Fellüberwurf

Albersdorf Forschen im Fellüberwurf

Gut 50 Steinzeit-Experten aus ganz Europa treffen sich noch bis Sonntag in Albersdorf.

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In der Alt-, Mittel- und Jungsteinzeit wurde mit Klingen und Pfeilspitzen gearbeitet und gejagt.

Albersdorf. Der Geschäftsführer des Steinzeitparks Albersdorf spricht vom „ersten großen Steinzeittreffen seit der Steinzeit“. Europaweit hätten sich rund 100 Experimental-Archäologen, Archäotechniker und Museums-Pädagogen der Steinzeit-Forschung verschrieben, sagt Geschäftsführer Rüdiger Kelm. Davon seien rund zwei Drittel aktuell in dem Steinzeitpark im Kreis Dithmarschen zu Gast. Eine Woche lang wollen sie sich in wissenschaftlichen und handwerklichen Fragen austauschen.

LN-Bild

Gut 50 Steinzeit-Experten aus ganz Europa treffen sich noch bis Sonntag in Albersdorf.

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Die Steinzeit gliedert sich in drei Epochen. Die älteste – die Altsteinzeit – ist die Zeit der Eiszeitjäger. Damals machten Menschen gemeinsam Jagd auf große Tierherden – Rentiere, aber auch Mammut-Gruppen, sagt Kelm. Die Menschen der Mittelsteinzeit lebten in einer Landschaft, die unserer heutigen auch vom Klima her sehr ähnlich war. „Sie waren die letzten Jäger und Sammler, das Fischen spielte bei ihnen eine große Rolle.“

Danach folgte die Jungsteinzeit mit frühen Ackerbauern und Viehzüchtern, die erst vor 4000 Jahren zu Ende ging. Die Epochen unterschieden sich auch in den handwerklichen Fähigkeiten der Menschen. So habe ein Beil in der Jungsteinzeit eine geschliffene Klinge, in der Mittelsteinzeit ist die Klinge nur geschlagen, „und in der Altsteinzeit gab es noch gar keine Beile“, sagt Kelm.

Um die „Zeitreise“ von Wissenschaftlern und Besuchern möglichst authentisch zu gestalten, versucht der Steinzeitpark eine Landschaft wie vor 5000 bis 6000 Jahren herzustellen. „Sowohl im Waldbereich wie auch im offenen Land“, erläutert Kelm. „Bei dem Treffen geht es nicht primär darum, den Gästen des Steinzeitparks zu demonstrieren, wie die Menschen vor tausenden Jahren gelebt haben, sondern um den Austausch der Experten“, sagt Organisator Werner Pfeifer. Diese seien keine „normalen“ Wissenschaftler im herkömmlichen Sinne, die im Anzug in einem Museum oder mit Kittel im Labor arbeiten. Ihre Arbeitskleidung sei tatsächlich zum Teil lediglich ein Fellüberwurf, erklärt Pfeifer. Der Grund: Für ihre experimentellen Versuche gehen die Wissenschaftler oft für mehrere Monate in die Wildnis, um zu sehen, wie man dort leben kann – „nicht überleben, sondern gut leben“.

Tatsächlich lebten die Steinzeit-Jäger gesünder und länger als die ersten Bauern und Viehzüchter. „Noch bis vor 200 Jahren wurden die Bauern bei uns im Norden nur 30 bis 40 Jahre alt. Dann waren sie aufgebraucht“, berichtet Pfeifer. Aus Gräbern wisse man, dass die Jäger und Sammler der Steinzeit fast doppelt so alt wurden: „60 bis 70 Jahre. Die hatten zwar auch Krankheiten, aber weniger als die Bauern. Sie lebten gesünder und wurden älter.“

„Bei Naturvölkern können wir sehen, dass die Jagd die Domäne der Männer ist“, sagt Archäo-Botaniker Jake Newport. Der englische Wissenschaftler kennt sich mit den Pflanzen der Steinzeit aus. Die Steinzeit-Männer hatten vermutlich keinen besonders anstrengenden Job: „Denn kein Mann geht täglich auf die Jagd.“ Während die Frauen sich um das tägliche Überleben kümmern mussten – Kinder groß

ziehen, Nüsse, Pilze, und andere Pflanzen sammeln, Feuer machen, oder Körbe flechten –, ruhte der Mann meist nur am Feuer, „scratching his Popo“, sagt Newport.

Wollen Experimental-Forscher bei so viel Begeisterung für immer in der Steinzeit leben? „Nein“, sagt Newport. „Wenn du 100 Prozent in der Steinzeit lebst, kann schon ein kleines Problem mit den Zähnen zum größten Problem der Welt werden, schon eine kleine Schnittverletzungen kann den Tod bedeuten.“ Sein Traum beschränke sich darauf, in zehn, 20 Jahren eine Hütte in der Wildnis zu besitzen, um dort ein, zwei Monate im Jahr zu leben: „Ohne Handy, ohne Stress.“

Zeitreise

Der Steinzeitpark Dithmarschen bietet eine Zeitreise in die Vergangenheit: Wie lebten die Menschen in Norddeutschland in der Jungsteinzeit? Wie sahen ihre Häuser, wie sah ihr Alltag aus? 14 nach archäologischen Vorbildern errichtete Bauten sind zu besichtigen. Dazu werden im Wechsel etwa Feuerstein schlagen, Bogenschießen, Steinzeitschmuck herstellen, Feuer machen und Brotbacken angeboten.

Ein 40 Hektar großes Freigelände schließt direkt an das Steinzeitdorf an. Dort finden sich neun archäologische Denkmäler wie Grabhügel und Großsteingräber. Alte Haustierrassen, wie beispielsweise Vielhornschafe, Juan-Fernandez-Ziegen und englische Parkrinder, weiden auf offenen Flächen.

Geöffnet ist in den Sommermonaten täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr. Eintritt für Erwachsene 6 Euro, Familien zahlen 14,50 Euro.

 Wolfgang Runge

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