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Norddeutschland Frau sitzt im Zug mit Neonazis fest
Nachrichten Norddeutschland Frau sitzt im Zug mit Neonazis fest
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21:39 19.04.2016

„Das war eine furchtbare Situation“, schildert M., die am Sonnabend ihre Nichte besuchen wollte, den LN. Mit andauernder Wartezeit hätten sich die Neonazis immer unverschämter verhalten, Bier getrunken, im Zug geraucht und politische Parolen von sich gegeben. Einer von ihnen, den M. nach einer Google-Suche später als prominentes Szene-Mitglied identifizierte, sei sogar durch die Reihen geschritten und habe per Megafon über „Asylbetrüger“ und „Lügenpresse“ skandiert.

Widerspruchslos blieb dieses Verhalten aber nicht. „Mir ist dann irgendwann der Kragen geplatzt, und ich habe gebrüllt, dass er ,verdammt noch mal die Fresse halten‘ solle und dass ,sein Mist hier niemanden interessiert‘“, berichtet Alexandra M.. Danach seien auch die anderen Reisenden mutiger geworden. Es sei zu lautstarken Wortgefechten gekommen. „Als Folge davon haben die Neonazis versucht, mich einzuschüchtern, und mich mit ihren Handys fotografiert“, sagt die Lehrerin. Ein Mitreisender habe sich aber mit ihr solidarisiert und sich neben sie gesetzt. „Mit seiner Zeitung hat er dann den Blick auf mich verdeckt.“ Nach zwei Stunden war die Tortur vorbei, der Zug fuhr weiter, M. konnte in Ratzeburg aussteigen. „Ich habe aber am ganzen Körper gezittert.“

Befremdet habe M. vor allem das Verhalten der Polizei und des Zugführers. Kurz nach dem Stopp des Zuges sei lediglich ein Polizist durch das Abteil gegangen und habe sich erkundigt, ob alles in Ordnung sei. „Zu diesem Zeitpunkt war noch nichts weiter los, die Probleme kamen erst später“, schildert M. Auch der Zugführer sei weder gegen das Rauchen noch gegen die Megafon-Durchsagen eingeschritten. Vielmehr habe er „kumpelhaft“ mit den Neonazis geplaudert.

Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst verspricht Klärung. „Wir werden den Triebwagenführer dazu befragen.“ Die ganze Situation sei unglücklich gewesen. Hervorgerufen worden sei sie aber vor allem durch den Brandanschlag auf die Bahntrasse. Dazu sucht die Bundespolizei jetzt Zeugen. Bei dem Feuer auf den Gleisen und in einem Kabelschacht sei ein Sachschaden von mehreren Tausend Euro entstanden.

Zeugen, die um die Mittagszeit Personen in dem Gleisbereich bei Güster beobachtet haben, werden gebeten, sich mit der Bundespolizei unter 0431/980710 oder 0800/6 888 000 in Verbindung zu setzen.

Von Oliver Vogt

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