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Norddeutschland "Friederike" legt den Norden lahm
Nachrichten Norddeutschland "Friederike" legt den Norden lahm
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21:57 18.01.2018
Eine dicke Schneeschicht liegt über diesem Fahrrad in Lübeck. Quelle: Philip Schubert

Sturmtief "Friederike" erreichte am Donnerstagmorgen Norddeutschland. Doch nicht nur Wind machte den Schleswig-Holsteinern zu schaffen. Denn mit dem Sturm kam auch der Schnee. Bereits in der Nacht krachte es in Teilen Niedersachsens „im Minutentakt“, wie die Polizei mitteilte. Am Nachmittag war das Schneechaos dann auch endgültig auf den Straßen im Norden angekommen. Polizei und Räumdienste stießen an ihre Grenzen.

Wintereinbruch in Norddeutschland: Am Donnerstagvormittag hat "Friederike" den Norden erreicht - und reichlich Schnee mitgebracht.

Die Bahn kapitulierte vor den Wetterkapriolen. Die Lübecker Stadtförster warnten wegen der Schneelast auf den Bäumen vorm Betreten der Wälder.
Der am Vormittag von Südwesten einsetzende heftige Schneefall führte in Schleswig-Holstein zu Hunderten von Unfällen. In Lübeck krachte es im Lindenteller, auch auf vielen Einfallstraßen. Meist blieb es bei Blechschäden.

Der Busverkehr in der Hansestadt musste bis zum Spätnachmittag eingestellt werden. Die Sicherheit der Fahrgäste habe Vorrang, teilte Sprecherin Gerlinde Zielke mit. Im Lübecker Herrentunnel musste wegen eines liegengebliebenen Lastwagens die Röhre in Fahrtrichtung Kücknitz gesperrt werden. Am Anstieg zur Eric-Warburg-Brücke scheiterten mehrere Brummifahrer.

Massiv behindert wurde der Verkehr auch auf der A1 rund um Lübeck. In den Autobahnausfahrten Moisling, Ratekau, Sereetz und Genin blieben Sattelzüge glättebedingt liegen. Die Folge waren Vollsperrungen. Weiter südlich herrschte das Chaos. „Wir tun, was wir können“, hieß es bei der Autobahnpolizei Bad Oldesloe. Überall auf der Strecke zwischen Hamburg und Lübeck standen Lastwagen quer, auf eisglatter Fahrbahn kam es zu zahlreichen Auffahrunfällen. Zwischen den Anschlussstellen Stapelfeld und Bad Oldesloe staute sich der Verkehr Richtung Lübeck auf zwölf Kilometer Länge. Ein ähnliches Bild bot sich auf dem südlichen Teil der benachbarten A21 (Bargteheide–Kiel). Bei 40 Kilometer Staulänge war viel Geduld gefragt. Auf der A7 bei Bad Bramstedt (Kreis Segeberg) ging in dichtem Schneetreiben Richtung Hamburg zeitweise gar nichts mehr.

Lübeck: Erste Bilanz der Polizei 

Im Zuständigkeitsbereich der Regionalleitstelle Süd hat die Polizei zwischen 10.15 und 16.15 Uhr mehr als 500 Einsätze verzeichnet. Besonders stark betroffen waren die Region um Bad Oldesloe sowie die A 1 und A 20. Im Schnitt mussten dort 40 Einsätze gleichzeitig bearbeitet werden, berichtet Polizeisprecher Ulli Fritz Gerlach. Im Raum Lübeck gab es insgesamt 114 Einsätze. Nach derzeitiger Bilanz wurde eine Person leicht und eine Person schwer verletzt. 

+++ Gegen 16 Uhr gaben am Donnerstag Polizei und Feuerwehr die Warnung heraus, lieber zu Hause zu bleiben. +++ 

Als erste betroffen von den starken Schneefällen waren schon am Morgen die Kreise Stormarn und Herzogtum Lauenburg. Die B 75 war wegen eines schweren Verkehrsunfalls in der Nähe von Delingsdorf dicht. Lebensgefährliche Verletzungen zog sich eine 66-jährige Autofahrerin in Bargteheide zu. In Klinkrade rutschte ein Linienbus in den Straßengraben. In Mecklenburg- Vorpommern kam auf der B 193 bei Penzlin eine Autofahrerin auf glatter Fahrbahn ums Leben.

Chaos auf den Straßen, Herrentunnel in Lübeck war für mehrere Stunden gesperrt

Auf Straßen und Autobahnen kam der Räumdienst am Vormittag kaum hinterher. Die Polizei verzeichnete zahlreiche Glätteunfälle und liegengebliebene LKW auf Autobahnen und Straßen im gesamten Verbreitungsgebiet. Auf der A 20 in Richtung Rostock wurde die Abfahrt Lübeck Süd am Vormittag wegen liegengebliebener Lastwagen gesperrt. Ebenso die Abfahrt Groß Grönau. Auf der A 1 in bei Lübeck waren die Abfahrten Schönböcken und Moisling ebenfalls wegen dicht, weil die LKW nicht weiterkamen. Im Stadtgebiet mussten die Wesloer Straße und die Karlsruher Straße (Stadtteil Schlutup) wegen herabstürzenden Ästen voll gesperrt werden.

Der Herrentunnel musste bis zum Nachmittag gesperrt werden, da die Seelandstraße von Lastwagen blockiert war. Auch im Bereich der Eric-Warburg-Straße kam es zu Behinderungen, weil viele Lkw die Auffahrt nicht packen. Bei der Einsatz-Leitstelle gingen permanent Notrufe aufgrund der Verkehrssituation ein. Auf der Travemünder Allee stadteinwärts staute sich mittags der Verkehr, da schwere Fahrzeuge wie Lkws die Auffahrt "Sandberg" nicht mehr hinauf kamen. Die parallel verlaufende Wohnstraße Travemünder Allee wurde zudem wegen der Gefahr von umstürzenden Bäumen gesperrt.

Auch im Kreis Segeberg und in Ratekau wurde der Busverkehr wetterbedingt eingestellt. In vielen Teilen des Landes rutschten Busse von der Fahrbahn und konnten ihre Fahrt nicht weiterführen. So unter anderem auch in Negernbötel im Kreis Segeberg. Hier rutschte ein Schulbus in den Graben. Alle Kinder im Bus blieben aber unverletzt.

Betroffen waren zudem die Autobahnausfahrten der A1 bei Ahrensburg und Bargteheide: Hier fuhren sich mehrere Lastwagen auf spiegelglatten Strassen fest. Auch zahlreiche Bäume kippten unter den Schneelasten um. Allein bis in die Mittagsstunden hat die Rettungsleitstelle Süd (IRLS) in Bad Oldesloe über fünfzig Einsätze gezählt.

In Richtung Süden blieb auf der A1 zudem ein Sattelzug in der Ausfahrt Lübeck-Moisling glättebedingt liegen und sorgte für Stau.


Probleme auch bei der Bahn und an den Flughäfen 

Die Deutsche Bahn (DB) meldete Einschränkungen im Regionalverkehr bei Bargteheide und Schwarzenbek, in beiden Fällen wegen umgestürzter Bäume im Gleisbett, sowie auf der Strecke HamburgLübeck. Die S-Bahn hatte nach Angaben eines Sprechers im Hamburger Raum Probleme bei der Weichenstellung.

Der Fernverkehr von Hamburg Richtung Süden und Osten litt unter dem Orkan, der Schleswig-Holstein verschonte. Auf vielen Strecken wurden die Höchstgeschwindigkeiten für ICE und IC auf 140 km/h reduziert. Resultat waren deutliche Verspätungen. Die Verbindung HamburgBerlin war früh dicht. Am Nachmittag stellte die Bahn ihren Fernverkehr bundesweit ein. Am Niederrhein wurde ein 59-jähriger Mann von einem Baum erschlagen.

Am Hamburger Airport kam es durch Schnee und Eis zu 16 Flugausfällen und vielen Verspätungen. Laut Deutschem Wetterdienst muss im Norden weiter mit Glätte gerechnet werden.Die Polizei bittet generell um angepasste Geschwindigkeit und empfiehlt, wenn möglich, ganz auf das Auto zu verzichten. 

Wegen des Sturmtiefs „Friederike“ fallen an den Flughäfen Hannover und Bremen Flüge aus. Die niederländische Fluggesellschaft KLM strich für Donnerstag die Verbindungen von und nach Amsterdam. Der starke Wind schränke die Kapazität der Landebahnen am Amsterdamer Flughafen Schiphol erheblich ein, teilte KLM am Mittwoch mit. Am Flughafen Hannover könne man noch keine Prognose zu weiteren Flugausfällen geben. Man müsse abwarten, wie stark der Wind werde, sagte eine Sprecherin am Morgen. Auch der Flughafen München war von den KLM-Streichungen betroffen.

Wintereinbruch in Norddeutschland: Am Donnerstagvormittag hat "Friederike" den Norden erreicht - und reichlich Schnee mitgebracht.

Förster warnen vorm Betreten der Wälder

Aufgrund des anhaltenden Schneefalls weist der Bereich Stadtwald der Hansestadt Lübeck auf eine besondere Gefahrenlage innerhalb der Lübecker Waldgebiete hin. Das Gewicht der Schneemassen könnte zum Abbruch der Äste, dem sogenannten Schneebruch, führen.

Auch ist der Vorwerker Friedhof, der Waldhusener Friedhof sowie der Burgtorfriedhof aufgrund derselben Gefahrenlage auf unbestimmte Zeit gesperrt.

Um Personen- oder Sachschäden durch herabstürzende Bäume oder Äste zu vermeiden werden Spaziergänger gebeten, Waldwege und Gebiete mit hohem Baumaufkommen, zu meiden.

Chaos auch in Geesthacht

"Nichts geht mehr" hieß es am Donnerstagmittag auch am Richtweg in Geesthacht. An der Bundesstraße (B 404) mit dem stärksten Gefälle im Land kamen die Lastwagen aufgrund eienr vereisten festgefahrenen Schneedecken am 90 Meter hohen Geesthang weder vor noch zurück. Es bildeten sich lange Staus. Der Fahrer eines Streuwagens vom örtlichen Bauhof wurde hinzugerufen, um die Gefahrenstelle aufzulösen. Er streute massiv Salz auf die Schneedecke, die so langsam antaute und eine Weiterfahrt ermöglichte.

Ähnlich sah es in Lauenburg an der leichten Anhöhe zur Brücke über dem Elbe-Lübeck-Kanal aus. Laster, die die Hafenstraße (B 209) befuhren, kamen in Richtung Süden den Anstieg nicht hoch. Zwischen Elmenhorst und Talkau sperrte die Polizei die B 207 zeitweise, um dort den Verkehrsfluss zu gewährleisten. Laster hatten auch hier Probleme, die Brücke über die Autobahn 24 passieren zu können.

Bäume behindern den Verkehr auf den Straßen und Schienen

Im Bistal bei Escheburg ist unter der massiven Last des extrem feuchten Schnees ist am Donnerstagnachmittag ein mächtiger Baum umgestürzt. Der Wurzelballen der Linde riss dabei einen Teil der Fahrbahn mit, es trat ein riesiges Loch unter dem Ashalt und in der Böschung auf. Möglicherweise wurde auch die Kanalisation beschädigt.

Im regionalen Zugverkehr bei Bargteheide und Schwarzenbek gibt es wegen umgestürzter Bäume im Gleisbett Behinderungen. Die S-Bahn meldet im Hamburger Raum wegen des Schnees vereinzelt Probleme bei der Weichenstellung. Der Fernverkehr von Hamburg Richtung Süden leidet unter dem Orkan in Niedersachsen, NRW und Rheinland-Pfalz. Das teilte ein Sprecher der Bahn in Hamburg mit.

Kein Schulunterricht

Vielerorts fiel der Schulunterricht aus, etwa im Oberharz in Niedersachsen, in Teilen von Mittelhessen und Oberfranken. In Nordrhein-Westfalen, wo für das gesamte Land Unwetterwarnungen ausgegeben wurden, können die Schulen selbst entscheiden, ob sie aus Sicherheitsgründen geschlossen bleiben, wie das Schulministerium mitteilte.

ln/dpa/Ino

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