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Norddeutschland Friesenhof-Affäre: Albig brüskiert Opposition im Landtag
Nachrichten Norddeutschland Friesenhof-Affäre: Albig brüskiert Opposition im Landtag
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22:10 10.08.2015
Quelle: dpa
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Kiel

 CDU und FDP reagieren entsetzt, aber auch Jugendhilfe-Organisationen widersprechen deutlich. Albigs Ansicht nach werde der Ausschuss keine gravierende politische Bedeutung haben. „Es wird uns zeitlich belasten, denn das ist ja der Sinn, dass wir Ressourcen binden müssen“, sagte Albig der Deutschen Presse-Agentur. „Die politische Erkenntnis, ob wir eine Akte fälschlicherweise auf Seite zwölf und nicht auf Seite eins abgeheftet haben, wird möglicherweise für die künftige Aktenordnung von Bedeutung sein, aber mehr nicht.“

CDU-Fraktionschef Daniel Günther konterte scharf. Angesichts der Misshandlungen und Grundrechtsverletzungen im Friesenhof seien diese Äußerungen „zynisch, herzlos und unerträglich arrogant.“ Genau dieses Desinteresse sei der Grund, warum unter Aufsicht von Sozialministerin Kristin Alheit jahrelang die Zustände in der Heimaufsicht folgenlos blieben. Nach Ansicht von Günther werde der Ausschuss auch Alheits politisches Ende einleiten.

„Die jungen Menschen, die schwer unter den Umständen im Friesenhof zu leiden hatten, haben eine solche Ignoranz von der politischen Spitze des Landes nicht verdient“, wettert auch FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki. Das zeige, „dass es dem Regierungschef im Grunde nur um sich selbst und seine Regierung geht“.

Albig hält dagegen: Aus seiner Sicht wäre es viel sinnvoller außerhalb eines Untersuchungsausschusses über Qualitätsverbesserungen in der Jugendhilfe zu reden. Damit trifft der Ministerpräsident bei den meisten Jugendhilfe-Trägern und -Verbände zwar auf offene Ohren. Zugleich betonen sie aber, wie wichtig in diesem Zusammenhang auch ein Untersuchungssausschuss sei.

„Es muss ja darum gehen, auf allen Ebenen zu überprüfen, ob etwas hapert“, sagt zum Beispiel Holger Platte, Fachreferent bei der Jugendschutz-Organisation Dunkelziffer e.V. Das schließe die höchste Ebene von Fachaufsicht und Ministerium selbstverständlich mit ein. Ähnlich sieht es Torsten Geerdts, Vorstand des DRK-Landesverbandes Schleswig-Holstein. Alle die für das Wohl von Kindern und Jugendlichen Verantwortung tragen, seien in der Pflicht ein Höchstmaß an Qualität in personeller und fachlicher Hinsicht zu gewährleisten. „Wenn ein Untersuchungsausschuss dazu einen Beitrag leisten kann, macht er auch Sinn“, so Geerdts.

Günter Ernst-Basten, Vorstand der Paritätischen Schleswig-Holstein, hat indes die Befürchtung, dass im politischen Gezänk die eigentlichen Probleme ins Hintertreffen geraten. „Ich bezweifle, dass es uns weiter bringt, wenn wir erfahren, wer wann was gewusst hat“, betont Ernst-Basten, widerspricht aber zugleich auch Torsten Albig: „Wenn ein Ausschuss sich mit bestehenden fachlichen Problemen befasst, ist er mit Sicherheit keine Zeitverschwendung.“

Oliver Vogt

Einen Kommentar zu diesem Thema lesen Sie hier: Den Respekt verloren

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