Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Friesenhof: Heimaufsicht hatte schwere Bedenken
Nachrichten Norddeutschland Friesenhof: Heimaufsicht hatte schwere Bedenken
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:22 22.02.2016

Der Friesenhof-Skandal: Das Landesjugendamt habe doch zeitnah auf die Beschwerden über die Erziehungspraxis in dem Dithmarscher Mädchenheim reagiert, hatte die Landtags-SPD noch Anfang Februar nach der letzten Sitzung des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses erklärt. Jetzt tauchen Dokumente auf, die beweisen, dass die Mitarbeiter der Heimaufsicht des SPD-Sozialministeriums selber die Vorfälle in dem Heim als drastischer und die Gegenmaßnahmen der eigenen Behörde als untauglich bewerteten.

Innerhalb des Teams der Heimaufsicht seien in Besprechungen bereits 2013 bezüglich der Einrichtung Friesenhof Begriffe wie „entwürdigendes Erziehungsverhalten“, „Missachtung der Menschenrechte“ und „Vergleichbarkeit zu den Vorkommnissen in Glücksburg“ gefallen, heißt es jetzt in einem Zwischenbericht für die FDP-Fraktion. Das gehe aus einem gemeinsamen Vermerk der Heimaufsicht vom 22. Juni 2015, kurz nach dem Öffentlichwerden des Skandals und der Schließung des Heims hervor. Es sei eine Betreuungspraxis sichtbar geworden, die mehr und mehr auf Einschüchterung, Zwang und Unterwerfung der Kinder und Jugendlichen ausgerichtet gewesen sei.

Ab Oktober 2013 sei man in der Heimaufsicht davon ausgegangen, dass es sich nicht mehr „um Beschwerden der üblichen Art“, sondern um massives Fehlverhalten diverser Mitarbeiter handele, „das wahrscheinlich durch die Leitungsebene der Einrichtung verstärkt, aber zumindest gebilligt worden ist". Nach Ansicht der sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Heimaufsicht hätte dies ein „rasches und entschlossenes Handeln notwendig gemacht“. Stattdessen aber seien „teilweise notwendige Schritte“ wie Tätigkeitsuntersagungen unterblieben.

Der Untersuchungsausschuss setzt seine Vernehmungen am kommenden Montag fort. Dann sollen weitere Ex-Friesenhof-Mitarbeiter und Mitarbeiter des sozialen Dienstes zu den Vorfällen in dem Skandal-Heim aussagen.

wh

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wie viele Flüchtlinge ohne Pass halten sich im Land auf? Kiel weiß keine Antwort.

22.02.2016
Norddeutschland Per Klick zu Kita-Plätzen und Söötsures - Webseite im Test: Wie gut ist www.schleswig-holstein.de?

1,2 Millionen Nutzer landen monatlich auf „www.schleswig-holstein.de“ – doch was leistet die Seite? Wir haben Fragen zu diesem Thema beantwortet.

22.02.2016

Das ist echte Pionierarbeit: Verrostete Fässer mit sensiblem Inhalt werden im AKW Brunsbüttel umgelagert. Aufwendige Spezialtechnik ist erforderlich, um die Behälter mit Atommüll sicher zu verwahren. Bis sie an ihrem Endziel sind, wird es noch lange dauern.

22.02.2016
Anzeige