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Norddeutschland Friesenhof: Hinweise ignoriert
Nachrichten Norddeutschland Friesenhof: Hinweise ignoriert
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21:10 30.07.2015
Seit Monaten in der Diskussion: Das Jugendheim „Friesenhof“ in Hedwigenkoog. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Kiel

Warum mussten die Mädchen im Skandal-Heim Friesenhof so lange leiden, ohne dass das Kieler Sozialministerium eingriff? Interne Akten der Behörde von SPD- Ministerin Kristin Alheit belegen jetzt: Die Abteilung Heimaufsicht ging nicht nur über Beschwerden von Bewohnerinnen und Betreuern über erniedrigende Strafen, brutale Behandlung und sexuellen Missbrauch hinweg. Sie ignorierte auch deutliche Hinweise von Jugendpsychologen und Jugendämtern auf Missstände in dem Heim. Und das über Jahre hinweg.

Am 16. Dezember 2014 zum Beispiel ging ausweislich einer Aufstellung des Ministeriums eine eindeutige Beschwerde bei der Heimaufsicht ein. Eine leitende Ärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) der Helios-Klinik in Schleswig habe sich ans Ministerium gewandt. „Zwei aus dem Friesenhof stammende Patientinnen hätten Angst in die Einrichtung zurückzugehen. Versuche, die Trägerin zur konstruktiven Kooperation einzubinden, seien bislang gescheitert. Sorge, die Einrichtung arbeite nicht pädagogisch einwandfrei“, notiert ein Ministeriums-Mitarbeiter.

Einzige Reaktion der Heimaufsicht: Ein Gespräch zwischen der KJP und der Trägerin Anfang Januar. Dem Friesenhof seien die „komplexen Hilfebedarfe der Betreuten“ verdeutlicht worden, „die möglicherweise nicht in Einklang mit den angebotenen Mitteln der Einrichtung stehen“. Genützt hat das offenbar nichts. Zwölf Tage später geht eine erneute Beschwerde der KJP ein. Diesmal klagt sie über „Fixierung, Übergriffe durch Personal, Eindruck einer ,geschlossenen Einrichtung‘“, heißt es in der Auflistung des Sozialministeriums. Man habe die Trägerin daraufhin zur „schriftlichen Stellungnahme“ aufgefordert. Erst nach mehreren Presseberichten Ende Mai wurde das Heim vom Ministerium geschlossen. Dabei hatte Kiel sogar schon am 5. November 2013 die Alarm-Meldung einer Kollegin des Allgemeinen Sozialen Dienstes Bremen erreicht, Abteilung „Fachberatung Fremdplatzierung“. Diese Kollegin klagt damals über all jene Zustände, von denen die Heimaufsicht nach bisheriger Darstellung angeblich erst fast ein Jahr später während eines Besuchs im Friesenhof erfahren habe: „Unverhältnismäßige Sanktionierung, übermäßiger Sport, Duschregel (5 Minuten), ,aussitzen‘; Kinder wach halten, keine Beschwerdemöglichkeiten durch ständige Überwachung, Angstatmosphäre aufgebaut, Gewalt gegen Mädchen (festhalten draufsetzen), Beleidigungen, Gruppenbestrafungen.“

Zehn Tage später meldet sie sich erneut in Kiel, berichtet von Bewohnerinnen, die erklären, die Erzieher im Friesenhof „lügen vor anderen Behörden“. Reaktion der Heimaufsicht: „Zwecks weiterer insbesondere konzeptioneller Entwicklung der Einrichtung wird der Trägerin mit Schreiben vom 18.02.2014 ein Beratungsangebot offeriert.“

„Zwei Patientinnen hätten Angst in die Einrichtung
zurückzugehen.“
Notiz eines
Ministeriums-Mitarbeiters

Wolfram Hammer

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