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Norddeutschland Friesenhof? Jugendamtsleiterin kannte nicht mal den Namen
Nachrichten Norddeutschland Friesenhof? Jugendamtsleiterin kannte nicht mal den Namen
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21:18 27.06.2016
„Es fällt schwer, nicht von organisierter Unkenntnis der Abteilungsleiterin zu sprechen.“Wolfgang Kubicki, FDP-Fraktionschef

Der Friesenhof-Skandal: Über Monate und Jahre hinweg häuften sich die Beschwerden junger Mädchen über Quälereien in dem Dithmarscher Jugendheim. Erst im Juni 2015 wurde es vom Sozialministerium geschlossen. Die Leiterin des Landesjugendamtes, Silke Duda, aber war nach eigenem Bekunden bis fast zum Schluss ahnungslos, hatte keinen Überblick über die Ballung der Vorgänge. Das beteuerte die 64-Jährige gestern vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Landtages.

Ja, sie sei Anfang 2015 von der ihr unterstellten Referatsleiterin der Heimaufsicht darüber informiert worden, dass es in einem Heim in Dithmarschen zu Vorfällen gekommen sei, gab Duda zu. Und ja, sie habe Kenntnis von einem Beschwerdebrief bekommen, den zwei Mädchen ans Ministerium geschrieben hatten. Da müsse man ran, die Mängel abstellen, habe sie die Heimaufsichts-Leiterin angewiesen. Die habe erklärt, sie arbeite bereits an einer Auflagenverfügung. Der Name der Einrichtung aber sei ihr „nicht präsent“ gewesen. Es gebe ja so viele Einrichtungen. Sie habe sich um Inhalte gekümmert, nicht um Namen.

Die Oppositionsabgeordneten im Ausschuss mochten das nicht glauben. Vor allem FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki hakte nach. Über Monate hinweg habe zum Beispiel ein Rechtsanwalt insgesamt 13 Schreiben in dieser Sache ans Landesjugendamt geschickt. Immer sei im Betreff der „Friesenhof“ genannt worden, hielt der Liberale Duda vor. Die nahm mit ihrem Anwalt die betreffenden Dokumente gestern gleich noch einmal unter die Lupe. Ja, fünf davon seien tatsächlich von ihr abgezeichnet worden, gab sie zu. Aber der Name, den habe sie sich wirklich nicht gemerkt. Ob sie sich denn dann wenigstens die Auflagenverfügung der Heimaufsichts-Chefin angesehen habe, will Kubicki wissen. „Nein“, sagt Silke Duda. So eine Auflagenverfügung sei im Ministerium etwas Alltägliches. Und als komplexer Fall sei ihr der Friesenhof ja nicht bekannt gewesen.

Das steht allerdings im Widerspruch zur Aussage der Heimaufsichts-Leiterin im Untersuchungsausschuss vor einigen Wochen. Dort hatte diese erklärt, Duda über alle Vorgänge genau unterrichtet zu haben.

Und so bohrte Kubicki weiter nach. Ob denn die Hausspitze informiert worden sei, SPD- Staatssekretärin Anette Langner oder SPD-Sozialministerin Kristin Alheit, die erst im Mai 2015 von den Vorfällen erfahren haben will? Schließlich habe es bald danach sogar die Klage einer Anwaltskanzlei gegen die Auflagenverfügung gegeben, und das sei doch wohl ein bedeutsamer Vorgang. „Nein“, sagt Duda wieder.

Die Hausspitze sei nicht informiert worden. Denn das sei ja auch nicht die einzige Klage gegen die Heimaufsicht gewesen. Wie viele solcher Klagen es denn bis Januar 2015 gegeben habe? Das könne sie nicht sagen, so Duda. „Dass man eine solche Fülle von Schreiben zum Friesenhof, eine Klage und Beschwerden auf den Tisch bekommt, aber sich nicht an die Einrichtung erinnern kann, erscheint wenig glaubhaft“, bilanzierte Kubicki. Es falle schwer, „nicht von einer organisierten Unkenntnis der Abteilungsleiterin zu sprechen“. Auch Katja Rathje-Hoffmann (CDU) ist empört: Eine Fach- und Dienstaufsicht durch Duda habe offenbar nicht stattgefunden.

Wolfram Hammer

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