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Frost: Bauern können auf die Äcker

Neumünster Frost: Bauern können auf die Äcker

Ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Maßnahmen: Der knackige Frost treibt die Bauern raus auf die Felder. Nach etlichen Monaten mit viel zu viel Regen ist der Boden nun endlich fest genug, um befahren zu werden. Wo es geht, wird gepflügt oder auch gedüngt.

Landwirt Teo Claussen (31) nimmt die umgepflügte Erde in die Hand. Der schwere, lehmige Boden ist voller Feuchtigkeit.

Quelle: Felix König

Neumünster. Gleich hinter Fliegenfelde (Kreis Stormarn) kämpft sich Bernd Kronwald (52) mit dem Trecker Bahn um Bahn über den Acker, mit maximal fünfeinhalb Kilometer pro Stunde. Ein kleiner Pflug bricht die leicht schneebedeckte Erde um – zurück bleiben große, dunkel glänzende Lehmschollen. „Ich mache das seit mehr als 30 Jahren, aber im Februar hab ich noch nie gepflügt“, sagt der angestellte Fahrer.

Es ist seit fünf Monaten die erste Gelegenheit, das Feld zu bestellen. Am 24. August habe der Weizen mit Müh und Not abgedroschen werden können, berichtet Landwirt Teo Claussen (31). „Danach war nichts mehr zu machen.“ Dabei hätte die Wintergerste bis Mitte September gedrillt werden sollen. Nun erst kann der Boden bearbeitet werden – für Sommergerste. „Die Hoffnung wächst, das Land so weit fertig zu machen, dass jetzt auch Sommergetreide bestellt werden kann“, sagt Daniela Rixen, Sprecherin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein.

LN-Bild

Ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Maßnahmen: Der knackige Frost treibt die Bauern raus auf die Felder. Nach etlichen Monaten mit viel zu viel Regen ist der Boden nun endlich fest genug, um befahren zu werden. Wo es geht, wird gepflügt oder auch gedüngt.

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„Das Wetter ist zum Pflügen fast ideal“, sagt Peter Koll, Geschäftsführer vom Kreisbauernverband Stormarn-Herzogtum Lauenburg. Der im Untergrund noch feuchte Boden sei oben wenige Zentimeter gefroren und dadurch tragfähig. Es komme zu geringstmöglichen Bodenverdichtungen. Manche Kollegen würden schon morgens gegen 2 Uhr mit dem Schlepper starten, berichtet er. „Da bitten wir die Anwohner um Verständnis. Das ist schon eine Ausnahmesituation, die wir jetzt haben.“ Die Landwirte müssen das frostige Wetter nutzen. Nachmittags ist der Boden schon zu weich, die Räder finden keinen Halt mehr.

„Da wird es zu matschig, dann muss man aufhören.“

Die Arbeit ist nicht einfach: Der Boden darf von der Sonne nicht zu sehr aufgetaut, aber auch nicht zu stark gefroren sein. „Höchstens fünf bis zehn Zentimeter“, damit sich die Erde noch aufbrechen lasse, sagt Claussen. Zudem wird langsamer gefahren. Und der Frost geht aufs Material. Es muss öfter nachgeschraubt werden. Gerade ist ein Scherbolzen abgerissen. Kronwald muss erst Ersatz besorgen, bevor es weitergehen kann.

Ob gestern auch Gülle gefahren werden konnte, vermochte Koll nicht zu sagen. „Das muss im einzelnen entschieden werden, ob der Boden aufnahmefähig ist für den Dünger.“ Das bedeutet: Der Boden darf nicht schneebedeckt sein, und er muss antauen. Das Gülle-Problem der Bauern hatte sich in den vergangenen Monaten immer weiter verschärft. Weil Acker- und Grünland viel zu nass waren, konnten der Dünger nicht ausgebracht werden. In vielen Betrieben sind die Lagerkapazitäten am Limit.

Die Landwirtschaftskammer rät, sich beim Deutschen Wetterdienst über die Frosttiefe und die Auftauschicht zu informieren. Danach war gestern etwa in Rendsburg, Leck, St. Peter-Ording und Padenstedt bei Neumünster über den Tag leichtes Tauwetter angesagt. Auch Richtung Hamburg soll Gülle ausgebracht worden sein. Sprecherin Rixen: „Die Wettersituation sorgt regional für ganz leichte Entspannung.“

Habeck: Beinahe schon ein Liebling der Landwirte

„Vor fünf Jahren der Dämon, heute der Darling“ – natürlich übertreibt es Moderator Dietrich Holler, als er in Neumünster vor mehr als 1000 Bauern so den Grünen Robert Habeck begrüßt. Doch die Atmosphäre beim traditionellen Landwirtschaftstag der schleswig-holsteinischen Volksbanken und Raiffeisenbanken zeigte schon, wie sich das Verhältnis zwischen Landwirten und „ihrem“ Minister in den letzten Jahren entkrampft hat. Der frisch gewählte Bundesvorsitzende der Grünen bestätigte das mit einer Geste: Er werde den „Bauernblatt“-Kalender in der Parteizentrale in Berlin aufhängen.

Zwei Stunden lang diskutierten Habeck und Bauernverbandspräsident Werner Schwarz in Neumünster mit Experten über Agrarproduktion, Digitalisierung, Glyphosat, regionale Vermarktung und Qualitätslabel. Volksbanken-Sprecher Stefan Lohmeier lobte die Landwirte: „Sie produzieren hier die besten und gesündesten Lebensmittel, die wir je hatten“.

Schwarz bekannte sich zu großen Tierbeständen; Habeck kritisierte den Druck auf die Bauern, große Mengen zu erzeugen. Dies werde auch die Zahl der Betriebe weiter verringern. Wenn sie sich alle 20 Jahre halbiere, werde irgendwann die Halle in Neumünster nur noch halb voll sein. Schwarz bezweifelte das und regte freiwillige unternehmerische Zusammenschlüsse von Bauern an. Habeck machte den Bauern klar, dass aus seiner Sicht das viel verwendete Pflanzenschutzmittel Glyphosat keine Zukunft hat.

Am Rande des Landwirtschaftstages offenbarten Schwarz und Habeck auch eine unterschiedliche Sicht auf die drängendsten Probleme. Die Folgen des Gänsefraßes an der Westküste, den Wolf und die drohende Afrikanische Schweinepest listet Schwarz auf. „Das scheint mir nicht die richtige Gewichtung zu sein“, meinte Habeck. Für Schäden aus Gänsefraß und Schafsrissen durch Wölfe gebe es Entschädigungen. Das größte Problem sei die Schweinepest. Die Bauern verabschiedeten Habeck mit freundlichem Applaus. Der Minister konstatierte, es habe sich ein Vertrauensverhältnis entwickelt und das wolle er in seiner verbleibenden Amtszeit untermauern.

 Julia Paulat

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