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Norddeutschland Gänse an Vogelgrippe erkrankt: Tierpark Hagenbeck geschlossen
Nachrichten Norddeutschland Gänse an Vogelgrippe erkrankt: Tierpark Hagenbeck geschlossen
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21:34 29.11.2016
Schwarzhalsschwäne in Hagenbecks Tierpark. Quelle: dpa
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Hamburg/Lübeck

Die Pforten bleiben für Besucher vorerst verschlossen: Im Hamburger Tierpark Hagenbeck sind drei Gänse an der Vogelgrippe gestorben. Die verendeten Tiere waren am Montagmorgen in ihren Stallungen gefunden worden. Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts stellten die Vogelgrippe fest. Die Gänse wurden positiv auf das Influenza-A-Virus H5N8 getestet.

20 Vögel müssen getötet werden – Andere Zoos mit hohen Sicherheits-Maßnahmen.

Der Zoo bereitet nun die Keulung von 20 Gänsen vor. „Das ist nötig, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern“, sagte Tierpark-Veterinär Michael Flügger. Bis weitere Infektionsfälle ausgeschlossen werden könnten, bleibe der Tierpark geschlossen, sagte Rico Schmidt, Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde – heute und vermutlich auch morgen. „Weiter können wir noch nicht planen.“ In den kommenden Tagen gelte es nun, den Vogelbestand des Tierparks zu untersuchen. Das Tropenaquarium bleibt nach wie vor geöffnet.

Auf den Kriseneinsatz sei der Tierpark gut vorbereitet, sagte Veterinär Flügger: „Wir können die Tierarten in unterschiedlichen Einheiten unterbringen. Das erleichtert die Arbeit.“ Massenhaltung mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko gebe es bei Hagenbeck nicht. Wie das Virus in den Tierpark gelangt sei, müsse geprüft werden. Neben einer Ansteckung durch Wildvögel sei auch eine Ansteckung durch Futtermittel oder die Ein- und Ausfuhr von Tieren möglich. „Wir prüfen alle Möglichkeiten“, sagte Flügger.

Bereits Anfang November waren bei Hagenbeck umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen worden. Kurz nach Bekanntwerden des ersten Verdachtsfalls in Schleswig-Holstein hatten Tierpfleger damit begonnen, Flamingos, Gänse und Pelikane in ihre Winterquartiere zu bringen. Aber auch freilaufende Hühnerrassen, Gänse und Enten wurden in Stallungen untergebracht.

Hagenbeck ist nicht als erster Zoo im Norden betroffen. In Mecklenburg-Vorpommern mussten bereits die Tierparks in Sassnitz und Ueckermünde nach einem Vogelgrippefall geschlossen werden. In Ueckermünde war bei einem toten Emu-Weibchen der Erreger H5N8 festgestellt worden.

Andere Zoos im Norden sehen sich gut gerüstet gegen die Vogelgrippe. Der Wildpark Eekholt am Nordrand des Segeberger Forstes hatte sofort reagiert, als die ersten Fälle bekannt wurden. Für die Besucher liegen am Eingang Desinfektionsmatten aus. „Wir sind in Gedanken bei den Hamburger Kollegen“, sagt Leiter Wolf von Schenck. „Wie wir ist der Tierpark eine private Einrichtung, die auf Eintrittsgelder angewiesen ist.“

Auch im Tierpark Neumünster gibt es Matten für die Schuhe sowie Sprühflaschen mit Desinfektionsmittel für die Räder von Boller- und Kinderwagen: Vorsichtsmaßnahmen, damit keine Viren in den Bestand des Tierparks „von außen“ eingetragen werden, betont Leiterin Verena Kaspari. „Wir erklären die Vorkehrungen an der Kasse und im Internet. Das kommt bei den Besuchern gut an.“

Im Vogelpark Marlow im Landkreis Vorpommern-Rügen sind die begehbaren Volieren für Besucher geschlossen, sagt Sprecherin Franziska Zöger. „Wir haben Nebensaison, da ist der Andrang nicht so groß.“

Bislang habe der Park kein Problem mit der Vogelgrippe. „Ich hoffe, das bleibt auch so.“

Ingo Wilhelm leitet den Zoo Arche Noah in Grömitz. Der Vogelbestand beschränkt sich auf gut ein Dutzend Tiere. Wilhelm fürchtet jedoch, dass die Besucher nun verunsichert seien und den Tierparks fern blieben, obwohl keine Übertragung des H5N8-Erregers auf den Menschen bekannt sei.

Der Zoo Schwerin habe im engen Kontakt mit dem Veterinärsamt Seucheneinheiten gebildet, so dass bei einem Vogelgrippefall nicht der gesamte Bestand getötet werden müsse, sagt Direktor Tim Schikora „Wir können die Vogelgrippe nicht zu 100 Prozent verhindern. Wir können aber sicherstellen, dass die Schäden so gering wie möglich sind.“

 Jan Dresing

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