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Gasexplosion: Bauarbeiter freigesprochen

Itzehoe Gasexplosion: Bauarbeiter freigesprochen

„Sie haben sich nichts zuschulden kommen lassen. Amtsrichterin

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Nach der Explosion im März 2014 glich das Mehrfamilienhaus in Itzehoe einem Trümmerfeld. FOTO: AXEL HEIMKEN/DPA

Itzehoe. Obwohl der Freispruch nicht überraschend kam, war den Angeklagten bei der Urteilsverkündung die Erleichterung anzumerken. „Sie haben sich nichts zuschulden kommen lassen“, sagte die Amtsrichterin den zwei Bauarbeitern bei der Urteilsbegründung. Zweieinhalb Jahre nach der verheerenden Explosion, bei der vier Menschen starben, sprach das Amtsgericht den Baggerfahrer und seinen Vorarbeiter nun frei.

Das Unglück war am 10. März 2014 bei der Erneuerung einer Regenwasserkanalisation passiert. Die Staatsanwaltschaft warf dem Polier und dem Baggerfahrer zunächst vor, bei den Erdarbeiten unachtsam gearbeitet zu haben. Es sei mit dem Bagger gegraben worden, obwohl die Gasleitung bereits erkennbar gewesen sei, lautete der Vorwurf.

Um 9.04 Uhr war es dann zur Explosion gekommen. Das Haus Schützenstraße Nummer 3 gab es danach nicht mehr. Es sah aus, als hätte ein Sprengmeister das Gebäude akkurat aus einer Häuserzeile herausgesprengt, schilderte ein Passant damals seine Eindrücke.

Bei dem Unglück starben ein Arbeiter und drei Hausbewohner. 15 weitere Menschen wurden verletzt, darunter der Baggerfahrer. Die Explosion machte sechs Häuser in der Umgebung unbewohnbar. Insgesamt verloren in dem von engen Gassen geprägten Viertel mit seinen zweigeschossigen und oft liebevoll restaurierten Gebäuden, die zum Teil aus der Gründerzeit stammten, rund 100 Menschen durch das Unglück ihr Zuhause. Der Sachschaden wurde auf über 1,2 Millionen Euro geschätzt.

Die Staatsanwaltschaft warf den Angeklagten fahrlässige Tötung und fahrlässige Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion vor. „Das wurde in der Beweisaufnahme nicht bestätigt“, sagte die Amtsrichterin. Die Leitung sei zu einem Zeitpunkt mit der Baggerschaufel beschädigt worden, als keiner der Angeklagten von ihr gewusst habe. Daher sei eine Pflichtverletzung für keinen der Angeklagten feststellbar gewesen. Ursache der verheerenden Explosion war nach Überzeugung des Gerichts ein „Zusammenwirken mehrerer Fehler im Vorfeld“.

Die Bauarbeiter hätten sich auf das Kartenmaterial des Katasteramtes verlassen dürfen. In jenen Unterlagen war das Gasrohr zum Haus Nummer 3 jedoch nicht verzeichnet. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hatten ergeben, dass eine Panne bei der Umstellung von Papier auf EDV in den 1970er Jahren Ursache war. Bei der Digitalisierung sei die beschädigte Gasleitung vergessen worden, hieß es. Kurz vor der Explosion hatten Mitarbeiter des Tiefbauamtes die Gasleitung entdeckt, fotografiert und an das Amt weiter geleitet. Diese Information sei jedoch bei den Verantwortlichen aus unbekannten Gründen nicht angekommen.

Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft auch gegen Mitarbeiter der Stadtwerke ermittelt, weil das Gasrohr nicht in Karten verzeichnet war. Die Ermittlungen wurden eingestellt. Es habe sich nicht klären lassen, wer für den Übertragungsfehler verantwortlich war, hieß es.

Gut zweieinhalb Jahre nach dem Unglück konnten damit die Strafakten geschlossen werden. Die Justiz muss sich jetzt nur noch mit den Schadensersatzansprüchen beschäftigen. Mehrere Zivilklagen seien anhängig, sagte Gerichtssprecher Philipp Terhorst am Rande des Prozesses.

Wolfgang Runge

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