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Norddeutschland Schärfere Gesetze beim Alkohol?
Nachrichten Norddeutschland Schärfere Gesetze beim Alkohol?
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09:28 25.11.2018
Wo ist das Limit? Um zur Gruppe dazuzugehören, leeren viele Jugendliche Bier- und Schnapsflaschen. Das Problem: Alkohol schädigt das Gehirn. Quelle: Fotolia
Lübeck

Immer wieder landen Jugendliche mit Alkoholvergiftung im Krankenhaus. Schärfere Gesetze fordert deshalb Bernd Heinemann, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. Nach skandinavischem Vorbild wolle er sich dafür einsetzen, den Verkauf von Alkohol abends und am Wochenende einzuschränken. Auch eine Alkoholabgabe zur Preissteigerung sei denkbar. „Das wäre sicherlich der beste Weg. Allerdings ist es schwer, die Alkohol-Lobby und Landtagsabgeordnete davon zu überzeugen.“

Suchtmittel seien in unserer Gesellschaft 365 Tage im Jahr 24 Stunden am Stück verfügbar – im Supermarkt, an der Tankstelle, am Bahnhofskiosk, bemängelt auch Björn Malchow von der Landesstelle für Suchtfragen. Die Alkoholindustrie stelle die Getränke in der TV-Werbung vor dem Fußballspiel in Zusammenhang mit Genuss und Sport. „Das kommt bei den Jugendlichen an“, sagt Malchow. Es sei schizophren, zu glauben, das habe keinen Einfluss auf deren Konsumverhalten. Zudem sei Alkohol viel zu billig.

Jugendliche aus vom Land und aus der Stadt werden stationär in Lübeck aufgenommen

Jeder Jugendliche, der mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus landet, sei einer zu viel, sagt Christoph Härtel von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin Lübeck. Zwischen 80 und 120 Jugendliche werden im Jahr bei ihm stationär eingewiesen, sie kommen aus der Stadt, aber auch aus ländlichen Regionen, etwa in Mecklenburg-Vorpommern und Segeberg.

Dazu kommen noch rund 200 junge Menschen, die in der UKSH-Notaufnahme ankommen und dort direkt von ihren Eltern abgeholt werden. Laut der letzten Erhebung des Statistikamts Nord landeten 2016 in ganz Schleswig-Holstein 661 Jugendliche mit Alkoholvergiftung in einer Klinik.

Auch schon 12-Jährige landen mit Wodka-O und Rum-Cola im Krankenhaus

„Die Patienten werden immer jünger“, berichtet Kinderarzt Härtel. Mit Sorge beobachte er, dass auch schon 12- und 13-Jährige mit ordentlich Promille, unterkühlt, unterzuckert und ohne Begleitung der Eltern eingewiesen werden. Im Krankenhaus bekommen sie eine Infusion, schlafen ihren Rausch aus. Wenn die Eltern ihr Kind abholen, bieten Suchtberater ein erster Beratungsgespräch an, um über die Gefahren aufzuklären.

„Im Grunde dürfen Jugendliche gar nichts trinken“, betont Härtel. Zwei Schnäpse könnten schon ausreichen, um als junger Mensch in einen komaartigen Zustand zu verfallen. Zumal junge Menschen noch nicht genau wüssten, wo die Grenze ist, was dem Körper zugemutet werden kann. Die Folgen könnten langfristige Schäden im Gehirn oder Organen wie der Leber sein.

 Alkohol in Zahlen

Im Schnitt sind Jugendliche etwas älter als 16 Jahre, wenn sie ihren ersten Alkoholrausch erleben, sagt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Deutschland sei ein Hochkonsumland: Im internationalen Vergleich bewegen wir uns im oberen Drittel.

9,6 Liter reinen Alkohol trinken Deutsche durchschnittlich im Jahr. Das ergibt eine ganze Wanne alkoholische Getränke pro Kopf, nämlich 135, 5 Liter. 202 Menschen sterben Schätzungen zufolge hierzulande jeden Tag an den Folgen ihres riskanten Alkoholkonsums.

Um zur Gruppe dazuzugehören, trinken manche Jugendliche mehr als ihnen guttut, sagt Suchtberater Björn Malchow. Quelle: Jens Büttner/ dpa

Während Bernd Heinemann von der SPD schärfere Gesetze fordert, appellieren andere Landtagspolitiker an Elternhaus und Umfeld. „Alkohol ist die legale Droge Nummer eins“, bemerkt Burkhard Peters, drogenpolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion. „Niemand sollte die Gefahren des Komasaufens kleinreden.“ Prävention im jungen Lebensalter sei wichtig, dass Erwachsene gute Vorbilder sind aber auch.

An ein Patentrezept glaubt Andrea Tschacher, drogen- und suchtpolitische CDU-Sprecherin, nicht. Prävention könne durch Elternhaus und Schule stattfinden, durch Vorleben und Aufklärung. „Rauschtrinken löst kein Problem, sondern schafft welche“, sagt Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP). Auch er sieht in erster Linie Eltern, Freunde und das Umfeld in der Pflicht einer Vorbildfunktion.

Saskia Bücker

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