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Norddeutschland Geht Habeck nach Berlin? Zerren um Grünen-Politiker
Nachrichten Norddeutschland Geht Habeck nach Berlin? Zerren um Grünen-Politiker
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21:34 01.11.2017
Mag auf seinen Grünen-Umweltminister Robert Habeck (l.) nicht verzichten: Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Quelle: dpa

„Wir haben mit Jamaika ein echtes Zukunftsprojekt für Schleswig-Holstein auf die Beine gestellt“, sagte Günther. Habeck habe ihm versichert, dass er an den Erfolg der Koalition glaube. „Er weiß, dass er ein wichtiger Pfeiler unseres Bündnisses im Norden ist.“ Derzeit aber ist Habeck auch in Berlin gefragt – er gehört zum Sondierungsteam der Grünen bei den Gesprächen im Bund. Und so mancher traut ihm auch eine führende Rolle auf Bundesebene zu.

„Ich würde es begrüßen, wenn Habeck nach Berlin käme“, sagt etwa Wolfgang Kubicki, der für die FDP in den Bundestag eingezogen ist und ebenfalls mit am Jamaika- Verhandlungstisch sitzt. „Das würde hier vieles einfacher machen.“ Allerdings, räumt er ein, habe er nicht den Eindruck, dass Habecks Parteifreunde ihn wirklich bitten würden, nach Berlin zu kommen.

Der 48-jährige Grünen-Politiker aus Flensburg hat in der Hauptstadt nicht nur Freunde, nachdem er als Außenseiter im Ringen um die Spitzenkandidatur der Grünen für die Bundestagswahl dem langjährigen Parteichef Cem Özdemir nur knapp unterlegen war. Politkollegen beschreiben ihn als ehrgeizig. Wenn er ein Angebot für eine bedeutende Rolle in Berlin bekäme, würde er das wohl machen, wird gemutmaßt. Dass er Ambitionen habe, hätte ja seine Kandidatur zur Urwahl gezeigt.

Bei den Nord-Grünen verfolgt man die Gespräche für Jamaika in Berlin gespannt. „Noch sind wir weit davon entfernt, Posten zu verteilen“, betont die Abgeordnete Marlies Fritzen aus Ostholstein. Sie würde sich freuen, wenn Habeck in Schleswig-Holstein bliebe. „Er hat hier erfolgreiche Arbeit gemacht“, findet sie. „Wenn er als Stabilisator nach Berlin gerufen wird, muss man Verständnis haben“, meint der CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Jörn Arp. Bei der SPD ist man gelassen: „Der Trennungsschmerz ist bei uns nicht so groß wie bei anderen“, sagt Landeschef Ralf Stegner, der Habeck als „Machtpolitiker mit hoher PR-Begabung“ beschreibt. Habeck erweise sich ja als „verlässlicher Vertreter schwarz- grüner Zusammenarbeit“. „Ob er nun Landwirtschaftsminister in Kiel oder Berlin ist, das spielt für die SPD keine Rolle.“ Jedoch hat auch Stegner Zweifel, dass ein Wechsel Habecks nach Berlin etwas werden kann – angesichts der Quotenregelung bei den Grünen und dem Verhältnis zu Özdemir.

Habeck selbst betont stets, er sei nicht auf Jobsuche. Dennoch machen sich einige schon Gedanken, wer ihn denn beerben könnte auf dem Chefsessel im Umweltministerium in Kiel. Der Name von Staatssekretärin Anke Erdmann ist ebenso gefallen wie der von Thomas Losse-Müller, dem früheren Chef der Staatskanzlei. Julia Paulat

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