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Geldautomat gesprengt: Sind die „Panzerknacker“ wieder da?

Reinbek Geldautomat gesprengt: Sind die „Panzerknacker“ wieder da?

Bundesweit gibt es mehrere Hundert Fälle - jetzt hat es auch den Norden erwischt: In der Sparkasse Holstein in Reinbek wurde ein Geldautomat in die Luft gejagt. Er wurde zwar schwer beschädigt, aber an die Geldkassette kamen die „Panzerknacker“ nicht heran. Sind da Serientäter am Werk?

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Feuerwehrleute vor dem gesprengten Geldautomaten in Reinbek-Neuschönningstedt.

Quelle: Christoph Cleimig

Kiel. Über drei Jahre lang war Ruhe, jetzt ist eine „Panzerknacker“-Bande offenbar wieder im Norden aktiv: Zwei unbekannte Täter haben am frühen Sonnabendmorgen versucht, einen Geldautomaten der Sparkasse Holstein in Reinbek (Kreis Stormarn) in die Luft zu jagen. Bundesweit gibt es in diesem Jahr schon mehr als 300 Fälle. Schwappt jetzt eine neue Welle von Geldautomaten-Sprengungen nach Schleswig-Holstein?

Wie bei ähnlichen Delikten dieser Art hatten die Täter ein Gasgemisch in den Automaten geleitet und angezündet. Der Automat wurde dabei zwar schwer beschädigt, an die Geldkassette kamen die „Panzerknacker“ aber nicht heran. „Das spricht nicht gerade für professionelle Täter“, sagt Uwe Keller, Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA) in Kiel. Ob es sich um Nachahmer gehandelt hat oder um Angehörige einer organisierten Bande, ließe sich bislang nicht sagen.

Immerhin beschränkten sich die Schäden im Reinbeker Fall vor allem auf den Geldautomaten. Bei vergangenen Taten waren oft auch die Gebäude durch die Explosion schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. „Kontrollierte Sprengungen sind mit diesem Gasgemischen nicht möglich“, erklärt LKA-Sprecher Keller. Daher könnten die Schäden leicht bei 100 000 Euro liegen — gestohlenes Geld nicht eingerechnet. Auch unbeteiligte Personen seien erheblichen Gefahren ausgesetzt, warnt Keller.

Die bis dahin letzte Geldautomaten-Explosion in Schleswig-Holstein geschah im Mai 2012 in Klein Rönnau bei Bad Segeberg. Damals entkamen die Täter unerkannt mit Bargeld in Höhe von mehreren Zehntausend Euro. Während Schleswig-Holstein seither von den Automaten-Sprengern verschont blieb, gab es in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen zahlreiche Fälle. Wegen der großen Zahl der Taten — 22 allein in diesem Jahr — hat das LKA Niedersachsen gestern sogar eine eigene Ermittlungsgruppe ins Leben gerufen. „Wir gehen in jedem Fall von organisierten Banden aus, die für die Taten verantwortlich sind“, sagt Frank Federau, Sprecher des LKA in Hannover. In der Regel seien es mehrere Beteiligte, die nach einem genau festgelegten Muster vorgingen. Im Fokus der Verbrecher stünden insbesondere Geldautomaten in ländlichen Gegenden mit wenig Publikumsverkehr, aber guter Straßenanbindung. Da die Ausführung der Tat meist nicht länger dauere als drei Minuten, seien die Automaten-Räuber beim Eintreffen der Polizei meist über alle Berge.

Deutsche Geldautomaten gelten bei den Banden als beliebt. Während in Frankreich, Belgien und Schweden Farbpatronen in den Automaten vorgeschrieben sind, die das Geld bei einer Explosion unbrauchbar machen, sind Automaten hierzulande nach LN-Informationen nur vereinzelt mit solchen Vorrichtungen ausgestattet. Offiziell machen die Banken im Norden aber keine Angaben darüber. Hans-Ingo Gerwanski, Sprecher der Sparkasse Holstein, verweist aber auf „hohe Sicherheitsstandards“ bei sämtlichen Automaten. Auch der gesprengte Automat sei kameraüberwacht gewesen. Abgeschreckt hat das die Täter aber offenkundig nicht. Pläne, den Zugang zu Automaten in den Nachtstunden einzuschränken, wie das zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern praktiziert wird, gebe es bei der Sparkasse Holstein bisher aber nicht, sagt Gerwanski.

„Kontrollierte Explosionen sind nicht möglich.“
Uwe Keller, Landeskriminalamt Kiel

Oliver Vogt

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