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Gericht erlaubt Handy-Verbot

Berlin/Lübeck Gericht erlaubt Handy-Verbot

Wenn ein Lehrer das Gerät einkassiert, ist das keine Grundrechtsverletzung. Das Thema ist auch in Familien oft ein Streitfall.

Handys und Smartphones sind an der Schule, aber auch zu Hause immer wieder ein brisantes Thema.

Quelle: dpa

Berlin/Lübeck. Handys und Smartphones sind an der Schule, aber auch zu Hause immer wieder ein brisantes Thema. In Berlin haben sich nun auch Richter damit befassen müssen. Geklagt hatte ein Schüler, dem der Lehrer ein störendes Handy im Unterricht weggenommen und über das Wochenende einbehalten hatte. Doch der Entzug eines Mobiltelefons durch einen Lehrer über mehrere Tage hinweg ist keine Verletzung von Grundrechten eines Schülers. Das hat das Berliner Verwaltungsgericht in einer gestern veröffentlichten Entscheidung festgestellt. (VG 3 K 797.15) Heidrun Allert, Professorin für Medienpädagogik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, spricht allerdings von einer „ungeeigneten Maßnahme“. Dass der Schüler geklagt habe, lasse ja erkennen, dass der Entzug des Handys über mehrere Tage für den Jugendlichen eine andere Bedeutung habe als für den Lehrer. Am Umgang mit Medien zeige sich meist auch ein Generationenkonflikt. „Für den Schüler kann es schlimm sein, ein ganzes Wochenende etwa von WhatsApp-Nachrichten ausgeschlossen zu sein“, sagt sie. Denn es gehe ja darum, sich sozial eingebunden, sich vernetzt zu fühlen. Allert rät Lehrern, aber auch Eltern zu mehr Gelassenheit. Strikte zeitliche Vorgaben, wann oder wie lange beispielsweise das Smartphone genutzt werden darf, hält sie für schwierig. „Sie werden meist nicht lange durchgehalten.“ Es sei wichtig, gemeinsam mit dem Kind zu überlegen, wie das Familienleben gestaltet und wie der Umgang mit modernen Medien gelebt werden solle.

LN-Bild

Wenn ein Lehrer das Gerät einkassiert, ist das keine Grundrechtsverletzung. Das Thema ist auch in Familien oft ein Streitfall.

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Jeder Zweite der Sechs- bis 18-Jährigen kann sich ein Leben ohne Handy oder Smartphone nicht mehr vorstellen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Forsa-Studie für den IT-Branchenverband Bitkom. Die meisten nutzen es als Alleskönner: 88 Prozent telefonieren damit, 83 Prozent hören Musik. Messenger-Dienste sind für 82 Prozent, Kamera und Internet für jeweils 78 Prozent wichtig.

Auch an den Schulen Schleswig-Holsteins ist das Handy ein Konfliktthema. „Das ist nicht nur ein Segen, es bringt auch viel Ablenkung“, bestätigt Bernd Schauer, Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Inzwischen hätten die Schulen aber eigene Regelungen getroffen – auf Basis einer Empfehlung des Bildungsministeriums. Danach werden Handys im Schulalltag nicht verboten, ihre Nutzung aber eingeschränkt. „Wenn ein Lehrer ein Handy einkassiert, sollte er es direkt nach dem Unterricht zurückgeben“, sagt Schauer.

Im Fall des Berliner Schülers hatte sich die Schulleitung zunächst geweigert, das Handy wieder herauszugeben, und behielt es über das Wochenende unter Verschluss. Erst am darauffolgenden Montag konnte die Mutter des Schülers das Gerät abholen. Die Familie hielt die Einziehung und Verwahrung des Handys für rechtswidrig. Zudem sei der Schüler in seiner Ehre verletzt und gedemütigt worden, argumentierte sie.

Das Verwaltungsgericht stellte klar, dass die vom Schüler beklagte plötzliche Unerreichbarkeit per Handy keine unzumutbare Beeinträchtigung seiner Grundrechte darstelle. Auch in das elterliche Erziehungsrecht sei damit nicht eingegriffen worden. Zudem stelle das Vorgehen der Schule keine Diskriminierung dar, da der Schüler, der damals die neunte Klasse besuchte, mittlerweile die Schule verlassen habe und der Vorfall sich nicht wiederholen werde. Weiter erklärte das Gericht, die damals vom Lehrer getroffene „Maßnahme“ könne nach der Rückgabe des Telefons „nicht ohne Weiteres auf ihre Rechtmäßigkeit überprüft werden“. Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden.

 Julia Paulat

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