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Norddeutschland Passanten dürfen Hunde abwehren
Nachrichten Norddeutschland Passanten dürfen Hunde abwehren
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20:07 01.11.2018
Hier darf die Leine weg: Anja Schmitt (46) geht mit Labrador „Kira“ zum Spielen an den Hundestrand in Travemünde. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Spaziergänger dürfen einem Gerichtsbeschluss des Oberlandesgerichts Koblenz zufolge effektive Abwehrmaßnahmen ergreifen, wenn sich ihnen ein nicht angeleinter Hund ohne Kontrolle des Halters nähert. Geklagt hatte ein Jogger, der mit seiner angeleinten Hündin im Wald unterwegs war. Bei dem Versuch, das fremde, nicht angeleinte Tier mit einem Ast fernzuhalten, rutschte der Jogger aus und zog sich einen Riss in der Kniesehne zu.

Das Gericht entschied, der Hundehalter hafte in vollem Umfang für die Schäden des Klägers, weil er seinen Hund im Wald außerhalb der eigenen Sichtweite laufen ließ. Damit habe er gegen die örtliche Gefahrenabwehrverordnung verstoßen. Aus Sicht des Halters habe der Hund nur spielen wollen. Doch für die Rechtssprechung war das unerheblich.

Gerichtsurteil: Die Meinung der Leser

Das Gerichtsurteil aus Koblenz sorgt auch bei Facebook für Gesprächsstoff. Jessy Gent schreibt auf der LN-Seite: „Es gibt genug Menschen, die Angst vor Hunden haben, und wenn dann ein Hund auf sie zugelaufen kommt, auch wenn er nur friedliche Absichten hat, ist das nicht gerade förderlich.“ Heike Ladewig begrüßt das Urteil: „Nach dem letzen Kampf meines Hundes mit einem unangeleinten, nicht abrufbaren Stafford-Terrier-Mix hatte ich immer Pfefferspray in der Tasche und hätte auch Gebrauch davon gemacht.“

Entsetzt ist Kerstin Reinke: „Das ist doch keine Legitimation, friedliche Hunde anzugreifen oder gar auf Welpen zu treten.“ Und Florian Holleritt gibt zu bedenken: „Schuld an dem ganzen Dilemma sind die Heerscharen von schlecht erzogenen Hunden und die Beratungsresistenz der überforderten Hundehalter.“

„Das Urteil ist eine komplett neue Bewertung im Umgang mit Hunden“, sagt Benjamin Kirmizi, Zweiter Vorsitzender des Berufsverbandes der Hundeerzieher. Seine Sorge: Das Urteil könne missverständlich verstanden und so interpretiert werden, dass jeder, der sich subjektiv bedroht fühlt, zutreten dürfe. Es werde außer Acht gelassen, dass auch Tiere laut Gesetz ein Recht auf Schutz haben. Mit dieser Rechtssprechung könne es erst recht zu Konflikten im Alltag kommen.

Wozu sind Hundehalter beim Spaziergang verpflichtet?

Hundehalter gegen Passant und umgekehrt: Es ist ein altbekannter Konflikt. Um den zu vermeiden, gibt es Pflichten für Halter. Etwa den Anleinzwang. Der variiert je nach Bundesland. In Schleswig-Holstein müssen Hunde im Wald, Naturschutzgebieten und an öffentlichen Orten angeleint werden. Auch die Lübecker Stadtverordnung schreibt vor, Hunde im Innenstadtbereich anzuleinen. Wer sich widersetzt, muss mit einer Geldbuße bis zu 1000 Euro rechnen.

Wenn Radfahrer kommen, nehmen Kanina Färber (22) und Corinna Eltermann (55) ihre Hunde lieber an die Leine. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Lübecker Halter lassen ihre Hunde am Krähenteich frei laufen. Dort geht etwa Kanina Färber mit Königspudel „Levi“ spazieren. Probleme habe die 22-Jährige bisher mit Radfahrern gehabt. Das kennt auch Corinna Eltermann mit „Pepe“ und „Samy“: „Radfahrer nehmen oft keine Rücksicht.“ Frithjof Taube hält Hündin „Ronja“ an einer Langlaufleine. „Wenn beide Parteien Rücksicht nehmen, klappt das gut“, sagt der 27-Jährige.

Frei laufende Hunde: Ein Problem für Jogger und Radfahrer

Manchmal fühlt sich Erik Höffe beim Joggen von Hunden gestört. „Für uns Läufer ist das ein bekanntes Problem.“ Der 46-Jährige freue sich immer darüber, wenn Hundebesitzer ihre Vierbeiner gut im Blick haben, sie zu sich rufen oder festhalten, wenn ein Läufer kommt. „Dann gibt’s von mir natürlich auch ein kurzes ,Danke’ im Vorbeilaufen“ sagt Höffe. „Das hat überhaupt nichts mit Angst zu tun – aber auch ein umhertollender und spielender Hund kann einen Läufer zu Fall bringen.“

Wie stehen Passanten und Hundehalter zu frei laufenden Hunden?

Erlaubt sind unangeleinte Hunde am Hundestrand von Travemünde. Anja Schmitt und Labrador „Kira“ weichen hierhin aus. „Wir kommen aus Bayern, da gibt es keine Anleinpflicht wie hier“, berichtet die 46-Jährige. Rücksicht nimmt sie trotzdem. „Wenn ich eine Kurve nicht einsehen kann, rufe ich ,Kira’ zu mir.“ Miriam Assmus, unterwegs mit Riesenschnauzer „Max“ und Harzer Fuchs „Murphy“, achtet auf kleine Kinder. „Da leine ich die Hunde an und umgehe sie weitläufig.“

Hundetrainer empfehlen: Im Ernstfall Blickkontakt vermeiden

Auch wenn viele Hundebesitzer aufmerksam sind: Es gibt sie, die plötzliche Konfliktsituation zwischen Mensch und Tier. „Bevor jemand zutritt, sollte er den Kontakt zum Halter suchen und ihn bitten, den Hund ranzurufen“, empfiehlt Hundetrainerin Silvia Steding (49). Blickkontakt vermeiden, ruhig stehen bleiben, die Hände am Körper lassen und – auf keinen Fall weglaufen. Das wecke den Jagdinstinkt der Tiere.

Saskia Bücker

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