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Norddeutschland Gestatten, Annabell Krämer, ich bin hier neu
Nachrichten Norddeutschland Gestatten, Annabell Krämer, ich bin hier neu
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21:16 06.06.2017

Es klingt wie ein Gong am Ende einer Theaterpause. Unüberhörbar ruft das Signal die Abgeordneten zu ihren Stühlen im Kieler Landesparlament. Auftakt der 19. Legislaturperiode. Annabell Krämer (46) zählt zu den ersten Abgeordneten, die ihren Platz suchen. Die Saaldiener haben Namensschilder auf den Tischen verteilt. Wie 23 andere Männer und Frauen ist Annabell Krämer Neuling im Parlament.

Parlamentsneuling: Annabell Krämer (46) aus Quickborn. Quelle: Foto: Roessler

Krämer nimmt nicht sofort Platz. Sie steht zunächst lächelnd hinter ihrem Stuhl, der mit seinen fünf Rollen einem Büromöbel ähnelt. Sich als Erste hinzusetzen, das könnte unhöflich aussehen. Krämer streichelt die Lehne ihres Stuhls. Platziert Lesebrille und Smartphone akkurat auf dem Tisch vor sich. Es ist ein bisschen wie sich neu einrichten. Hier also nimmt sie als Volksvertreterin Platz – für die FDP.

Es ist zehn nach 6 Uhr, als ihr Wecker gestern Morgen klingelt. Erst ins Bad, danach in das khakifarbene Kleid, das – „dem Wetter und dem Ereignis angemessen“ – seit dem Vorabend bereitliegt. Bloß

keinen Stress am Morgen des großen Tages in Kiel, wird sie später erzählen. Danach bereitet Annabell Krämer das Frühstück für ihre Kinder. 6.45 Uhr werden Willy (13) und Emma (9) geweckt. Es ist 7.30 Uhr, als die Diplom-Betriebswirtin Emma in die Ganztagsschule fährt. Der Große nimmt den Schulbus. Erledigt.

Jetzt also volle Konzentration auf die Premiere. Ein letzter Blick in den Spiegel, dann ins Auto. Es läuft gut auf der A 7 an diesem Morgen. Um zehn Uhr will Krämer in Kiel sein, zur Fraktionssitzung. Es ist halb zehn vorbei, als sich Krämer durch den Kieler Stadtverkehr quält. Die letzten Kilometer bereiten ihr doch noch feuchte Hände.

Annabell Krämer ist über Listenplatz 6 der Liberalen ins Landesparlament eingezogen. Seit 2013 ist sie Chefin der FDP-Fraktion in Quickborn. Jetzt auch noch Kiel? „Ich habe schon immer viel Aufwand für die Politik betrieben. Ich glaube, es ist nicht wichtig, wie viel Zeit man mit seinen Kindern verbringt, sondern wie man sie verbringt“, sagt Krämer. Wenn es spät wird, wie es schon der Fall war, weil die 46-Jährige bei den Koalitionsgesprächen mitverhandelt, würden Willy und Emma tags darauf entschädigt. „Freie Auswahl in der Eisdiele“ heißt das Zauberwort. „Das wächst sich zur Eisschlacht aus.“

Alterspräsident Wolfgang Kubicki (FDP) ist mit seinem Part durch, als auffällt, dass vier Abgeordnete seines „Ladens“ nicht sitzen, wo sie laut Sitzplan hingehören. Dazu zählt Krämer. Ein Landtagsdiener hat die Namensschilder für vier Plätze spiegelverkehrt verteilt. Krämer zieht um. Ordnung muss sein.

Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) redet gerade von „Heimat“, als Krämer ihre Lesebrille auf die Nase setzt, den Faltplan mit der Sitzordnung öffnet. Um 90 Grad gedreht. Ja, so stimmt es. Die Sitzung ist bald zu Ende. „Ich dachte, ich wäre aufgeregt, war ich aber gar nicht“, sagt Krämer. Ehrlich? „Okay, ein gesundes Maß an Anspannung gehört dazu.“ Jetzt gehe es darum, sich einzuleben, Abläufe kennenzulernen. Um 21 Uhr will Krämer die Kinder ins Bett bringen. Ob sie’s schafft, weiß sie nicht. Wenn Willy und Emma fragen sollten, wie Mamas erster Tag in Kiel war, wird sie sagen: „Es war schon sehr bewegend.“ Oder so ähnlich.

Curd Tönnemann

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