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Gestatten, wir sind Honorarkonsuln

Lübeck/Kiel Gestatten, wir sind Honorarkonsuln

Bewerben kann man sich nicht – man muss schon gefragt werden. Und Honorar, wie es der Titel verspricht, gibt es auch nicht. Wer Honorarkonsul wird, muss eher Geld mitbringen: Um ihre Arbeit bekannter zu machen, laden die Ehrenbeamten erstmals zu einem Abend der Konsulate ein.

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Vivian Paesler (52) in ihrem schwedischen Honorarkonsulat in Lübeck. Sie wurde im Jahr 2014 für das südliche Schleswig-Holstein bestellt.

Lübeck/Kiel. „Wir alle teilen das Bestreben, uns den Bürgern vorzustellen“, sagt Götz Bormann (57). Er ist Wortführer des Konsularkorps Schleswig-Holstein, im Fachjargon Doyen, und im Hauptberuf Vorstandsvorsitzender der Förde Sparkasse in Kiel. Bormann, Honorarkonsul des Königreichs Dänemark in Kiel, bezeichnet sich als „Netzwerkknotenpunkt“. „Ich sehe mich und unser kleines Konsulat hier als ein ausgelagertes Bürgeramt Dänemarks“, sagt er. Dort können etwa dänische Pässe ausgestellt und vor Wahlen in Dänemark Wahlscheine ausgefüllt werden. Zugleich geht es um die Förderung von Kontakten zwischen Dänemark und Deutschland, aber auch um Notfallhilfe für dänische Bürger.

LN-Bild

Bewerben kann man sich nicht – man muss schon gefragt werden. Und Honorar, wie es der Titel verspricht, gibt es auch nicht. Wer Honorarkonsul wird, muss eher Geld mitbringen: Um ihre Arbeit bekannter zu machen, laden die Ehrenbeamten erstmals zu einem Abend der Konsulate ein.

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„Oft sind es gestrandete psychisch Kranke, denen wir helfen“, erzählt Carsten Bliddal (60), der seit 1995 die Interessen Dänemarks in Lübeck vertritt. Er besucht sie im Krankenhaus, spricht mit den Ärzten, nimmt Kontakt zur Familie auf und setzt die Patienten schließlich in den Zug nach Hause. Die Kosten übernimmt zunächst er – als eine Art Darlehen. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm der Besuch von Königin Margrethe II. im Jahr 2003 in Lübeck. „Das war schon eine aufregende Sache.“

Der Weg zum Honorarkonsul ist lang und kann schon mal ein halbes oder auch ein Jahr dauern. Meist werden Personen gefragt, die bereits mit dem Entsendestaat in Beziehung stehen. Zwei bis drei Stunden dauerte sein Gespräch mit der Botschafterin in Berlin, erinnert sich Bernd Jorkisch (60) , seit drei Jahren die finnische Vertretung im südlichen Schleswig-Holstein. Es folgte ein Antrag beim finnischen Außenministerium, bevor ihn das Auswärtige Amt in Berlin schließlich zum Honorarkonsul bestellte. Dabei hatte er vermutlich gute Karten. „Ich bin seit Jahrzehnten Holzimporteur – und Finnland ist das waldreichste Land in Europa“, sagt Jorkisch. Zudem habe er in seiner Zeit als IHK-Präses den Ostseeraum ins Zentrum gestellt. Das sei nicht unbeobachtet geblieben, meint Jorkisch.

Seitdem übernimmt er notarielle Aufgaben, hält Kontakt zur finnischen Wirtschaftsförderung und vertritt das Land bei offiziellen Einladungen.

Kenntnisse der finnischen Sprache waren nicht erforderlich „Zum Glück“, sagt Jorkisch. Einzelne Worte und Sätze könne er aber schon. Den Arbeitsaufwand für das Ehrenamt schätzt er im Schnitt auf fünf bis zehn Stunden pro Woche. In diesem Jahr sei der Aufwand wegen der 100-Jahr-Feier Finnlands jedoch deutlich größer. Eine Assistentin steht ihm mehrere Stunden pro Woche zur Seite.

Das Büro und Angestellte zahlt der Honorarkonsul aus eigener Tasche; er selbst erhält kein Gehalt – auch wenn der Titel das nahelegt. Dieser ist abgeleitet von lateinisch honor – Ehre. „Man muss sich das Amt auch leisten können“, sagt Nicolaus Lange, der bis Juli Honorarkonsul für Polen in Lübeck war. Die Dependance ist inzwischen – wie andere auch – geschlossen worden. In Ausführung ihres Amtes genießen Konsuln diplomatischen Schutz. Ihr Fahrzeug ist mit einem „CC“-Aufkleber versehen; das steht für „Corps Consulaire“.

Vivian Paesler (52), Steuerberaterin und Buchprüferin in Lübeck, führte das Ehrenamt ziemlich bald ins Gefängnis. „Denn Schweden, die hier ins Gefängnis kommen, haben Anspruch auf einen Besuch von der Konsulin“, erzählt sie. So sei sie erstmals in der JVA Lübeck gelandet, um mit einem Drogenschmuggler zu sprechen. Sie spricht von einem „bunten Betätigungsfeld“. Paesler gibt schwedische Pässe aus, die in Berlin beantragt werden müssen. Auch hilft sie bei Integrationsfragen: Wie komme ich als Flüchtling oder auch als Student nach Schweden? „Da vermitteln wir dann.“ Im vergangenen Jahr registrierte ihr Büro 90 Besuche und rund 200 Mails. Dazu kämen mindestens zehn offizielle Einladungen pro Monat.

Honorarkonsulin Petra Baader betreut nicht nur Norweger, sondern auch Deutsche, die in dem skandinavischen Land arbeiten möchten. Ihre Maschinenbau-Firma hat selbst eine Niederlassung in Norwegen.

Geschäftsverbindungen hat auch Jochen Brüggen, Mitgesellschafter des gleichnamigen Müsli-Konzerns, in sein Entsendeland Österreich. Er ist nach Auskunft seines Büros Anlaufstelle für rund 2000 Auslands-Österreicher im südlichen Schleswig-Holstein. Geburten, aber auch Todesfälle werden von seinem Konsulat nach Österreich gemeldet.

Abend der Konsulate

Einen Einblick in die Arbeit der Honorarkonsulate in Schleswig-Holstein bietet der Abend der Konsulate am Freitag, 29. September, in Kiel. 19 Konsulate präsentieren sich. Sie wollen den Besuchern „ihre“ Länder näherbringen – mit Videos, Musik, Tänzen und kulinarischen Spezialitäten. Dazu gibt es viele Informationen: Was ist der Unterschied zwischen einem Generalkonsulat und einem Honorarkonsulat? Kann ein deutscher Staatsbürger norwegischer Konsul werden? Darf ich meinen Hund mit nach Dänemark nehmen?

In Schleswig-Holstein werden 13 Länder durch Honorarkonsuln vertreten. Dazu gehören vor allem die Ostseeanrainer-Staaten, aber auch die Seychellen, Burkino Faso und Südafrika.

Auf dem Empfang werden neben Honorarkonsul Götz Bormann auch Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) sprechen.

Die Veranstaltung , die in diesem Jahr erstmals organisiert wird, beginnt um 18 Uhr im Haus der Industrie- und Handelskammer Kiel, Bergstraße 2. Der Eintritt ist frei.

J. Paulat und A. Dogan

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