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20:41 27.12.2017
Ergotherapeut Marco Wenzlaff (36) und Alpaka „Helmut“ helfen in Charlottenthal (Landkreis Rostock) Kindern. Quelle: Foto: Norbert Fellechner
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Charlottenthal

Liebevoll wuschelt Anika (18) ihrem Therapeuten durchs gekringelte Haupthaar. „Du bist so flauschig“, flüstert sie „Lennie“ zu. Der Liebkoste lässt sich die Streicheleinheit gefallen und frisst dem Mädchen Müsliflocken aus der Hand. „Lennie“ ist ein Alpaka, zwei Jahre alt und seit einigen Monaten Anikas Motivationscoach. Dem Mädchen mangelt es an Mut und Selbstständigkeit. „Lennie“ hilft ihr, das zu ändern.

Vierbeiner wie „Lennie“ können bei Verhaltensauffälligen und chronisch Kranken kleine Wunder bewirken. Die emotionale Nähe zwischen Mensch und Tier baut Stress ab, tröstet in Lebenskrisen, beseelt mit neuem Tatendrang. Depressive, Demenzkranke oder Multiple-Sklerose-Patienten werden mit Unterstützung von Hund, Katze, Pferd und Co. behandelt.

Auch bei Kindern zeigt die tiergestützte Therapie positive Effekte. So wie bei Anika. „,Lennie‘ stärkt ihr Selbstwertgefühl, motiviert sie, mutiger zu sein und sich durchzusetzen“, sagt Marco Wenzlaff (36). Der Ergotherapeut ist „Lennies“ Arbeitgeber. In seinem Therapiezentrum – einem ausgebauten Bauernhaus in Charlottenthal bei Krakow am See – bietet er die Alpaka-Therapie an. Einmal pro Woche kommt Anika zu ihm, zusammen mit ihrer Schwester Jessica (14). Wenn Wenzlaff mit den Mädchen an deren Entwicklungsdefiziten arbeitet, mit ihnen etwa im Kaminzimmer töpfert oder draußen über den Bewegungsparcours tobt, ist „Lennie“ meist mit von der Partie. „Er ist wie ich – ein Sturkopf“, sagt Anika und lacht. So gelöst war der Teenie nicht von Beginn an. Es habe eine Weile gedauert, bis sie Vertrauen zum Alpaka fassen konnte, sich ihm behutsam annäherte. „Erst hatte ich Angst.“ Wie in so manchen Momenten ihres Lebens. Ähnlich scheu ist Jessica. Das hat sie wiederum mit „Helmut“

gemein. An den dreijährigen Alpakahengst hat sie ihr Herz verschenkt. „Er ist so ruhig und lieb.“ „Helmut“ verurteilt Jessica nicht, lacht sie nicht aus, im Gegenteil: Der Sanftmütige lehrt sie Geduld, Rücksichtnahme und Einfühlungsvermögen.

Sensibel, neugierig und sozial orientiert – Alpakas seien als Co-Coach die Idealbesetzung, meint Marco Wenzlaff. Sechs seiner 16 Anden-Kamele setzt er aktuell für Therapiezwecke ein. Durch die Tiere findet er leichter Zugang zu seinen Patienten. Ersetzen können Alpakas eine klassische Therapie nicht, wohl aber Initialzünder sein. „Sie regen Kinder an, ihr Bestes zu geben“, sagt Wenzlaff. Er nutzt sie deshalb auch für die Behandlung Depressiver.

Antje Bernstein

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