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Norddeutschland Mal anders: Die Konkurrenz der Limo-Händler
Nachrichten Norddeutschland Mal anders: Die Konkurrenz der Limo-Händler
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19:47 01.12.2018
Lecker Birne-Ingwer: Jonas Groseker, Gründer der Limomarke „J's“, mit seiner Limonade. Quelle: Carmen Jaspersen/ dpa
Bremen/Hamburg

Eigentlich wäre es nur konsequent gewesen, wenn Jonas Groseker ein neues Craft-Bier oder einen Gin kreiert hätte. Als gelernter Barkeeper kennt der Bremer sich mit alkoholischen Getränken bestens aus. Doch Groseker entschied sich für Limo.

Startete mit Pfirsich-Thymian und will raus aus der Nische: Jonas Groseker, Gründer der Limomarke „J's“. Quelle: Carmen Jaspersen/ dpa

„Ich war damals gelangweilt vom Limonadenmarkt“, sagt der 30-Jährige. Ganz ohne Business-Plan, einfach nur aus Überzeugung legte er los, probierte unzählige Rezepturen, bis „J's Limonade“ fertig war. Eine noch größere Herausforderung wird jedoch sein, sich auf dem Markt zu behaupten. Denn das Geschäft mit Erfrischungsgetränken ist knallhart.

Große Konkurrenz: Nicht alle Unternehmen können sich behaupten

Ein Blick in die Supermarktregale und die Getränkekarten von Cafés und Kneipen zeigt schnell: Bei Limos mischen viele mit. Neben den großen Herstellern wie Coca-Cola und Pepsi verkaufen auch viele Mineralbrunnen und Brauereien süße Brause. Dazu kommt seit einigen Jahren eine unübersichtliche Zahl von kleinen Marken, hinter denen meist Start-ups stehen. Viele von denen sind nur regional, zum Teil sogar nur in einigen Bars, erhältlich - ähnlich wie in der Craft-Bier-Szene.

Bei der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke (Wafg) rufen regelmäßig Jungunternehmer an, um sich Tipps für die Gründung einer neuen Marke zu holen. „Manchmal sind das sehr ernstzunehmende Konzepte“, sagt Hauptgeschäftsführer Detlef Groß. „Die Idee in die Praxis umzusetzen, ist aber gar nicht so einfach.“ Neben der großen Konkurrenz unterschätzten viele die hohen Produktionsanforderungen und Hürden beim Vertrieb. Dementsprechend groß ist die Fluktuation.

Start Ups werfen großen Ketten vor, ihre Rezeptur zu klauen

Auch Unternehmerin Mareike Büscher aus Hamburg beobachtet, dass immer mehr Limonaden auf dem Markt sind –aber auch viele nach einem Jahr wieder verschwinden. Ein eigenes Design, das sich von der Masse abhebt, sei extrem wichtig, sagt die 30-Jährige, die seit 2015 mit zwei Bekannten unter dem Label „Cucumis“ einen neuen Trend setzte: eine zuckerarme Gurken-Limonade.

Die Konkurrenz der Limo-Marken

Wie viele verschiedene Marken und Sorten zurzeit um die Gunst der Limotrinker buhlen, kann der Branchenverband nicht sagen. Der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland lag im vergangenen Jahr bei 75,5 Litern und war damit erneut rückläufig. Das errechnet die Wafg auf Basis der vom Statistischen Bundesamt erfassten Produktionsmenge, der Außenhandelsstatistik und der Bevölkerungszahl. Konkrete Absatzzahlen liegen dem Verband zufolge nicht vor.

In diesem Jahr rechnet die Wafg wegen des Super-Sommers mit einem Absatzplus von rund zwei Prozent. Neben den klassischen Sorten greifen die Deutschen seit einiger Zeit zunehmend zu innovativen und hochpreisigen Limonaden. „Es gibt einen Trend zu Premium-Produkten“, sagt Hauptgeschäftsführer Groß. Wie bei den Craft-Bieren sind die Mengen in Relation zum Gesamtmarkt jedoch nach wie vor gering.

Das Problem: „Wir hatten ganz schnell Nachahmer“, berichtet Büscher. Zu schaffen machten den jungen Unternehmern vor allem große Supermarkt-Ketten wie Rewe und Edeka und große Marken wie Coca-Cola. Sie griffen Trends kleinerer Start Ups auf, klauten deren Ideen und bieten ähnliche Produkte zu günstigeren Preisen an.

Die „Deichlimo“ aus Husum wird seit 2013 in Gaststätten in Schleswig-Holstein verkauft. Quelle: Henning Tadsen/ Deichlimo

„In Schleswig-Holstein ist die Konkurrenz zwischen kleineren Marken noch nicht sonderlich groß“, berichtet Henning Tadsen. Der 32-Jährige vertreibt in nordfriesischen Gaststätten das Nischen-Produkt „Deich-Limo“, neuerdings auch eine Stachelbeer-Schorle. Er setzt auf den regionalen Bezug, nach Hamburg will der Unternehmer nicht.

Ganz anders Jonas Groseker aus Bremen. Er wil andere Städte in Angriff nehmen, Gespräche mit einer großen Supermarktkette laufen bereits. Vor mehr als zwei Jahren brachte er mit Pfirsich-Thymian seine erste Limo auf den Markt, zwei weitere Sorten folgten, eine vierte ist geplant.

Raus aus der Nische: Die Hamburger „Fritz-Cola“ hat es geschafft

Zu den wenigen Marken, die es aus der Nische herausgeschafft haben, gehört „Fritz“ aus Hamburg. „Von Tag Eins an haben wir Gewinn gemacht“, sagt Gründer Mirco Wiegert. Genaue Zahlen zu Verkaufsmengen und Gewinn nennt er aber nicht. 2003 brachten er und sein damaliger Geschäftspartner eine andere Art von Cola heraus - als erste, wie Wiegert betont. Heute gehören mehrere Limosorten und Schorlen zum Sortiment des 200-Mitarbeiter-Unternehmens.

Dass sich dieses so gut entwickelt hat, führt Wiegert darauf zurück, dass „Fritz“ von Anfang an als klassisches Unternehmen geplant war - mit einem konservativen Geschäftsmodell. „Ein Geheimnis unseres Erfolges ist auch, dass wir schon lange dabei sind“, sagt der 43-Jährige. Heute sei die Situation eine ganz andere, wo gefühlt täglich eine neue Cola und etliche Limos dazukommen würden. „Wenn man heute startet, sind die Kühlschränke schon voll.“

Irena Güttel, Saskia Bücker

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