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Norddeutschland Glänzender Reichtum überall: So golden ist der Norden
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10:39 15.06.2017
Lübecks Domvogt Markus Meier vor dem reich vergoldeten Altar der Stecknitzfahrer. Quelle: Fotos: Lutz Roessler, Dpa (1)

„Die meisten Wetterhähne auf den Kirchturmspitzen sind ja vergoldet“, stellt der Kunstschmied und Vergolder Peter Eingrüber aus Groß Disnack (Kreis Herzogtum Lauenburg) fest. Auf der Jakobikirche in Lübeck gibt es gleich zwei Wetterhähne, einen auf dem Kirchturm und einen auf dem Dachreiter, dazu vergoldete Wetterfahnen. Vergoldete Fahnen sitzen auch auf den Ziergiebeln des Lübecker Rathauses und des Holstentores. Über der Schiffergesellschaft leuchtet eine goldene Hansekogge.

Streit in Hamburg um eine vergoldete Wand – Anderswo ist Blattgold normal.

Im Eingangsbereich des Lübecker Doms steht die beeindruckende Figur einer vergoldeten Löwin. „Ein spätgotisches Werk aus dem 15. Jahrhundert“, führt Domvogt Markus Meier aus. Die Altäre in der Kathedrale weisen ebenfalls reiche Vergoldungen auf. So der Einhorn-Altar von 1506, der darstellt, wie ein gejagtes goldenes Einhorn sich in den Schoß der Jungfrau Maria flüchtet.

Im Lübecker St. Annen-Museum glänzen in einem Altar von 1500 die auffallend goldenen Haare der Maria Magdalena. Nach Jahren der Einsiedelei waren ihre Kleider zerfallen, ihren Körper bedeckten nur noch die eigenen Haare, sagt die Legende.

Die „Gemeinnützige“ in Lübeck ist stolz auf ihre vergoldete Welt- oder Himmelskugel, die auf dem Giebel thront. „1891 wurde sie dort angebracht“, weiß Mitarbeiterin Sabina Lammers. Die Kugel aber sei älter und schon auf dem 1826 bezogenen Vorgänger-Haus in der Breiten Straße vorhanden gewesen. „Einer der Gründerväter der 1789 gegründeten Gesellschaft war Ludwig Suhl. Er war Logenmeister der Lübecker ,Loge zur Weltkugel’. Und um die Verbundenheit zwischen Freimaurerloge und Gemeinnütziger zu verdeutlichen, wurde der Gesellschaft die Weltkugel als Symbol gestiftet.“

Leider, so Blattgold-Experte Eingrüber, fehle für die Vergoldungen oft das Geld. So sei der goldene Glanz vom Ratzeburger Dom längst abgeblättert. „Da der Dom bis vor Kurzem zur mecklenburgischen Landeskirche gehörte, war für eine Erneuerung nie Geld da.“ Dies solle sich nun ändern, da der Dom jetzt zum Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg gehört.

Blattgold an sich sei gar nicht übermäßig teuer, erklärt Restauratorin Kerstin Wilkens aus Großensee (Kreis Stormarn). „Ich kaufe es meist in Büchern mit 25 Blättern im Format acht mal acht Zentimeter.“ Der Preis für so ein Buch liege bei rund 38 Euro für 24-karätiges Blattgold. Bei größerem Bedarf gebe es im Handel auch Rollen.

Das Vergolden selbst aber sei eine aufwendige Kunst. Wilkens: „Den Gegenstand, den ich vergolden möchte, bestreiche ich zunächst mit französischem Anlegeöl.“ Habe dieses den richtigen Trocknungsgrad, könne man das Blattgold ankleben. Dazu gebe es Vergolderwerkzeug – ein Messer und ein Lederkissen. „Zum Vergolden benötigt man Feenhaar, das sind Haare vom Schwanz des Eichhörnchens. Daraus wird eine Art Pinsel gemacht, der sogenannte Anschießer.“ Vergolden lasse sich fast alles – Holz, Stein, Papier, Wachs, Plastik. Sie habe schon etliche Bilderrahmen vergoldet, sagt Wilkens, außerdem eine Fischplastik für ein Hamburger Restaurant.

Außer in Kirchen findet sich Blattgold häufig an und in Schlössern, etwa in Eutin. Dort vergoldete der Malerbetrieb Berger 2009 das Zifferblatt der Turmuhr.

 Marcus Stöcklin

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