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Glyphosat: Regierung liegt mit Bauern über Kreuz

Berlin/Kiel Glyphosat: Regierung liegt mit Bauern über Kreuz

Die Landesregierung in Kiel ist gegen die verlängerte Zulassung des Mittels – der Bauernverband klar dafür.

Berlin/Kiel. Der Streit um das Pflanzenschutzmittel Glyphosat entzweit nicht nur die schwarz-rote Bundesregierung in Berlin. Auch die Landesregierung in Kiel liegt mit den Bauern im Norden in dieser Frage über Kreuz. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Umweltminister Barbara Hendricks (beide SPD) haben trotz der jüngsten Entwarnung durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekräftigt, dass sie gegen eine Neuzulassung des Mittels sind, solange eine Krebsgefahr für Menschen nicht ausgeschlossen sei. Genau so sieht das der grüne schleswig-holsteinische Landwirtschaftsminister Robert Habeck. Er sprach sich gegenüber den LN „aus Vorsichtsgründen gegen eine verlängerte Zulassung“ aus. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) plädiert dagegen für die Zulassung des Mittels.

Der schleswig-holsteinische Bauernverbandspräsident Werner Schwarz widersprach Habeck und forderte eine Verlängerung der Glyphosat-Zulassung. Er verlangte eine „sachorientierte Debatte statt einseitiger Meinungsbeeinflussung“ durch eine kleine Gruppe. Glyphosat werde von den norddeutschen Bauern seit Jahrzehnten verantwortungsbewusst eingesetzt. Gerade im Norden sei der Einsatz dieses Mittels in feuchten und sonnenarmen Jahren notwendig, um die natürliche Abreife des Getreides in Backqualität zu unterstützen. Beim Vorernte-Einsatz auf Ackerflächen, etwa zur Unkrautbekämpfung, auf Stoppelfeldern oder beim Grünlandumbruch, habe sich Glyphosat ebenfalls bewährt. Würde hierbei das Mittel nicht eingesetzt, müssten die Landwirte die Äcker mehrfach maschinell bearbeiten, mit entsprechenden Auswirkungen auf den CO2-Ausstoß infolge des höheren Dieselverbrauchs.

Habeck wies auf die „unbestrittenen Gefahren für den weltweiten Artenschutz“ hin, die vom breiten Einsatz des Pestizids ausgingen. Rückstände von Glyphosat und anderen Pflanzenschutzmitteln würden immer wieder in Lebensmitteln und Gewässern gefunden. „Daran sollten wir uns nicht gewöhnen. Pestizidrückstände gehören da einfach nicht hin. Punkt“, verlangte der Grünen-Politiker. Bewegung in die Debatte schien der neue WHO-Bericht zu bringen, wonach ein Krebsrisiko „unwahrscheinlich“ sei. Die EU will morgen über eine Verlängerung der Zulassung von Glyphosat entscheiden. Berlin wird sich enthalten, weil es in der Bundesregierung keine Einmütigkeit gibt.

Von Reinhard Zweigler

Lesen Sie dazu den Kommentar von Autor Reinhard Zweigler

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