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„Gorch Fock“: Der getakelte Stolz der Bundesmarine

Kiel „Gorch Fock“: Der getakelte Stolz der Bundesmarine

Steuerzahlerbund möchte Schulschiff ausmustern – trotz seiner Historie.

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Die „Gorch Fock“ läuft am 9. Dezember 1960 zum ersten Mal in Travemünde ein. Die Schiffsjungen der „Passat“ begrüßen das Segelschulschiff.

Quelle: Hans Kripgans

Kiel. „Die Zeit auf der ,Gorch Fock’ werde ich nie vergessen“, sagt Harald Ebsen. Er erinnert sich gerne an seinen Dienst auf dem stolzen, weißen Schiff. In den 70-er Jahren diente der heute 66-Jährige aus Plön auf der ehrwürdigen Dreimastbark. Doch die „Gorch Fock“ steht in der Kritik: Mehr als 20 Millionen Euro muss der Bund derzeit in die Reparatur stecken. Zu viel, bemängelt der Steuerzahlerbund. Er fordert, das Schiff auszumustern.

LN-Bild

Steuerzahlerbund möchte Schulschiff ausmustern – trotz seiner Historie.

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Die „Gorch Fock“ lief am 23. August 1958 in Hamburg vom Stapel. Zehntausende Schaulustige hatten sich auf dem Gelände von Blohm + Voss versammelt. Unter ihrem Jubel und dem Sirenengeheul der Schiffe im Hafen rauschte die Bark ins Wasser. Namensgeber war der Schriftsteller Johann Kinau – besser bekannt unter seinem Pseudonym Gorch Fock. Er starb 1916 als Marinesoldat in der Schlacht vor dem Skagerrak.

Im August 1959 stach der Segler mit dem stilisierten Albatros als Galionsfigur zur ersten Ausbildungsfahrt in See. Seither hat er Hunderttausende Seemeilen zurückgelegt und alle Weltmeere befahren.

Ab 1963 zierte das Schiff millionenfach die Rückseite des Zehn-Mark-Scheins.

Der getakelte Stolz der Bundesmarine besuchte Lübeck zum ersten Mal am 9. Dezember 1960. Kalter Wind aus Ost-Nord-Ost wehte über die Lübecker Bucht als die „Gorch Fock“ mit vollen Segeln am Horizont auftauchte und in Travemünde ankerte. Zwei Jahre später kam sie zum ersten Mal in den Hansahafen in der Altstadt.

Generationen von Marinesoldaten lernten auf der „Gorch Fock“ das Seemannshandwerk. Einer von ihnen ist Harald Ebsen. 1970 kam er mit 20 Jahren an Bord. Bis 1973 segelte er auf dem Schulschiff, auf dem klassische seemännische Tugenden vermittelt werden sollen. Denn nur so, betont der Berufssoldat in Pension, können angehende Offiziere die Kraft der Naturgewalten kennenlernen.

Von Seefahrerromantik ist an Bord keine Spur: Privatsphäre gibt es kaum, geschlafen wird in Hängematten, die Arbeit ist hart. „Da muss man körperlich schon mächtig ran“, sagt der damalige Ausbilder heute. „Aber ich empfand das nicht als schwer, sondern als Herausforderung.“ Zuletzt war Ebsen selbst Toppsunteroffizier am Vortopp, dem vordersten der drei Masten. Er hat eine Höhe von 45 Metern.

Für Reparaturen musste Ebsen jedes Mal rauf in den Mast. Aufentern heißt das im Seemannsdeutsch.

Doch die „Gorch Fock“ ist in ihrem Selbstverständnis mehr als eine Kaderschmiede der Marine. Sie sieht sich zugleich als Deutschlands schwimmende Botschafterin. Ebsen selbst lag in seiner Zeit vor Spanien, Portugal, England, Irland und Spanien. Einmal auch vor Afrika, vor der senegalesischen Küste.

50 Jahre lang war der Segler das Aushängeschild der Marine. Doch dann häuften sich die Unfälle. Erst ertrank 2008 die 18-jährige Kadettin Jenny Böken in der Nordsee. Im November 2010 stürzte die 25-jährige Kadettin Sarah Lena Seele während einer Ausbildungsfahrt aus der Takelage in den Tod. Der Unfall löste heftige Diskussionen über die Bedingungen an Bord aus. Schließlich wurden die Ausbildungsfahrten gar für zwei Jahre ausgesetzt.

Seit vier Jahren umsegelt das elegante Schiff, eines der Markenzeichen des Landes, wieder die Welt. Doch die negativen Schlagzeilen reißen nicht ab. Jetzt sind es die hohen Reparaturkosten. Die „Gorch Fock“ soll nach 58 Jahren ausgemustert werden, fordert der Steuerzahlerbund. Ein Neubau soll her. Undenkbar für Harald Ebsen: „Sie muss unbedingt erhalten bleiben. Ich erfreue mich jedes Mal an ihrer Schönheit.“

Das Schiff in Zahlen

23 Segel mit einer Gesamtfläche von rund 2000 Quadratmetern hat die Dreimastbark der Bundesmarine. Sie ist 89,32 Meter lang, 12 Meter breit und hat einen Tiefgang von 5,5 Metern. Fock- und Großmast sind 45 Meter hoch, der Besanmast 40 Meter. 2003 verlor das Schiff seine hölzerne Galionsfigur, einen Albatros, in einem Sturm. Sie wurde durch eine aus Plastik ersetzt. Kommandant ist seit Juni 2014 Nils Brandt.

Jan Dresing

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