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Norddeutschland „Gorch Fock“ vor dem Aus?
Nachrichten Norddeutschland „Gorch Fock“ vor dem Aus?
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00:52 25.01.2017
Die „Gorch Fock“ liegt seit inzwischen einem Jahr in der Werft. Quelle: dpa
Kiel

Schicksalstage für das Segelschulschiff „Gorch Fock“: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wird in den nächsten Tagen über die Zukunft des letzten Ausbildungsschiffs der Marine entscheiden. Entweder wird das Schiff trotz ständig steigender Sanierungskosten ein weiteres Mal repariert oder zugunsten eines Neubaus außer Dienst genommen. „Wir müssen die Entscheidung der Ministerin abwarten, welche Alternative greift“, sagte Kapitän zur See Johannes Dumrese, Sprecher des Marinekommandos in Rostock. Die „Gorch Fock“ liegt seit inzwischen einem Jahr in der Werft. Weil die Sanierung des 60 Jahre alten Schiffes immer teurer wird, wachsen die Spekulationen, dass von der Leyen einen Schlussstrich ziehen könne. In Marinekreisen wird aber weiterhin davon ausgegangen, dass an dem Schiff vorerst festgehalten wird.

Nachdem vor einem Jahr noch von Instandsetzungskosten in Höhe von knapp zehn Millionen Euro ausgegangen worden war, kursieren in Kreisen des Verteidigungsministerium inzwischen Summen von bis zu 30 Millionen Euro. Laut „Kieler Nachrichten“ sind die Kosten zuletzt weiter in die Höhe getrieben worden, weil die Konstruktionspläne für die Masten und die Takelage des knapp 60 Jahre alten Schiffs bei der eigentlichen Bauwerft verschwunden sind. Vor der Auftragsvergabe für den Bau der drei neuen Masten mussten die Pläne neu gezeichnet werden. Das kostete zusätzlich Zeit und auch mehr Geld, heißt es in Werftkreisen. Außerdem müssen Teile des Decks erneuert werden. Diese Arbeiten wurden aber bereits im Sommer und Herbst vorigen Jahres an die Elsflether Schiffswerft vergeben.

Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr in Koblenz und das Verteidigungsministerium waren zu keiner Stellungnahme bereit. Eine klare Position für die „Gorch Fock“ bezog der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels (SPD). „Das Schiff ist ein maritimer Botschafter der Bundesrepublik und ein Wahrzeichen für die Marine“, so Bartels. Er sprach sich für die Fortsetzung der Arbeiten aus.

Die Arbeiten an dem 1958 in Hamburg bei Blohm + Voss gebauten Schiff ruhen seit Oktober. Die Besatzung der „Gorch Fock“ bewacht derzeit das eingerüstete Schiff im Dock der Bremerhavener Bredo-Werft. Mittelfristig sieht aber auch Bartels den Bedarf für ein neues Schiff.

 Frank Behling

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