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Gratis-Bus: Nur eine Seifenblase?

Kiel Gratis-Bus: Nur eine Seifenblase?

Die Luft in den Städten soll besser werden. Auf Druck der EU will die Bundesregierung dazu Gratis-Nahverkehrsangebote fördern. Das geht aus einem Brief von SPD-Umweltministerin Barbara Hendricks, CSU-Verkehrsminister Christian Schmidt und CDU-Kanzleramtschef Peter Altmaier hervor. Im Norden gibt es jede Menge Skepsis, aber auch viele Ideen.

Berlin/Kiel. Von einer „fantastischen Idee“ spricht Segebergs SPD-Bürgermeister Dieter Schönfeld. „Selbst wenn der Bund nur die Hälfte der ÖPNV-Kosten oder die Defizite übernähme, würde uns das in die Lage versetzen, eine seit langem gewünschte dritte Stadtbus-Linie einzurichten.“ Ostholsteins CDU- Landrat Reinhard Sager hingegen, zugleich Präsident des Deutschen Landkreistages, glaubt nicht, dass dafür Geld aus Berlin fließt. „Schon jetzt gibt es im Koalitionsvertrag Vorhaben, die nicht gegenfinanziert sind. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Bund das zahlt“, sagt Sager. Deshalb werde das kostenlose Busfahren niemals das Licht der realen Welt erblicken. Das alles sei „nicht viel mehr als eine große Seifenblase“.

14,5 Millionen Euro gebe allein der Kreis Ostholstein pro Jahr für den Nahverkehr aus, sagt Sager. In Stormarn seien es sogar 40 bis 60 Millionen, sagt der Glinder CDU- Landtagsabgeordnete Lukas Kilian. Den Ausfall der Fahrschein-Einnahmen zahle am Ende dann auch noch der Steuerzahler, „und zwar auch der auf dem Land, der von dem Service nicht viel hat“. Daher sei die Idee zwar sehr charmant, aber noch Zukunftsmusik.

„Grundsätzlich ist das ein hochinteressanter Gedanke“, sagt Stormarns CDU-Landrat Henning Görtz. In Lübeck ist es hingegen der SPD-Aufsichtsratschef des Stadtverkehrs, Ulrich Pluschkell, der den Vorstoß als „blinden Aktionismus“ verdammt. Er sei schlicht nicht finanzierbar. In Lübeck, wo pro Jahr 27 Millionen Fahrgäste befördert würden, würde der Verzicht auf Fahrgeld zu Einnahmeausfällen von 40 Millionen Euro führen. Allerdings will auch die Lübecker SPD über kostenlosen Busverkehr für Schüler, Studenten und Azubis diskutieren und über einen umlagefinanzierten ÖPNV. Für den hatten sich vor Jahresfrist auch die Landes-Grünen stark gemacht und ein „Bürgerticket“ ins Spiel gebracht, für das jeder verdienende Einwohner 99 Euro pro Jahr zahlen solle. Lübecks Grüne sind ohnehin für einen kostenlosen Busverkehr. „Das ist ein starker Ansatz“, sagt Kreischef Thorsten Fürter – und es wäre ein Anreiz, das eigene Auto ganz abzuschaffen.

LN

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