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Grippeimpfung im Norden kann starten

Kiel Grippeimpfung im Norden kann starten

AOK verspricht: In diesem Jahr gibt es kein Impf-Chaos wie 2012. Ärzteverband erleichtert, „aber Bedenken bleiben“.

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Ein Piekser beim Arzt bietet Impfschutz vor der Grippe.

Quelle: Foto: dpa

Kiel. Es war ein Experiment, das mächtig in die Hose ging: Im vergangenen Jahr schlossen die Krankenkassen den Vertrag über Grippe-Impfstoff nur mit einem einzigen Hersteller ab — und der konnte wochenlang nicht liefern. Jetzt soll alles besser werden. Die flächendeckende Schutzimpfung könne rechtzeitig zum Start der Grippesaison im Oktober beginnen, versprachen die gesetzlichen Kassen gestern. Für die Ärzteschaft gibt es dabei einen Haken: Wiederum wurde ein Exklusivvertrag mit nur einem Hersteller abgeschlossen.

In diesem Jahr handelt es sich um Sanofi Pasteur MSD aus dem baden-württembergischen Leimen. Das Unternehmen hat die europaweite Ausschreibung gewonnen. Es versorgt auch die Bundesländer Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Der voraussichtliche Lieferumfang beträgt drei Millionen Impfdosen.

Der vorbestellte Impfstoff werde seit einigen Tagen an die Apotheken ausgeliefert, teilte Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender der AOK Nordwest mit. Mit einem Impf-Chaos sei in diesem Jahr nicht zu rechnen. Die AOK ist für alle Kassen federführend bei der Bestellung des Grippeserums.

Für die vergangene Grippesaison war der Impfstoff erstmals ausgeschrieben worden. Die Kassen konnten sich mit diesem Verfahren den günstigsten Anbieter aussuchen. Die Firma Novartis bekam den Zuschlag — und hatte Lieferprobleme. Noch Anfang Dezember war Schleswig-Holstein nicht flächendeckend mit Grippe-Impfstoff versorgt. Ärzte standen auf den Barrikaden, weil sie ihre Patienten nicht impfen konnten. Schätzungen des Apothekerverbands zufolge wurden wegen des Lieferengpasses im Norden 150 000 Menschen weniger geimpft als in der Vorsaison. Üblicherweise erhalten Ärzte den Impfstoff im September. Der Exklusivvertrag mit dem Hersteller wurde schließlich außer Kraft gesetzt.

Der Hausärzteverband und die Ärztegenossenschaft Schleswig- Holstein hatten es bereits Anfang dieses Jahres als Skandal gewertet, dass der Impfstoff für die Saison 2013/14 trotz der negativen Erfahrungen erneut ausgeschrieben wurde. Die Kassenärztliche Vereinigung (KVSH) dagegen reagierte gestern erleichtert auf die Nachricht der Kassen. Man nehme zur Kenntnis, dass es in diesem Jahr offenbar keine Lieferschwierigkeiten mit dem exklusiven Vertragspartner gebe. Ärzten und Patienten bleibe das Desaster des Vorjahres erspart. Die grundsätzlichen Bedenken gegen eine Ausschreibung von Grippeimpfstoffen aber blieben, sagte KVSH-Sprecher Marco Dethlefsen. Ein kurzfristiges Ausweichen auf die Produkte anderer Hersteller sei im Krisenfall — etwa bei Produktionsausfall — weiterhin kaum möglich. Das gelte genauso für eine Nachproduktion von Impfstoff, die einen längeren zeitlichen Vorlauf benötigt. Ein kurzfristiges Ausweichen auf andere Hersteller sei ebenfalls nicht realisierbar.

„Wir haben bereits in der vergangenen Impfsaison bewiesen, dass wir ein zuverlässiger Partner für die gesetzlichen Krankenkassen sind“, unterstrich Giuseppe Pinto, Vertriebsdirektor bei Sanofi, gestern die eigene Reputation. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern Ärzte und Apotheker in Westfalen-Lippe versorgt. ctö

Impfung für Risikogruppen empfohlen
Die ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut empfiehlt eine Impfung gegen die Virusgrippe vor allem für chronisch Kranke, Personen ab dem 60. Lebensjahr und Schwangere. Als bester Zeitraum, sich impfen zu lassen, gilt die Zeit von Anfang Oktober bis Ende November. Die eigentliche Grippewelle tritt in Deutschland meistens zwischen Anfang Januar und Ende März auf. Die Grippeschutzimpfung ist für gesetzlich Versicherte kostenlos.


Infektionen wie die Grippe führten offenbar dazu, dass das Blut stärker gerinnt, teilte die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe mit. Insbesondere Senioren könnten sich deshalb vor Schlaganfällen schützen, wenn sie sich gegen die Grippe impfen lassen.

LN

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