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Norddeutschland Grippewelle auf Höhepunkt: 14 Tote in Schleswig-Holstein
Nachrichten Norddeutschland Grippewelle auf Höhepunkt: 14 Tote in Schleswig-Holstein
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19:49 09.03.2018
Der Umfang der Grippewelle hat selbst den des schlimmen Jahres 2009 übertroffen. Quelle: dpa
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Kiel/Lübeck

Der Umfang der Grippewelle sei ganz erstaunlich gewesen und habe selbst den des schlimmen Jahres 2009 übertroffen, sagt Fickenscher, Virologe und Leiter der Meldestelle des Landes für Infektionskrankheiten in Kiel. Sie habe früher begonnen, und es habe viel mehr Fälle gegeben als in den Vorjahren. Auch viele Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte seien krank geworden, was das Gesundheitssystem sehr belastet habe. „Der gewaltige wöchentliche Zuwachs an Neuerkrankungen ist jetzt aber eingeschlafen.“ Das sei ein Zeichen dafür, dass die Krankheitswelle auslaufe.

Stormarn, Segeberg und Ostholstein besonders betroffen

Besonders heftig hatte es zuletzt die Kreise Stormarn, Segeberg und Ostholstein erwischt. Vor allem jüngere Erwachsene waren diesmal betroffen. Im Kreis Segeberg etwa wurden seit Januar 629 Grippefälle gemeldet. Landesweit waren es 4400. Tatsächlich dürfte die Zahl der Erkrankten bei rund 280 000 gelegen haben. „Wir gehen davon aus, dass eine Grippewelle immer mindestens zehn Prozent der Bevölkerung trifft“, sagt Helmut Fickenscher. Auch die Zahl der Todesfälle könnte daher noch höher sein. Eine Laboruntersuchung mit einem tatsächlichen Nachweis der Influenza-Erreger werde oft nur bei schwer Erkrankten veranlasst, vor allem bei Kindern und Senioren.

Experten empfehlen mehr Impfungen - aber nicht mehr in diesem Jahr

Bei den meisten anderen Patienten reichten ein paar Tage Bettruhe zur Heilung aus. Was man aus den Laboruntersuchungen aber weiß: 90 Prozent der Krankheitsfälle wurden vom Influenza-B-Virus der Yamagata-Linie ausgelöst. Und gegen dieses Virus half die Dreifach-Grippeschutzimpfung nicht, die impfwilligen Kassenpatienten verabreicht worden war. Es habe dann viel zu lange gedauert, bis der gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen reagiert habe, sagt Fickenscher. Man hätte sofort auf den Vierfach-Impfstoff umschwenken müssen. „Die Entscheidungswege sind zu langsam“, urteilt der Virologe. Das müsse sich dringend ändern. „Es sollte eine ärztliche Entscheidung sein, für wen welcher Impfstoff geeignet ist, und einer entsprechenden Impfung sollten keine Abrechnungshindernisse im Wege stehen“, fordert auch Kiels FDP-Gesundheitsminister Heiner Garg. Außerdem sollten sich generell mehr Menschen impfen lassen.

Dazu ruft auch Fickenscher auf – allerdings erst für die nächste Grippesaison im kommenden Winter. Für dieses Jahr sei es zu spät, weil sich der Impfschutz erst nach zwei oder drei Wochen voll entfalte. Wer sich schützen will, sollte Menschenansammlungen aus dem Weg gehen, das Händeschütteln vermeiden, keine Handläufe oder Türklinken anfassen – und sich häufig die Hände waschen, ganz gründlich mit warmem Wasser und Seife.

Von Wolfram Hammer 

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