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Norddeutschland Grömitzerin entwickelt rollstuhlgerechten Strandkorb
Nachrichten Norddeutschland Grömitzerin entwickelt rollstuhlgerechten Strandkorb
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15:22 28.06.2016
Urlauberin Anja Lindemann (l.) aus Berlin ist begeistert von dem rollstuhlgerechten Strandkorb von Martina Hintz. Quelle: Detlef Dreessen

Sommer, Sonne, Strandkorb: Dieses Trio gehört für Besucher norddeutscher Küsten untrennbar zusammen. Doch wer mit dem Rollstuhl unterwegs ist, hat große Schwierigkeiten, das Strandmobiliar zu nutzen. Umso glücklicher war Anja Lindemann (55) aus Berlin, als sie nun in Grömitz die Bekanntschaft mit Martina Hintz machte. Die Inhaberin der „Strandkorbvermietung Seepferdchen“ nahe der Seebrücke hat einen rollstuhlgerechten Korb entwickelt.

Das Prinzip ist so einfach, dass man sich fragt, warum es so etwas nicht schon lange gibt: Basis des Korbs ist der Rohling eines dreisitzigen Modells einer Firma aus Heiligenhafen. Zur Hälfte wurde die Bank abmontiert. Eine Bodenplatte ist so konstruiert, dass sie dem Rollstuhl Halt gibt und der Strandkorb mit wenig Kraft je nach Windrichtung und Sonnenstand gedreht werden kann. „Wir brauchen kein Mitleid, sondern solche Ideen“, lobte Anja Lindemann. Der Wunsch, das Leben zu genießen, löse sich ja nicht in Luft auf, wenn man nicht mehr so gut zu Fuß ist, sagt die MS-kranke Rollstuhlfahrerin.

Marc Euler von der Pressestelle der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (Tash) bestätigt das. Der Tourismusbetrieb müsse sich schon auf die Interessen behinderter Besucher vermehrt einstellen. Und das nicht nur, weil Inklusion politisch gewollt sei. Zahlen, wie viele Besucher mit Rollstuhl kommen, gebe es „wegen des Datenschutzes“ noch nicht. „Aber schon aufgrund der alternden Bevölkerung wird der Anteil von Touristen mit Behinderungen immer größer – und sie informieren sich im Internet, wo ihnen was geboten wird.“

Und das wird an der Ostsee ernst genommen. Die Strandzugänge im Scharbeutzer und Neustädter Raum etwa bieten einen langen barrierefreien Zugang mit Holzpaletten, damit Rollstuhlfahrer und Rollator-Nutzer an den Strand kommen können. Behindertengerechte Schwimmrollstühle könnten an der Lübecker Bucht von Scharbeutz bis Neustadt/Pelzerhaken über die DLRG-Stationen oder die Strandkorbvermieter angefordert werden. Sie wären auch etwas für Anja Lindemann: „Ich würde auch gerne einmal die Füße ins Wasser stecken.“ Erst einmal aber freut sich die lebensfrohe Berlinerin über den Strandkorb. Davon will Martina Hintz mehr aufstellen. Beim Bundespatentamt hat sie sich die Rechte gesichert: „Vor allem, damit nicht jemand anderes auf die Idee kommt und ich dann bei dem die Strandkörbe teuer kaufen müsste“, sagt sie.

Detlef Dreessen

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