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Norddeutschland Große Liebe zu roten alten Autos
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20:12 17.09.2016
Michael Pries (53) zeigt ein Feuerwehrfahrzeug Baujahr 1978. Der Wagen ist noch heute als Reservefahrzeug im Stadtverbund Kiel im Einsatz. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen

Liebevoll poliert Ingo Schmidtendorf das rote Metall rund um den silbernen Stern. Das Feuerwehrfahrzeug mit Namen „Treu“ ist seit 2009 Kulturdenkmal des Landes Schleswig-Holstein. Der Mercedes, Baujahr 1943, war noch bis in die 80er Jahre in der Gemeinde Osdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) im Einsatz. Gestern kam er beim Landes-Feuerwehr-Oldtimertreffen in Eutin groß raus. Insgesamt 52 historische Fahrzeuge aus ganz Schleswig-Holstein wurden auf dem Gelände der Landesgartenschau präsentiert, darunter über 100 Jahre alte Handdruckspritzen.

Beim Landes-Feuerwehr-Oldtimertreffen in Eutin waren 52 historische Fahrzeuge zu sehen.

Ein Exemplar ist seit 1909 im Besitz der Feuerwehr Fissau-Sibbersdorf (Kreis Ostholstein). Das Kutschen-ähnliche Gefährt mit großen Holzrädern wurde früher von Pferden oder einem Traktor gezogen;

eine Glocke, die von Hand geschlagen werden musste, gab damals das Signal für den Einsatz. „Es dauerte über eine Stunde, bis man vor Ort war und die Wasserversorgung aufgebaut hatte“, erzählt Löschmeister Udo Bahr (54). Mittels einer Stange wurde Wasser gepumpt. „Lange hält man das nicht durch“, berichtet sein Kollege Andreas Kock (54) aus eigener Erfahrung. Gemeinsam habe man das mal probiert. „Nach einigen Minuten ist man dann echt platt.“

Dass die Arbeit anstrengend ist, erfahren auch Collin (8) und Jason Kahns (11). Die Brüder dürfen ein älteres Modell einer Kübelspritze für den Wohnungsbrand der Kollegen aus Bliestorf (Kreis Herzogtum Lauenburg) ausprobieren. Bevor Wasser kommt, heißt es: pumpen. Dabei zeigt Collin vollen Einsatz – und bekommt erstmal selbst eine Ladung Wasser ins Gesicht.

2400 Liter Wasser hat das Tanklöschfahrzeug aus Niendorf immer dabei, erklärt Heinrich Dede. Der 81-Jährige kann auf 60 Jahre bei der Feuerwehr zurückblicken. „Wir haben damals große Feuer gehabt“, erinnert er sich. So seien er und das Auto auch beim Brand in der Heide 1975 dabeigewesen. Auch an ein Feuer im Kinderheim in Niendorf 1971 erinnert er sich. Die Höchstgeschwindigkeit des Wagens liegt bei 78 Kilometer pro Stunde. In hölzernen Schubladen lagern noch heute alte Atemschutzmasken und weitere Ausrüstung. Auch die 8,5 Meter lange Leiter auf dem Dach ist aus Holz.

So viel Altes will gepflegt werden. Einmal im Monat treffen sich Dieter Süverkrüp (72), Hans-Jürgen Bauer (67), Georg Kuhl (66), Heinz Schöttle (76) und Klaus Schulze-Grotkopp (71) zum Arbeitsdienst.

Da gilt es, Rost zu entfernen und Lack auszubessern. Nach der aktiven Dienstzeit haben sie sich nun zur Gruppe der Oldtimerfreunde Neudorf (Kreis Rendsburg- Eckernförde) zusammengeschlossen, um den roten Einsatzwagen aus dem Jahr 1957 zu erhalten.

Gehegt wird auch das 74 Jahre alte Feuerwehrfahrzeug aus Ahrensbök (Kreis Ostholstein). Um in den Kühltank zu schauen, holt Manfred Koop eine alte Taschenlampe der Firma Daimon heraus. „Die ist noch original aus dem Fahrzeug“, sagt der 60-Jährige. Er ist auch stolz auf das alte Kennzeichen EUT-214. „Davon gibt es höchstens noch sieben“, sagt er.

Gleich nebenan sitzen die Geschwister Micha (5) und Noemi (8) begeistert hoch oben hinter dem Lenkrad eines Löschtankwagens aus Kiel. „Er läuft noch als Reservefahrzeug im Stadtverbund Kiel“, sagt Michael Pries (53) über den Mercedes aus dem Jahr 1978. „Die Autos waren für uns ein Anlass, hierherzukommen“, so Mutter Friederike Joppich (38) aus Eutin.

Zufrieden zeigt sich auch der Landesfeuerwehrverband. „Das ist gute Werbung für das Ehrenamt Feuerwehr“, sagt Sprecher Holger Bauer. Bis zum nächsten Treffen sollen nicht wieder 15 Jahre vergehen.

Werbung im Großformat

Der Landesfeuerwehrverband hat eine Werbekampagne gestartet. 350 leuchtend rote Plakate werden geklebt. Der Slogan: „Wenn Feuer wär’ und es gäb keine Feuerwehr – was meinst du was für Feuer wär“. Das solle deutlich machen, dass Feuerwehr eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei, so der stellvertretende Landesverbandsvorsitzende Michael Raddatz bei der Präsentation des Plakats in Kiel.

In Schleswig-Holstein gibt es 1350 Freiwillige Feuerwehren mit knapp 50000 Frauen und Männern.

Julia Paulat

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