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Norddeutschland Grünbrücke Kiebitzholm hat Bewunderer in aller Welt
Nachrichten Norddeutschland Grünbrücke Kiebitzholm hat Bewunderer in aller Welt
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23:10 20.06.2013
Negernbötel

Erst gescholten, jetzt bewundert: Die Grünbrücke Kiebitzholm über die A 21 bei Negernbötel (Kreis Segeberg) hat Vorbildcharakter. Experten aus ganz Europa interessieren sich für die ökologische Hinterlandanbindung der Autobahnquerung für Tiere. Sogar Japaner und Amerikaner waren schon da.

„Wir sind das europaweit erste Beispiel für eine Grünbrücke, die Anbindungsachsen für die verschiedenen Arten anbietet“, erklärt Heinrich Reck vom Institut für Natur- und Ressourcenschutz der Uni Kiel. Der Wissenschaftler leitet das Projekt „Holsteiner Lebensraumkorridore“, das sich bemüht, durch die Autobahn zerschnittene Lebensräume wieder miteinander zu vernetzen. Mit Erfolg: Selbst wenig mobile, seltene Arten wie Haselmaus, Kreuzkröte und Warzenbeißer (eine Heuschreckenart) haben sich inzwischen wieder bis zur Grünbrücke ausgebreitet. Insgesamt wurden etwa 25 Heuschrecken-Arten gezählt, acht von ihnen gelten als besonders schutzbedürftig, erklärt Reck. Heuschrecken gelten — ebenso wie Tagfalter und Laufkäfer — als Indikatoren für die bunte Vielfalt der Insekten. Kleintiere seien auf Mobilität angewiesen. „Wenn die nicht mehr stattfindet, sterben sie aus“, so Reck.

„Dank der Naturschutzmaßnahmen haben nun durch die A 21 bisher getrennt lebende Tiere und Pflanzen das direkte Umfeld erreicht und sich die Lebensräume jenseits der Barriere erschlossen“, bilanzierte gestern die Stiftung Naturschutz. Dazu wurde in den vergangenen drei Jahren ein 17 Hektar großes Naturwaldband eingerichtet, Tümpel wurden ebenso angelegt sowie offene Bodenstellen für Eidechsen.

Denn im Gegensatz zu größeren Tieren wie Rehen, Wildschweinen und Hasen, die die Grünbrücke schnell entdeckt und genutzt haben, brauchen kleine Tiere Unterstützung, sogenannte Lebensrauminseln, die ihnen den Weg über die Autobahnbrücke weisen. „Solch eine spezielle Umfeldgestaltung ist so professionell und detailliert noch nicht gemacht worden“, meint Reck. Daher seien die „Holsteiner Lebensraumkorridore“ zum Vorbild für Wiedervernetzungspläne in ganz Europa, den USA und auch Japan geworden.

Das Projekt ist vom Bundesamt für Naturschutz gefördert worden. Ziel sei es, eine Art Handlungsleitfaden zu entwickeln, wie Grünbrücken erfolgreich eingesetzt werden können, erklärt Thomas Voigt, Sprecher der Stiftung Naturschutz. Die Ergebnisse sollen auf ganz Deutschland übertragbar sein.

Schleswig-Holsteins erste Grünbrücke, die 2005 fertiggestellt wurde, war zunächst kritisiert worden. Sie ist drei Mal so breit wie eine normale Brücke und kostete 2,5 Millionen Euro. Reck: „Wenn man so viel Geld für eine Grünbrücke ausgibt, soll sie auch maximal wirksam sein. Daran arbeiten wir.“ Nach der ersten Projektphase hoffen die Beteiligten nun auf Verlängerung.

Im nördlichsten Bundesland gibt es inzwischen drei Grünbrücken: an der A 21 bei Negernbötel, an der A 20 nahe Strukdorf sowie an der A 24 bei Gudow. Eine neue Autobahnquerung wird derzeit im weiteren Verlauf der A 21 Richtung Kiel gebaut. Dort soll eine Unterführung entstehen, durch die das Wild unter der Autobahn hindurchgeführt wird. Weitere vier Grünbrücken über die A 7 und die A 20 sind in Planung. Julia Paulat

LN

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