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Norddeutschland Gruppen-Vergewaltigung wird neu aufgerollt
Nachrichten Norddeutschland Gruppen-Vergewaltigung wird neu aufgerollt
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07:44 11.01.2018
Die Öffentlichkeit wurde kurz nach dem Beginn des Prozesses ausgeschlossen. Quelle: Foto: Charisius/dpa
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Hamburg

 Sie muss sich erbrechen und liegt völlig wehrlos auf einer Couch. Drei Jugendliche im Alter von 14 und 16 Jahren quälen sie nun sexuell. Die Jugendlichen filmen das Geschehen mit ihren Smartphones, ebenso wie eine 15-Jährige, die dabei den Tätern Regieanweisungen gibt.

Als das Mädchen zu schreien beginnt, schleifen die Peiniger sie am frühen Morgen nach draußen und legen sie kaum bekleidet bei eisiger Temperatur in einem Hinterhof ab. Ein Nachbar hört die Schreie und ruft die Polizei. Das Mädchen wird wegen Unterkühlung und des erheblichen Alkoholkonsums auf eine Intensivstation gebracht. Bis zu den dramatischen Ereignissen lebte es in einer Einrichtung unter Aufsicht des Jugendamtes in Hamburg-Wandsbek.

Die Tat vom 11. Februar 2016 schockiert viele Hamburger. Die Polizei nimmt zunächst drei der Täter fest. Zwei von ihnen flüchten aus einer Jugendeinrichtung und müssen erneut gefasst werden. Nach den beiden übrigen Tätern fahndet die Polizei öffentlich. Schließlich stellt sich der damals 21-Jährige, einen 16-Jährigen können die Beamten aufspüren.

Am 20. Oktober 2016 verurteilt das Landgericht die vier Jugendlichen zu Haftstrafen von ein bis zwei Jahren auf Bewährung. Sie hätten die Taten gestanden und Reue bekundet, erklärt der Vorsitzende Richter. Der 21-Jährige, der den Missbrauch des Mädchens als einvernehmlichen Sex dargestellt hat, erhält eine härtere Strafe: vier Jahre Gefängnis. Freunde und Verwandte der Angeklagten begrüßen die Bewährungsstrafen im Gerichtssaal mit Jubel. Auch diesmal gab es für die Angeklagten wieder Unterstützung aus dem Familien- und Freundeskreis.

Im Internet hatten nach dem ersten Prozess Zehntausende in einer Online-Petition gegen die Urteile protestiert. Staatsanwaltschaft und drei der Angeklagten legen Revision ein. Im Juli 2017 hebt der Bundesgerichtshof in Leipzig die Urteile teilweise auf, bestätigt jedoch die Feststellungen des Hamburger Landgerichts zum Tatgeschehen. Nun hat gestern ein neuer Prozess begonnen, vor einer anderen Großen Strafkammer am Landgericht. An den insgesamt sechs Verhandlungstagen soll es um eine rechtliche Neubewertung des Geschehens gehen.

Der Bundesgerichtshof hat das Landgericht unter anderem aufgefordert, auch den Straftatbestand der Aussetzung zu prüfen. Das ist der Fall, wenn jemand eine Person in eine hilflose Lage und Lebensgefahr bringt. Sollte die Strafkammer das nun bejahen, könnten sich die Strafen verschärfen. Vom Verlauf des neuen Prozesses wird die Öffentlichkeit nur wenig mitbekommen, denn die Jugendkammer schloss gleich nach der Personalienfeststellung der Angeklagten Zuschauer und Pressevertreter von der Verhandlung aus. Möglicherweise wird auch das Urteil zumindest in Teilen unter Ausschluss der Öffentlichkeit verkündet.

LN

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