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Norddeutschland Günter Grass - ein Jahr nach seinem Tod präsent wie eh und je
Nachrichten Norddeutschland Günter Grass - ein Jahr nach seinem Tod präsent wie eh und je
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12:09 08.04.2016
Schriftsteller Günter Grass raucht am 10.03.2010 im Günter-Grass-Haus in Lübeck seine Pfeife. Ein Jahr nach seinem Tod sind die Arbeiten des  Literaturnnobelpreisträgers gefragter denn je. Die Nachfrage nach seinen Büchern ist sprunghaft angestiegen, auch das Günter-Grass-Haus in Lübeck kann sich vor Anfragen kaum retten. Quelle: Maurizio Gambarini/dpa
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Lübeck

Die mahnende Stimme von Günter Grass ist verstummt. Doch ein Jahr nach seinem Tod sind die Arbeiten des Literaturnobelpreisträgers gefragter denn je. Die Nachfrage nach seinen Büchern ist sprunghaft angestiegen, auch das Günter-Grass-Haus in Lübeck kann sich vor Anfragen kaum retten. Zum ersten Todestag des Schriftstellers und bildenden Künstlers am 13. April ruft das Grass-Haus eine neue Veranstaltungsreihe ins Leben. „In der langen Nacht für Günter Grass werden jedes Jahr an seinem Todestag Freunde und Weggefährten über die unterschiedlichen Facetten seines Werkes und seiner Person sprechen“, sagt der Leiter des Hauses, Jörg-Philipp Thomsa. 

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Der schwedische König Carl XVI. Gustaf (r) überreicht am 10. Dezember 1999 bei einer feierlichen Zeremonie im Konzerthaus in Stockholm den Nobelpreis für Literatur an den deutschen Schriftsteller Günter Grass.

Zum Auftakt der Reihe am ersten Todestag werden unter anderem erwartet der Kritiker Hanjo Kesting, der Autor Christof Siemes („Das Wunder von Bern“), die Theaterverlegerin Maria Sommer und Benjamin Lebert, Stammgast des von Grass gegründeten Lübecker Autorentreffens. Grass war am 13. April 2015 im Alter von 87 Jahren in einem Krankenhaus in Lübeck gestorben. 

Im Günter-Grass-Haus ist der Literaturnobelpreisträger präsent wie eh und je. Seit Ende März ist dort eine Ausstellung mit Arbeiten aus seinen Lehrjahren an der Düsseldorfer Kunstakademie zu sehen. „Seit seinem Tod ist das Grass-Haus verstärkt zum Erinnerungsort geworden, gerade für Besucher aus dem Ausland“, sagt Thomsa. 

Der 1927 in Danzig geborene Schriftsteller, der nach 1945 zunächst Bildhauerei und Grafik in Düsseldorf studierte, verfasste Romane, Erzählungen, Gedichte und Theaterstücke. Zu den bekanntesten Werken gehören sein Debütroman „Die Blechtrommel“, „Das Treffen in Telgte“, „Die Rättin“, „Der Butt“, die Novelle „Im Krebsgang“ sowie sein autobiografisches Buch „Beim Häuten der Zwiebel“, in dem er unter anderem seine Zugehörigkeit zur Waffen-SS offenbarte. Für viel Wirbel sorgte auch sein Gedicht „Was gesagt werden muss“, in dem er die Atompolitik der israelischen Regierung kritisiert, was ihm den Vorwurf des Antisemitismus eintrug. 1999 war Grass mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet worden. 

Das verstärkte Interesse an den Werken von Günter Grass spürt auch sein Hausverlag Steidl in Göttingen. „So zynisch es ist, aber immer, wenn ein großer Autor stirbt, steigt die Nachfrage nach seinen Büchern, auch im Ausland“, sagt Verleger Gerhard Steidl. Das sei auch bei Grass nicht anders. Die weltweite Auflage von Grass' Büchern liegt nach Angaben des Verlages aktuell bei etwa 40 Millionen Exemplaren. Die Zahl dürfte noch steigen, denn  Grass habe seinen Lesern noch einiges hinterlassen, sagt Steidl.   So ist kurz vor dem ersten Todestag des Schriftstellers die „Trilogie der Erinnerung„“ erschienen, die seine drei autobiografischen Romane „Beim Häuten der Zwiebel“, „Die Box“ und „Grimms Wörter“ in einem Band zusammenfasst. „Diese Trilogie hat Grass noch selbst konzipiert“, sagt Steidl. Ebenfalls noch unter Mitwirkung von Günter Grass hat der Jazz-Musiker Günter „Baby“ Sommer „Grimms Wörter“ vertont. Am 17. April hat das Stück im Theater Lübeck Premiere. 

Wann die bislang unveröffentlichten Tagebücher erscheinen werden, die Grass hinterlassen hat, steht dagegen noch nicht fest. „Das entscheidet die Ute und Günter Grass Stiftung als Erbin der Urheberrechte“, sagt Steidl.

Auch in Behlendorf, dem langjährigen Wohnort von Günter Grass, ist das Interesse an seiner Person weiterhin spürbar. „Immer wieder kommen Menschen, die sehen wollen, wie sich die Landschaft rund um Behlendorf in seinen Werken widerspiegelt“, sagt Andreas Henschel, der Bürgermeister von Behlendorf. Grass und seine Frau Ute lebten seit 1995 in dem idyllischen Dorf rund 20 Kilometer südlich von Lübeck. Auf dem dortigen Friedhof ist er auch begraben. „Viele Gäste besuchen auch sein Grab und stellen Blumen hin, aber eine Pilgerstätte ist es nicht“, sagt Henschel. 

Anders sieht es dagegen im 2002 eröffneten und 2012 neu konzipierten Grass-Haus in der Lübecker Altstadt aus. „2015 kamen rund 30 000 Besucher, in den Jahren davor waren es zwischen 20 000 und 25 000 im Jahr“, sagt Museumsleiter Thomsa. Dazu kommen zahlreiche Ausstellungsanfragen aus dem Ausland. Das Haus besitzt mehr als 1200 Grafiken aus dem bildkünstlerischen Nachlass von Günter Grass. „Die Menschen im In- und Ausland sind neugierig geworden und wollen mehr über Günter Grass erfahren“, sagt Thomsa. 

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