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Norddeutschland Günther nimmt Kurs auf die Wahl 2017
Nachrichten Norddeutschland Günther nimmt Kurs auf die Wahl 2017
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21:20 17.11.2016
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Kiel

. Die Seebrücke hinterm Landeshaus wird für Daniel Günther zum Laufsteg. Die Linke lässig in der Anzugtasche, neue Brille, breiter Haifischkragen, die Haare aufgewirbelt. Geht da ein Mann zielstrebig „gegen den Wind“? Das Fotoshooting der Nachrichtenagentur kommt nicht von ungefähr. Neue Bilder müssen her. Kaum jemand zweifelt daran, dass die CDU ihren 43-jährigen Fraktionschef morgen auf ihrem Parteitag in Neumünster auch zum neuen Landeschef und Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 7. Mai macht. Und damit wird morgen auch gleich der Wahlkampf beginnen.

Daniel Günther will nach oben: Der Mann mit dem Haifischkragen tritt morgen zur Wahl als CDU-Landeschef und Spitzenkandidat an. FOTO: C. REHDER/DPA

„Ich bin angetreten, Ministerpräsident zu werden.

Daniel Günther (CDU)

Bislang war Günther im Windschatten von Ingbert Liebing gesegelt. Der sollte für die CDU 2017 Ministerpräsident werden, so hatten es 92 Prozent der Parteitagsdelegierten noch im Sommer entschieden.

Günther kandidierte auf Platz 2. Doch vor drei Wochen warf Liebing hin. Seine Umfragewerte waren im Keller geblieben. Auch als Parteivorsitzender trat er ab. An Günther als Nachfolger führt nach Einschätzung der meisten Christdemokraten kein Weg mehr vorbei.

In der Tat bereitet sich der 43- Jährige schon im Eiltempo darauf vor, die Führung der CDU zu übernehmen. Dazu stellt er, ganz anders als der zaudernde Liebing, zielstrebig eine Gruppe von engen Unterstützern um sich herum auf. So holte er Vitalij Baisel als Landesgeschäftsführer in die CDU-Zentrale, bisher Geschäftsführer seines Heimatkreisverbandes Rendsburg-Eckernförde. Ein von Liebing eingestellter Parteisprecher wurde hingegen sofort wieder entlassen. Den Job übernimmt Günthers Vertrauter und Fraktionssprecher Dirk Hundertmark jetzt mit.

Auf dem Parteitag in Neumünster soll es so weitergehen. Günther selber will ein Vorstandsteam zur Wahl vorschlagen: als seine Stellvertreter neben der Landtagsabgeordneten Katja Rathje-Hoffmann (53) und Junge-Union-Chef Tobias Loose (32) die Schleswiger Bundestagsabgeordnete Sabine Sütterlin- Waack (58) und den Stormarner CDU-Chef und Landtagsabgeordneten Tobias Koch (43) sowie als Schatzmeister Hans-Jörn Arp (64) und als dessen Stellvertreterin die Kielerin Kristina Herbst (39). Mehr Frauen, mehr Jüngere, mehr Städter: Das sei als Signal an die Partei gemeint, sagt Günther. Denn das seien deren drängendste Probleme: Sie habe zu wenig Frauen, sei zu schwach in den Städten, und ihr fehle eine Diskussionskultur.

Zu Diskussionen über eben dieses Personaltableau könnte es allerdings gleich morgen auf dem Parteitag kommen. So hat zum Beispiel auch Nordfrieslands Kreischefin Astrid Damerow ihre Kandidatur für einen Vizechefinnen-Posten angekündigt. Allerdings dürften Günther mittlerweile nicht nur komplette Kreisverbände wie der von Rendsburg-Eckernförde oder Stormarn unterstützen, sondern auch die Junge Union, zu deren Spitze der 43-Jährige sehr enge Kontakte pflegt und aus deren Reihen er neben Baisel jetzt zum Beispiel auch seine neue Büroleiterin im Landtag rekrutierte.

Während Günther so nach innen noch seine Macht abzusichern versucht, trumpft er nach außen schon mit markigen Sprüchen auf. „Ich bin angetreten, Ministerpräsident zu werden“, sagt er etwa. Und dass Liebings Wahlkampfslogan „Sicher leben in Schleswig- Holstein“ jetzt um weitere Schwerpunkte ergänzt werde: Um die Forderung nach einer stärkeren Spezialisierung der Hochschulstandorte oder einem kostenlosen Mittagessen für alle Kita- und Schulkinder zum Beispiel. Und in einer Landtagsrede zur Bildungspolitik gestern lobte er zunächst zwar, schon ganz staatsmännisch, SPD-Bildungsministerin Britta Ernst für ihre ruhige Herangehensweise an die Schulpolitik, griff dann aber die SPD-Grünen-SSW-Koalition hart an. Man werde nach einem Wahlsieg mit deren „ideologiegeleiteter Politik der Gleichmacherei“ Schluss machen, werde wieder eigene Gymnasiallehrer ausbilden und Noten in der Grundschule einführen.

Allerdings: Von einem solchen Wahlsieg ist auch eine Günther- CDU noch meilenweit entfernt. Gerademal 26 Prozent sagte die letzte Umfrage der Union voraus. Für ein Zweier-Regierungsbündnis allein mit der FDP werde das nicht reichen, gesteht Günther zu. Er setze deshalb auf eine Dreier-Koalition aus CDU, FDP und Grünen. Nur: Was die Grünen davon halten, gilt noch lange nicht als ausgemacht.

Wolfram Hammer

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