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Norddeutschland Gutachten empfiehlt: Lübeck soll acht Feuerwachen schließen
Nachrichten Norddeutschland Gutachten empfiehlt: Lübeck soll acht Feuerwachen schließen
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08:39 03.03.2016
Dem Gutachten zufolge ist eine von vier Wachen der Berufsfeuerwehr verzichtbar, von den 22 Wehren der Freiwilligen Feuerwehr sind demnach nur 15 nötig. Quelle: Olaf Malzahn
Lübeck/Kiel

Eine enge Zusammenarbeit beider Wehren wird nicht empfohlen. Aber die Untersuchung zeigt Einsparpotenzial in der Hansestadt auf: Die Gutachter der Luelf & Rinke Sicherheitsberatung empfehlen, acht Feuerwachen in Lübeck zu schließen. So sei eine von vier Wachen der Berufsfeuerwehr verzichtbar, von den 22 Wehren der Freiwilligen Feuerwehr seien nur 15 nötig.

Auf dem Prüfstand steht vor allem die Wache 4 der Berufsfeuerwehr in Lübeck-Schlutup. Laut Gutachten sei lediglich „ein geringer Aktionsradius festzustellen“. Das Gebiet erstrecke sich weitgehend bloß auf den Stadtteil. „Deshalb ist eine Kompensation durch die Freiwillige Feuerwehr prinzipiell umsetzbar.“

Die Ehrenamtler sollen künftig die Arbeit allein übernehmen oder von weiter entfernten Wachen unterstützt werden. Völlig unklar ist, wo dann Schlutups Löschboot und der dortige Rettungswagen stationiert werden sollen. „Der Plan ist sehr kurz gedacht“, so Jochen Mauritz, Sicherheitsexperte der Lübecker CDU.

Zu engerer Zusammenarbeit zwischen Lübeck und Kiel raten die Gutachter nicht. Wegen der Distanz sehen sie „keinen relevanten wirtschaftlichen Nutzen“ in einer engen Kooperation. Eher sei zu prüfen, ob das Lübecker Umland unterstützt werden kann. Dazu seien „gemeinsame Planungen notwendig“, heißt es. Ein Umstand, der Landesbrandmeister Detlef Radtke verwundert: „Schon jetzt schauen alle, wie die Nachbarn einbezogen werden können.“

Auch den Vorschlag, viele der 22 Freiwilligen Wehren zusammenzulegen und auf 15 zu reduzieren, sieht Radtke kritisch: „Geschieht so etwas gegen den Willen der Mitglieder, sind sie weg.“ Mauritz: „Solange noch Leute mitmachen, sollten wir keine Wachen auflösen.“ Schon 2014 berichtete Lübecks Stadtfeuerwehrverband, dass die Stadt dank der Ehrenamtler sechs Millionen Euro jährlich spart. Hans-Jürgen Martens (Linke): „Wir müssen aufpassen, dass die Ehrenamtler überhaupt noch Lust haben.“

„Ernüchternd“, nennt Lübecks FDP-Fraktionschef Thomas Rathcke das Gutachten. Er befürworte die Kooperation mit Kiel, „aber was im Gutachten steht, sind keine Synergieeffekte“. Während Lübeck sparen soll, wird für das flächenmäßig halb so große Kiel eine dritte Berufs-Feuerwache empfohlen. Die Städte sollten Fahrzeug-Bestellungen bündeln. Rathcke: „Zu einem gemeinsamen Küstenschutz steht nichts im Gutachten.“

Ohnehin ist die Verstimmung groß. In Kiel ist die Analyse bereits öffentlich, die Lübecker haben sie bis heute nicht offiziell erhalten. Das soll erst in den nächsten Wochen geschehen. „Mehr als unglücklich“ findet das Lübecks SPD-Sicherheitsexperte Frank Zahn.

Die Hansestadt und Innensenator Bernd Möller (Grüne) wollen sich derzeit nicht zu dem Thema äußern.

Schleswig-Holsteins Feuerwehr in Zahlen

1371 Freiwillige Wehren gibt es in Schleswig-Holstein. Hinzu kommen 27 Werk- und Betriebsfeuerwehren sowie 431 Jugendfeuerwehren. Berufsfeuerwehren gibt es in Lübeck, Kiel, Flensburg und Neumünster.

Der Landesfeuerwehrverband hat nach eigenen Angaben 59 343 Mitglieder, davon sind 48 211 Ehrenamtler und 780 Beamte von den Berufsfeuerwehren. Sie alle mussten 2014 zu insgesamt 33 134 Einsätzen ausrücken.

Von Peer Hellerling

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