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Norddeutschland Gutachter untersuchen abgerutschte A 20
Nachrichten Norddeutschland Gutachter untersuchen abgerutschte A 20
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22:11 10.10.2017
Das abgesackte Autobahnteilstück der A 20 wird von Fachleuten begutachtet. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
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Tribsees

„Deshalb soll der Verkehr dort zunächst aufrechterhalten werden“, hieß es aus der Behörde. Vermesser des Landesamtes kontrollierten zweimal täglich mit Höhenmessungen die Fahrbahnoberfläche. In den vergangenen Tagen war auf der Fahrspur in Richtung Rostock auf einer Länge von etwa 100 Metern die Autobahn abgebrochen. In diesem Abschnitt sei ein riesiges Loch von etwa von 10 Metern Breite, 40 Metern Länge und 2,50 Metern Tiefe entstanden. Insgesamt seien etwa 1000 Kubikmeter Erde weggesackt, hieß es.

Klicken Sie hier, um weitere Eindrücke von der abgesackten A 20 Richtung Rostock bei Tribsees zu sehen!

Grund für die Probleme ist nach früheren Angaben von Verkehrsminister Christian Pegel (SPD), dass die Autobahn über einer sogenannten Torflinse verläuft. Diese sei beim Bau mit vielen kleinen Betonkernen stabilisiert worden. Es müsse geklärt werden, ob die Kerne die Last nicht gehalten haben.

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Der Verkehr in Richtung Rostock wird über die Umleitungsstrecke von Tribsees über die L19 zur Anschlussstelle Sanitz geführt. Allerdings zeichnet sich da möglicherweise ein neues Problem ab.

An der direkt neben der Autobahn laufenden Umleitungsstrecke in Richtung Bad Sülze gibt es auch Verwerfungen. Vom Ministerium hieß es, dass die Schäden keineswegs mit dem auf der Autobahn vergleichbar seien. Diese Schäden sollen in der kommenden Woche behoben werden.

Der Bau der Autobahn war im Dezember 2005 nach elf Jahren Bauzeit abgeschlossen worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schnitt nahe des nun abgebrochenen Teilstücks das Band durch. Der Sprecher des deutschen Autobahnplaners Deges, Michael Zarth, bekräftigte, dass die Autobahn auf dem Stand der damaligen Technik und des Regelwerks gebaut worden sei.

BUND-Landeschefin Corinna Cwielag kritisierte hingegen, dass das Landesamt für Straßenbau und Verkehr beim Brückenschlag über die Trebel „einen Kardinalfehler“ begangen habe. Die Behörde habe trotz Einwänden der Naturschützer die Aufschüttung eines Damms in „einem mit viel Geld renaturierten Moor“ genehmigt, statt, ähnlich wie bei der Peenequerung, die Brücke weitläufiger aufzuständern.

„Der Respekt vor den natürlichen Gegebenheiten hat gefehlt. Das Resultat sehen wir jetzt.“

Für die Reparatur der A 20 wird wohl der Steuerzahler aufkommen müssen. „In der Regel gelten beim Autobahnbau gemäß der Verdingungsordnung für Bauleistungen (VOB) vier Jahre Gewährleistung“, sagte der Warnemünder Baurechtsanwalt Andreas Kuntz gestern der Ostsee-Zeitung. „Es sei denn, es wären Mängel verschwiegen worden, aber das dürfte schwer nachzuweisen sein.“

Theoretisch könnte auch der Architekt zur Rechenschaft gezogen werden, sofern ihm Planungsfehler oder Fehler bei der Überwachung der Ausführung seiner Pläne nachgewiesen werden könnten. „Aber eine Autobahn durch ein Moor zu bauen, ist nicht grundsätzlich als Fehler anzusehen“, sagte Kuntz. So ganz möchte dagegen der Automobilclub ADAC das Thema Haftung nicht abschreiben: „Sollte sich herausstellen, dass beim Bau grundlegende Leistungen nicht erbracht wurden, kann ich mir vorstellen, dass man sich vor Gericht sieht“, sagte Sprecher Christian Hieff.

Unterdessen leiden die Gemeinden an der Umleitungsstrecke unter dem Verkehr. Anke Haß vom Amt Recknitz-Trebeltal in Bad Sülze berichtete von einer gefühlten Verfünffachung des Verkehrsaufkommens in den Ortschaften entlang der Umleitungsstrecke. Bad Sülze hat eine Umgehungsstraße und bekomme weniger mit. Das große Problem entstehe nun für die Fußgänger und Radfahrer, die in diesen Dörfern die Straße queren müssen. Für sie müssten dringend Ampeln aufgestellt oder eine andere Lösung gefunden werden, sagte Haß. Sie ist sich mit dem Vize-Bürgermeister von Sanitz, Ralf Höring, einig, dass sich an der Mehrbelastung für die Einwohner wenig machen lasse. „Was sollen wir dagegen tun? Das müssen wir tapfer ertragen“, sagte Höring.

LN

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