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Norddeutschland Habeck im Gegenwind: Dem Sonnyboy ist das Lachen vergangen
Nachrichten Norddeutschland Habeck im Gegenwind: Dem Sonnyboy ist das Lachen vergangen
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20:20 07.09.2013
„Dass die Debatte über die Knicks so hart wird, habe ich nicht erwartet.“ Robert Habeck

Früher trug er die Haare lang und die Cowboystiefel halbhoch. Auf ein paar Meter Entfernung hätte man Robert Habeck (44) auch für Bon Jovi halten können. Mit der Vermutung, der gebürtige Lübecker sei Künstler, läge man dabei nicht ganz falsch. Habeck ist Schriftsteller, im übrigen genauso wie seine Ehefrau Andrea Paluch. Habeck ist aber auch engagierter Grüner. 2002 trat er in die Partei ein. Und jetzt ist er in Schleswig-Holstein Landwirtschafts- und Umweltminister. Und für die wichtige Energiewende zuständig. Ein Realo unter den Grünen. Weit weg von spinnerten Ideen einer Sonnenblumen-Partei, wie sie Fundis früherer Jahre in Schleswig-Holstein verbreiteten.

In diesen Tagen wird Habeck sich wohl häufiger fragen, was in aller Welt ihn geritten hat, den ruhigen Schriftsteller-Job gegen den eines Landesministers einzutauschen. Der Doktor der Philosophie hat sich mit Jägern angelegt, mit Fischern und zuletzt mit Landwirten. Es gebe sehr persönliche Vorwürfe, die ihm natürlich auch nahe gehen würden, formuliert Habeck. „Aber es gehört zu meinen Aufgaben, damit umzugehen.“ Die Luft sei sehr bleihaltig im Moment, räumt der Minister ein. Es werde scharf geschossen. Er meint damit auch wahlkämpfende Parteifreunde. Dem Sonnyboy ist das Lachen vergangen.

Man kann Habeck nicht vorwerfen, dass er die Konfrontation scheut. Auf seiner Sommertour ist er dahin gegangen, wo es für ihn wehtut. Er hat Dialog versprochen — und will Wort halten. Die Masche, wie der rhetorisch brillante Habeck seine Kritiker vor Ort zu beruhigen versucht, ist stets die gleiche. Aug‘ in Aug‘ lobt er sie über den grünen Klee. Ein Cleverle. So hebt er etwa bei der Erntepressekonferenz die Tüchtigkeit der Landwirte hervor. Derart Gebauchpinselten fällt es naturgemäß schwer, spontan die Keule auszupacken. Dafür schlagen aus der Deckung die Verbände drauf — in ungeschminkter Wortwahl. Habeck stört das. Er mahnt gegenseitigen Respekt an.

Vor allem die Bauern ballen die Faust in der Hosentasche. Mit einer Verordnung nimmt der Grüne ihnen einen Streifen von 50 Zentimeter beidseits von Knicks und schreibt ihnen vor, in welchem Winkel das Gehölz zu beschneiden ist. Die Landwirte ziehen vor Gericht. Per Gesetz will Habeck außerdem die Umwandlung von Grünland in Äcker verhindern. Und plant eine Fil

terpflicht für neue Schweinemastanlagen. All das sorgt für dicke Luft.

Als wären diese Aufgaben für Habeck nicht anstrengend genug: Die Jäger sollen nach dem Willen der Kieler Koalition künftig bleifrei schießen. Mit den Fischern liegt der Grüne über Kreuz, weil er mit einer Einschränkung der Stellnetzfischerei die Schweinswale besser schützen will. Habecks Lieblingsantwort lautet in solchen Momenten: „Wir brauchen eine neue Balance zwischen Nutzen und Schützen.“ Auch ein Realo ist dem Parteiprogramm verpflichtet. Heiner Rickers, Agrarexperte der CDU- Fraktion, sieht in Habeck einen Wolf im Schafspelz: „Hinter dem freundlichen Philosophen Habeck steckt ein knallharter Ideologe.“

Der Vater von vier Söhnen tröstet sich derweil selber: Die aufgeheizte Atmosphäre habe sicher auch mit der Bundestagswahl zu tun. Danach werde es wohl ruhiger. Glaubt er. Curd Tönnemann

LN

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