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Norddeutschland Hamburg statt Lübeck: Wird das Frauen-Gefängnis verlegt?
Nachrichten Norddeutschland Hamburg statt Lübeck: Wird das Frauen-Gefängnis verlegt?
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18:15 17.09.2016

bangt um sein Frauen-Gefängnis. Die weiblichen Häftlinge der Justizvollzugsanstalt (JVA) sollen aller Voraussicht nach 2020/21 nach Hamburg umziehen. So empfiehlt es ein Gutachten für die Landesregierungen in Kiel und Hamburg. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen. Lübeck-Lauerhof ist Schleswig-Holsteins einzige Justizvollzugsanstalt für Frauen.

„Es wäre ein Verlust“, sagt Jens Franke, Leiter des Frauen-Vollzugs in Lübeck, wehmütig. „Unsere gute Arbeit fände ein Ende.“ 58 Haftplätze bietet die JVA Lauerhof für weibliche Gefangene. Der Frauen-Vollzug ist gut ausgelastet. Die Haftanstalt in Hamburg-Billwerder würde Schleswig-Holstein 60 Plätze anbieten. Im Gegenzug würde die JVA Neumünster jugendliche Strafgefangene aus Hamburg übernehmen, so die Pläne. Für ein Flächenland wie Schleswig-Holstein sei das keine schöne Lösung, sagt Franke. Besucher von Häftlingen hätten noch weitere Anfahrtswege als ohnehin schon. „Und was passiert, wenn jemand aus dem offenen Vollzug vorübergehend in eine geschlossene Abteilung muss?“, fragt Franke. „Es müsste dann so etwas wie ein Sicherheitsstrafraum gebaut werden.“ Denn die Hamburger wollen die weiblichen Gefangenen aus dem offenen Vollzug zunächst nicht übernehmen. Elf Haftplätze bietet Lauerhof.

Es gebe fraglos aber auch eine andere Seite, räumt Franke ein. Das neue Strafvollzugsgesetz sieht eine Sozialtherapie für eine größere Tätergruppe als bisher vor. Das mache für die JVA Lübeck den Ausbau der sozialtherapeutischen Abteilung (SotA) zur Pflicht. Die derzeitige SotA mit 39 Plätzen baulich zu vergrößern, sei jedoch nicht möglich. Eine leergeräumte Frauenvollzugsabteilung käme der Anstaltsleitung da gerade recht.

Der Frauen-Vollzug in Lauerhof hat eine sehr bewegte Geschichte. Während des Zweiten Weltkriegs waren hier französische Widerstandskämpferinnen inhaftiert. Und die RAF-Terroristinnen Irmgard Möller, Hanna Krabbe und Christine Kuby saßen Ende der 70er Jahre hier ein. 1981 kam Marianne Bachmeier, die den mutmaßlichen Mörder ihrer kleinen Tochter Anna auf der Lübecker Anklagebank mit sechs Schüssen niederstreckte.

Mit der Verlagerung des Frauenvollzug profitierten die weiblichen Gefangenen aus Schleswig-Holstein besonders bei den Arbeits-, Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen von dem umfangreichen Angebot der JVA Billwerder, rechtfertigt das Kieler Justizministerium den geplanten Umzug. Darüber hinaus verfüge Billwerder über eine Mutter-Kind-Station. Kinder bis zu einem Alter von fünf Jahren könnten vorübergehend mit der Mutter untergebracht werden – „wenn es dem Kindeswohl dient“.

Curd Tönnemann

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