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Norddeutschland Hamburger Forscher berechnen den Wind
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20:40 07.02.2018
Der Meteorologe Ronald Quick (l.) und der Student Paul Weißbach lassen einen Fesselballon für die Messung von Winddaten steigen. Quelle: Foto: Perrey/dpa
Hamburg

Mit einem Rechenmodell aus Millionen Messdaten wollen Klimaforscher künftig den Einfluss des Städtebaus auf die Windverhältnisse genau vorhersagen können. Das Modell werde erlauben, den Einfluss von Gebäuden auf Windstärke, die Temperatur oder die Menge an Luftschadstoffen in unmittelbarer Nähe genau zu bestimmen, erklärte gestern Professor Felix Ament vom Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit der Uni Hamburg. „Das ist so, als ob man in einen Bach Steine reinlegt und Stromschnellen entstehen“, sagte der Meteorologe über die Wirkung von Bauten auf die Windverhältnisse. Das Modell soll in eineinhalb Jahren fertig sein und Stadtplanern kostenfrei zur Verfügung stehen.

Ingenieure und Architekten arbeiteten bislang mit sehr grobmaschigen Analysen, das neue Rechenprogramm solle auch Gebäudeteile ganz genau erfassen. „Wir können dann sagen, an welcher Ecke ein Straßencafé gut aufgehoben ist oder welchen Windeffekt ein achtstöckiger Neubau auf Fußgänger hätte“, sagte Aments Kollegin Sarah Wiesner. Ob es sich lohnt, den Ort mit Bäumen oder Hecken zu schützen, könne das Modell ebenfalls zeigen.

Derzeit läuft eine dritte Mess-Serie an der Hafencity-Universität, bei der die Forscher auch einen kleinen Fesselballon einsetzen.

Hamburg sei eine ziemlich windige Stadt, sagte Ament. Dafür sei die Schadstoffbelastung aber auch nicht so massiv wie beispielsweise in Stuttgart. Die Elbe bilde ein Einfallstor für den Wind, die städtische Bebauung wirke wie eine Schutzglocke, die allerdings nicht perfekt funktioniere. So seien am Ausgang der U-Bahnstation Hafencity Universität die Böen um 130 Prozent kräftiger als die durchschnittliche Windgeschwindigkeit. „Auf einen Fußgänger mit Regenschirm wirken dann extreme Kräfte“, erläuterte Wiesner.

An den extremen Böen könnte die neue Uni selbst schuld sein. Messdaten wiesen darauf hin, dass der Wind womöglich weniger pfeifen würde, wenn die Planer auf den nordöstlichen Zipfel des Gebäudes verzichtet hätten. So sei die Station Hafencity Universität der U-Bahnhof mit dem vielleicht größten Böen-Risiko in Deutschland, erklärte Wiesner.

Den wissenschaftlichen Wert der Arbeit sieht Ament vor allem in der Fähigkeit, künftig die Verteilung von Abgasen und Feinstaub genauer vorhersagen zu können.

LN

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