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Norddeutschland Hamburgs Prunkstück wird auch Lübeck nützen
Nachrichten Norddeutschland Hamburgs Prunkstück wird auch Lübeck nützen
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20:57 11.01.2017
Quelle: dpa
Lübeck

Ganz sacht bahnt sich der Oboenton den Weg ins Ohr. Entfernung spielt in diesem Saal keine Rolle: Der Klang ist präzise, plastisch und greifbar nah. Es sind die ersten Töne im Eröffnungskonzert von Hamburgs neuer Elbphilharmonie. Und sobald das Orchester einsetzt, wird deutlich: Hier ist ein akustisches Wunderwerk entstanden. Jede Kleinigkeit ist zu hören – und trotzdem entsteht ein nahezu vollkommener Zusammenklang im Raum. Was mit der fertigen Fassade des Schmuckstücks an der Elbe immer klarer wurde, findet im nun eröffneten Haus Bestätigung. Hamburg - und damit der ganze Norden - hat ein neues Wahrzeichen erhalten, mit Strahlkraft hinaus in alle Welt. Die Elbphilharmonie wird nicht schrittweise versuchen, ihre Kritiker von sich zu überzeugen. Sie wird die Herzen im Sturm erobern – auch in Schleswig-Holstein.

Vergessen ist die schmerzhafte Geburt allerdings noch nicht. Immer länger streckte sich die Bauzeit, die Kosten stiegen aufs Zehnfache des Geplanten. Oder der Streit um Verantwortung: Wer hat wann was gewusst? Wer konnte oder wollte sich später an nichts mehr erinnern? Und natürlich provoziert auch die stolze Form. Wie ein Zahn ragt das Gebäude selbstbewusst aus der Elbe und krönt fast auf Michel-Höhe die historische Speicherstadt. Gegenwind gibt es auch von Bewahrern, denen zu viel historische Substanz des Kaispeichers A verloren ging, auf dessen Grundmauern das wellenförmige Glasgebilde schwingungsarm ruht. Lange Zeit war das heute faszinierende Bauwerk ein Synonym für unschaffbare Vorhaben. Es stand in einer Reihe mit dem Riesen-Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 und Berlins Pannenflughafen BER. Mit dem gewaltigen Unterschied: Hamburg hat fertig. Völker der Welt, schaut auf diese Stadt: Entgegen finsteren Prognosen wurde hier Großes vollendet.

Es ist ein Traum von einem Konzerthaus mit weltweiter Ausstrahlung, von dem Hamburg und seine Nachbarn in einzigartiger Weise profitieren werden. Der weitgereiste Konzertbesucher wird auch an die Ostsee fahren oder Lübeck besichtigen. Und das breite Kulturprogramm in Schleswig-Holstein bekommt keine Konkurrenz, sondern wird ergänzt und kostbar bereichert.

Der Besucher der Elbphilharmonie muss sich gar nicht wörtlich vor Augen führen, welche Anstrengungen nötig waren und welche Kosten aufgewendet werden mussten, um den Traum wahr werden zu lassen. Das Haus spricht für sich, wirbt für sich, macht sich unvergesslich und unverzichtbar. Es ist wie beim Oboenton, der glasklar in der Luft schwebt und dessen Quelle der erstaunte Konzertbesucher doch nicht sofort orten kann: Schwer zu sagen, woher sie kommt – aber die Liebe zur „Elphi“ ist bereits da. Nicht nur in Hamburg.

Von Nick Vogler

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